Deutsche Soldaten im Ausland USA fordern massiven Kampfeinsatz in Afghanistan


Verteidigungsminister Jung hat den Eingang eines scharf formulierten Schreibens seines US-Kollegen Gates bestätigt, in dem das Pentagon eine deutliche Ausweitung des deutschen Militäreinsatzes in Afghanistan fodert. Es geht um Hubschrauber und Fallschirmjäger für den umkämpften Süden.

Die US-Regierung hat Deutschland aufgefordert, sich massiv an Kampfeinsätzen im besonders gefährlichen Süden Afghanistans zu beteiligen. In einem ungewöhnlich scharf formulierten Brief an seinen deutschen Kollegen Franz Josef Jung verlangt US-Verteidigungsminister Robert Gates eine Verstärkung des Nato-Kontingents um 3200 Soldaten. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Daran solle sich auch Deutschland beteiligen.

Jungs Sprecher Thomas Raabe bestätigte den Eingang des Briefs. Schreiben vergleichbaren Inhalts gingen laut Raabe auch an andere Nato-Partner. Auf dem anstehenden informellen Treffen der Verteidigungsminister der Allianz in Vilnius würden neben weiteren wichtigen Feldern auch die laufenden Operationen und das Nato-Engagement in Afghanistan auf der Agenda stehen. Der Druck der USA dürfte die Debatte über das Engagement der Bundeswehr am Hindukusch neuerlich entfachen, schrieb das Blatt.

Denn das vom Bundestag erteilte Afghanistan-Mandat begrenze den Einsatz auf 3500 Soldaten und den Norden des Landes. Gegenwärtig sind dort laut Bundeswehr bereits 3200 Soldaten im Einsatz. Gates bittet laut Bericht seinen deutschen Kollegen, ein neues Mandat in Erwägung zu ziehen, das es ermöglicht, zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. Im Einzelnen verlangt Gates dem Bericht zufolge die Bereitstellung von Hubschrauber-Einheiten und Kampftruppen, wie etwa Fallschirmjäger. Die Deutschen sollen demnach im Herbst 3200 US-Soldaten ablösen.

Kontingent verstärkt

Die US-Regierung habe kürzlich ihr Kontingent um genau diese Größe verstärkt, um besser gegen eine Frühjahrsoffensive der Taliban im Süden Afghanistans gewappnet zu sein. Die USA wollen diese zusätzlichen Truppen offenbar schon in sechs Monaten wieder abziehen, schrieb die Zeitung In dem Brief erkenne Gates die deutsche Leistung im Norden Afghanistans an, beklage dann aber schnell die Spaltung der Nato in Nationen, die Kampfeinsätze bestreiten, und Länder, die sich nicht an der militärischen Bekämpfung der Taliban und Al Kaida-Kämpfer beteiligen. Gates spricht demnach von einer drohenden Spaltung der Allianz und warnt vor einem Verlust an Glaubwürdigkeit. Dabei beschwöre er auch die Bündnissolidarität und beschreibe die Überbelastung der US-Streitkräfte.

Der Brief von Gates stammt laut Bericht aus der vergangenen Woche. Er sei anderthalb Seiten lang und nicht datiert. Das direkt an Jung adressierte Schreiben sei in förmlichem und bestimmtem Ton verfasst. Offenbar sei der Brief an alle Nato-Staaten gerichtet, um ein Treffen der Verteidigungsminister kommende Woche in Vilnius vorzubereiten. Der Afghanistan-Einsatz wird auch den Nato-Gipfel im April in Bukarest beherrschen.

AP


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker