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US-Wahl 2020 Chaotisches TV-Duell: Darum kritisieren auch die Republikaner Donald Trump scharf

Kombo - Donald Trump und Mitch McConnell
Seltene eindeutige Kritik von Mitch McConnell (re.) an Donald Trump. Der Führer der Republikaner-Mehrheit im Senat nannte Trumps fehlende Distanzierung zur Ultrarechten im TV-Duell "inakzeptabel".
© Jim Watson / Brendan Smialowski / AFP
Unzufriedenheit herrscht bei den Republikanern nach dem ersten TV-Duell der Bewerber ums Oval Office. Trumps Weigerung, sich klar von "Weißer Vorherrschaft" zu distanzieren, sorgt für Kritik in eigenen Reihen, er müsse das korrigieren.

"Proud Boys - stand back and stand by". Es ist nicht zuletzt diese Aufforderung an die ultrarechte Gruppierung "Proud Boys", sich "bereit zu halten" ("stand by"), die Donald Trump nach dem weithin als chaotisch kritisierten TV-Duell mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden nachhängt. Dass sich der US-Präsident darin nicht ausdrücklich von der Philosophie der "Weißen Vorherrschaft" distanziert hat, hat Trump ungewöhnlich massive Kritik auch aus dem eigenen Lager eingebracht. Zudem habe er eine "goldene Gelegenheit verpasst", dem Rennen ums Weiße Haus eine Wende zu geben, hieß es aus republikanischen Kreisen.

In seltener Eindeutigkeit kritisierte der Führer der republikanischen Mehrheit im US-Senat, Mitch McConnell, den Präsidenten. Es sei "inakzeptabel", dass Trump sich während des TV-Duells nicht eindeutig von der so genannten "White Supremacy" distanziert habe, sagte McConnell nach der Debatte. Er schließe sich vollinhaltlich den Worten des Senators von South Carolina, Tim Scott, an, betonte McConnell.

Senator Tim Scott: "Er muss das korrigieren"

Scott, einziger Schwarzer unter den republikanischen Senatoren, hatte Trump direkt aufgefordert, sich zu korrigieren: "Die Vorherrschaft der Weißen sollte in allen Zusammenhängen verurteilt werden. Ich denke, der Präsident hat sich falsch ausgedrückt und er muss das korrigieren." Scott fügte hinzu: "Wenn er [Trump] sich nicht korrigiert, dann glaube ich, dass er sich nicht versprochen hat."

Weitere republikanische Politiker und auch Brian Kilmeade, einer der Moderatoren von "Fox & Friends", der bevorzugten Morning Show Trumps, zeigte sich verblüfft über die unklare Haltung des Präsidenten. "Das ist, als würde man gefragt: 'Bist du gegen das Böse?'", zeigte sich Kilmeade irritiert. Er wisse nicht, warum Trump diese Zweifel nicht sofort ausgeräumt habe, "aber er muss das schnellstens aufklären", so Kilmeade in ähnlicher Wortwahl wie die republikanischen Senatoren Bill Cassidy (Louisiana), Mitt Romney (Utah) und Mike Rounds (South Dakota).

Die Kommunikationschefin des Weißen Hauses, Alyssa Farah, ließ US-Journalisten jedoch wissen, es gebe da nichts aufzuklären. Donald Trump selbst sagte, er kenne die "Proud Boys" gar nicht. Auf die Nachfrage, warum er sich nicht eindeutig von der "Weißen Vorherrschaft" distanziere, sagte der 74-Jährige: "Ich habe immer jede Form davon angeprangert." Den Begriff "White Supremacy" vermied er dabei erneut. Und etliche Republikaner wünschen sich deutlichere Worte: "Alles, was er sagen muss, ist: 'Es gibt keinen Platz für rassistische Intoleranz in diesem Land', und das sehr energisch", zitiert die "New York Times" den republikanischen Vertreter Oklahomas, Tom Cole, einen amerikanischen Ureinwohner.

Donald Trump "hat es vermasselt"

Die Debatte um die Haltung Trumps zu rassistischen Gruppierungen kommt nach Auffassung vieler Republikaner zur Unzeit. Mit seinem aggressiven Auftreten habe der Präsident Wechselwähler und Frauen eher vergrault, dabei sei das Rededuell eine "goldene Gelegenheit" gewesen, um um Stimmen aus diesen Gruppen zu werben. Nun aber stehe Trump unter Druck, in den verbleibenden Wochen sein Auftreten so zu ändern, dass er Unentschiedene doch noch auf seine Seite ziehen kann, was dringend nötig sei, um die zweite Amtszeit zu sichern.

Amy Koch, frühere republikanische Mehrheitsführerin im Senat von Minnesota, wo Trump am Mittwoch einen Wahlkampfauftritt hatte, fand vernichtende Worte zum Auftritt Trumps. "Biden sah vor allem in der ersten Hälfte der Debatte schwach aus und es schien, als würde alles, worüber sich die Demokraten Sorgen machten, eintreffen", so Koch zum Polit-Portal "The Hill", aber dann sei Trump viel zu aggressiv aufgetreten. "Es war übertrieben und unhöflich und es fühlte sich verzweifelt und mobbend an. Er hat es vermasselt."

Strategen: Trump hat es Biden leichter gemacht

Vermasselt hat es Trump auch in den Augen der Wahlkampf-Strategen der Republikaner. Eigentlich sollte der Amtsinhaber Joe Biden genügend Raum lassen, sich in seiner bekannten Art zu verhaspeln, so dass der Eindruck entstanden wäre, dass Biden tatsächlich nicht fit für das Oval Office sei, doch weil Trump seinem Herausforderer ständig ins Wort fiel, kam es gar nicht dazu. Nach Einschätzung von Alex Conant, einer der Strategen der "Grand Old Party", weiß Trump, dass er im Wahl-Rennen im Moment hinten liegt. "Er musste Biden dringend aus den Socken hauen. Er musste Biden an einen Punkt bringen, an dem dieser sich einen echten Fauxpas leistet, über den heute jeder sprechen würde, aber das ist nicht passiert."

Trotz allem schauen die Republikaner aber nach vorne. Sie setzen auf Trumps Fähigkeit, effektiv zu kontern. Bei den noch ausstehenden TV-Duellen müsse er "etwas sein, von dem die Wähler denken, dass er es nicht ist: Präsident und Oberbefehlshaber", schätzt Republikaner-Stratege Colin Reed die Situation Trumps ein. Und ihm müsse klar werden, dass eine Fernsehdebatte keine Pressekonferenz oder Wahlkampfauftritt ist. Strategie und Auftreten müsse man nicht komplett ändern, Trump müsse auch authentisch bleiben, so Reed, "aber er muss vorbereitet sein, über relevante Dinge sprechen, die Fakten kennen und als Präsident erscheinen. Noch zwei Debatten. Noch fünf Wochen. Er kann es umdrehen. Die Rezepte und Fähigkeiten sind vorhanden, aber es liegt an ihm, dies zu tun."

Quellen: "New York Times", "The Hill", CNBC, "Salon"


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