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DJERBA: 15-jähriges Explosions-Opfer gestorben

In Lübeck ist ein 15-jähriges Mädchen ihren schweren Verletzungen durch die Explosion auf Djerba erlegen. Ihr Körper war zu 95 Prozent verbrannt.

Eine Woche nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf der Insel Djerba ist ein 15 Jahre altes Opfer in Lübeck gestorben. Der Leiter der Intensiveinheit für Schwerbrandverletzte im Uniklinikum, Professor Peter Mailänder, sagte, die Patientin ist am Mittwochabend »erwartungsgemäß ihren schweren Verletzungen erlegen«. Die Haut des Mädchens aus Neustadt (Kreis Ostholstein) war bei der Explosionskatastrophe zu 95 Prozent verbrannt.

Frau in sehr kritischem Zustand

Die Ärzte kämpfen weiter um das Leben der übrigen in Lübeck behandelten Patienten. Der Zustand von zwei 13 und 16 Jahre alten Schwestern der 15-Jährigen bezeichnete Mailänder als stabil, der Zustand einer 33 Jahre alten Frau aus Hannover sei dagegen »sehr kritisch«. Mit dem Tod des Mädchens in Lübeck erhöht sich die Zahl der Opfer der Explosion vom vergangenen Donnerstag auf 16, elf von ihnen sind Deutsche.

Weiter Unklarheit über die Hintergründe

Es herrscht weiter Unklarheit über die Hintergründe. Zwar verdichteten sich die Anzeichen für einen Terroranschlag, Bundesaußenminister Joschka Fischer warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen. Bundesinnenminister Otto Schily sprach dagegen von Sachbeweisen für einen Anschlag und wies darauf hin, dass auch in Deutschland eine Bedrohung durch islamistische Terroristen bestehe.

Druck auf islamistische Netzwerke erhöht

»Es gibt intakte islamistische Netzwerke und ein daraus resultierendes Gefahrenpotenzial«, sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend im »Heute-Journal« des ZDF. Der Druck der Ermittler auf diese Organisationen sei aber in Deutschland und Europa erheblich erhöht worden.

Schily bedauerte, dass die Bundesanwaltschaft am Dienstag einen im Zusammenhang mit der Explosion Verdächtigen freilassen musste, der am Vortag wegen eines Telefonats im Ruhrgebiet festgenommen worden war. Er betonte aber, dass er als Minister die Entscheidung der Justiz nicht beeinflussen dürfe. Schily bekräftigte, dass der Drohbrief an die deutsche Botschaft in Tunis nach Einschätzung der Behörden nichts mit dem Anschlag auf der tunesischen Ferieninsel zu tun habe. Auszüge aus dem Drohbrief finden Sie hier.

In den ARD-»Tagesthemen« sagte Schily, er werde am Wochenende nach Tunesien reisen und am Montag mit Ermittlern und dem tunesischen Staatspräsidenten Zine el Abidine Ben Ali zusammentreffen.

Kinkel »Brief wurde ordnungsgemäß eingestuft«

Klaus Kinkel, ehemaliger Außenminister und davor Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND, sagte im ZDF-Morgenmagazin, man müsse aus den »sehr allgemeinen Hinweisen« des Briefes keine Verbindung zu dem »schrecklichen Attentat von Djerba« herleiten. Aus seiner Sicht sei der Brief ordnungsgemäß eingestuft worden. Zudem hätte man realistischerweise nicht viel zum Schutz der Menschen tun können, da die Drohungen sehr allgemein gewesen seien.

Fischer sagte, in Krisenregionen sei generell erhöhte Wachsamkeit geboten - besonders außerhalb der Hotelanlagen. Ziel der Terroristen sei, gerade moderate arabische Staaten wie Tunesien politisch zu destabilisieren, sagte der Grünen-Politiker am späten Mittwochabend im ZDF. Sie wollten diese Länder im Tourismus als ihrer Haupteinnahmequelle treffen. Man müsse also genau abwägen, ob man vor Reisen dorthin warne. Das letzte Wort hätten aber die Sicherheitsbehörden mit ihren guten Kenntnissen. Deren Ermittlungen müssten jetzt abgewartet werden.

Verbraucherschützer fordern Kulanz bei Tunesien-Reisen

Unterdessen forderten Verbraucherschützer, dass Tunesien-Urlauber ihre Reise ohne Mehrkosten umbuchen können. Angesichts der unsicheren Lage in Tunesien sollten die Reise-Unternehmen die Ängste ihrer Kunden ernst nehmen und sich bei Stornierungen kulant zeigen, hieß es in einer Erklärung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Verträge können nur bei Reisewarnung gekündigt werden

Die Verbraucherzentrale wies darauf hin, dass Reiseverträge wegen höherer Gewalt nur gekündigt werden könnten, wenn eine grundsätzliche Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliege. Derzeit rät das Amt in Berlin jedoch nur zu erhöhter Vorsicht. Bei einer Kündigung des Reisevertrages müssten die Kunden deswegen mit Stornierungskosten rechnen.

Die verbraucherpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gudrun Kopp, forderte eine offizielle Reisewarnung für Tunesien. »Es ist unverantwortlich, keine allgemeine Warnung auszusprechen, wenn selbst die Regierung von einem Terroranschlag ausgeht«, sagte Kopp der »Bild«-Zeitung.