VG-Wort Pixel

"From Russia with Love" Russland schickt Corona-Hilfe nach Italien – was sich Putin davon verspricht

Russland, Moskau: Ein Militärlastwagen wird auf ein Bord eines Frachtflugzeugs Typ Iljuschin Il-76 geladen
Russland, Moskau: Ein Militärlastwagen wird auf ein Bord eines Frachtflugzeugs Typ Iljuschin Il-76 geladen, um nach Italien transportiert zu werden
© Alexei Yereshko/Russian Defense Ministry Press Service / DPA
15 russische Militärjets landeten in dieser Woche in Rom. An Bord: Experten, Desinfektionsmittel und Beatmungsgeräte, die Italien im Kampf gegen das Coronavirus helfen sollen. Eine unerwartete Freundschaftsgeste aus Moskau – aber nicht ohne Eigennutz. 

Am vergangenen Montag landeten auf dem Militärflughafen in der Nähe von Rom neun russische Militärjets des Typs Il-76. An Bord: Militärärzte, Spezialisten auf dem Gebiet der Virologie und Epidemiologie, Mittel zur Dekontaminierung chemischer Waffen, mobile Labors zur Analyse dieser Substanzen, Ausrüstung für mobile Krankenhäuser, 100 Beatmungsgeräte und 500.000 Atemmasken. Es war schon dunkel, als die Militärwagen mit ihrer Ladung aus den Flugzeugen rollten. Aufkleber mit dem Slogan "From Russia with Love" zierten die Maschinen. Dazu zwei Herzen in russischen und italienischen Nationalfarben.

Der italienischen Außenminister Luigi di Maio nahm die Hilfslieferungen, die Italien im Kampf gegen die Corona-Pandemie helfen sollen, persönlich in Empfang. "Wir werden alles Mögliche tun, das Maximum. Wir werden so gut wir können im Kampf gegen die Infektion helfen", versprach der Leiter der russischen Hilfsmission, General-Major Sergej Kikar. Inzwischen sind sechs weitere russische Militärjets in Italien angekommen. Ihre Ladung rollt zuerst nach Bergamo, das Corona-Epizentrum Italiens.

"Kein Land kann so eine Pandemie allein besiegen", erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Daher sollte gegenseitige Hilfe geleistet werden. "Denn wir alle sind in einem Boot und müssen alle zusammen auf diese Herausforderung reagieren."

Russland setzt politisches Zeichen

Doch einige trauen der Sache nicht über den Weg. Die italienische Zeitung "La Repubblica" schrieb: "Derzeit beginnen sich in Italien angesichts der Coronavirus-Krise viele zu fragen, wie nützlich die aus dem Kreml geschickte Hilfslieferung ist. Und ob es sich dabei wirklich nur um eine humanitäre Aktion handelt. Oder ob sich hinter der Operation 'From Russia with Love' wie in dem 007-Film ein Plan verbirgt, um die (westliche) Allianz zu schwächen."

Tatsächlich setzt Russland mit der Geste auch ein politisches Zeichen. Die Beziehungen zur Nato waren in den letzten Jahren so gespannt wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Dennoch kommt Moskau dem Hilfeersuchen aus Rom nach. Bei einem Telefonat am 21. März hatte der italienische Regierungschef Giuseppe Conte Putin persönlich um Unterstützung gebeten.

Dass nun Russlands Militär in einem Nato-Land agiert, ist angesichts der schweren politischen Spannungen eine kleine Sensation, die auch als ein Zeichen der Dankbarkeit gewertet werden kann. Als Teil der EU trägt zwar Italien die Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Konflikt mit. Doch Rom hatte von Anfang an gefordert, die Sanktionen aufzuheben und Russland wieder in die G8-Staatengruppe aufzunehmen. Der ehemalige Innenminister Matteo Salvini drohte einst sogar mit einem Veto gegen die Sanktionen. 

Nützliches Wissen 

Nun kann sich Putin nicht nur revanchieren, sondern auch eine Botschaft senden: Während die EU-Staaten und die USA in der Corona-Krise vornehmlich auf sich selbst schauen und die italienischen Hilfeersuchen ungehört verhallen lassen, hilft Russland den notleidenden Italienern. Zwar betont man im Kreml, dass man für die Hilfe keine Gegenleistung erwartet, aber angesichts der Epidemie und der daraus folgenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten sei eine Aufhebung der Sanktionen sehr wohl "bedenkenswert", sagte Kreml-Sprecher Peskow.

Für Putin ist die Hilfe an Italien also ein politischer Coup, aus dessen Eigennutz auch nie ein Geheimnis gemacht wurde. Russland engagiere sich in Italien vor allem auch, um eigene Erfahrungen im Kampf gegen das Coronavirus zu erhalten, sagt Generalleutnant Igor Kirillow. Das Wissen, das die russischen Experten in Italien sammeln, können sie schließlich womöglich sehr bald zu Hause brauchen.

Zwar sind die Fallzahlen in Russland bislang noch nicht so hoch – mittlerweile haben sich 1036 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert (Stand 27. März) – aber auch dort ist ein weiterer Anstieg zu erwarten.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker