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US-Präsident mit Coronavirus infiziert Donald Trump, der US-Patient – eine Diagnose mit politischer Sprengkraft

Sehen Sie im Video: Donald Trump und seine Frau Melania mit Corona infiziert – so reagiert der US-Präsident auf Twitter.




US-Präsident Trump und First Lady  mit Coronavirus infiziert.  Das teilte Trump  auf Twitter mit.   Demnach begeben sich die  beiden sofort in Quarantäne. Kurz zuvor war Infizierung von  enger Beraterin bekannt geworden. Folgen für Präsidentenwahl  am 3. November noch unklar.
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Nun ist Donald Trump einer von rund 7,3 Millionen Corona-Infizierten in den USA. Die positive Diagnose wirft allerlei Fragen auf. Zum Beispiel: Ist der Wahlkampf nun vorbei?

Donald Trump hat die Bedrohung durch das Coronavirus kontinuierlich heruntergespielt, nun wurde der US-Präsident selbst positiv auf den Erreger getestet. In der Nacht zu Donnerstag (Ortszeit) erklärte Trump auf Twitter, dass er und First Lady Melania Trump positiv auf das Virus getestet worden seien. Kurz darauf veröffentlichte der Leibarzt des Präsidenten ein Statement, das die Infektion bestätigte. Beiden gehe es "zu diesem Zeitpunkt" gut, heißt es in der Erklärung.

Die positive Diagnose hat das Potenzial, Trumps Regierung in ein gewaltiges Chaos zu stürzen. Darüber hinaus wirft der Befund ein grelles Schlaglicht auf den Wahlkampf. Bis zu den Präsidentschaftswahlen sind es nur noch 32 Tage, der Präsident müsste sich nach Empfehlung der nationalen Gesundheitsbehörde CDC für 14 Tage in häusliche Isolation begeben – was bedeutet das für die Amtsgeschäfte, welche Auswirkungen hat das auf die bevorstehenden Fernsehdebatten und Wahlkampfauftritte? Noch stehen viele Antworten auf zentrale Fragen aus. Ein Überblick.

Wird Donald Trump die Amtsgeschäfte weiterführen?

Sean Conley, der Leibarzt des Präsidenten, geht davon aus, dass Trump seine Amtsgeschäfte weiterführen wird. "Ich erwarte, dass der Präsident während der Genesung weiterhin und ohne Unterbrechung seinen Pflichten nachkommen wird", teilt Conley mit. Er und das medizinische Team des Weißen Hauses würde wachsam sein und über die fortlaufenden Entwicklungen berichten.

Der Kardiologe von Dick Cheney, früherer US-Vizepräsident unter George W. Bush, mahnt hingegen zur Vorsicht: Man müsse die Infektion des Präsidenten wie eine potenzielle Krise behandeln, solange nicht feststeht, dass Mike Pence – Trumps Vize – nicht infiziert ist. "Die Fortsetzung der Amtsgeschäfte erfordert einen klaren Anführer und es ist sehr wahrscheinlich, dass sowohl der Präsident als auch der Vizepräsident erkranken können", so Jonathan Reiner zum US-Sender CNN.

Mittlerweile ist klar, dass ein Test bei Pence negativ ausgefallen ist (siehe Anmerkung am Ende des Textes). Auch der Test seiner Frau sei negativ ausgefallen, so Sprecher Devin O'Malley. In einer ersten Reaktion sendete der Vizepräsident "Liebe und Gebete" an die Trumps. Wie Millionen Amerikaner würde man für eine "vollständige und schnelle" Genesung des Präsidenten und der First Lady beten.

Im 25. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten ist unter anderem geregelt, dass die Amtsgeschäfte auf den Vizepräsidenten übertragen werden können, sollte der Präsident unfähig sein, sein Amt auszuüben. Nach dem Attentat auf den früheren Präsidenten Ronald Reagan (1981 – 1989) fand der Zusatzartikel zunächst keine Anwendung, vier Jahre später übertrug er seinem Vize George H. W. Bush vorübergehend und formal die Amtsgewalt, um sich einer Operation zu unterziehen. Der Präsident kann die Amtsgeschäfte wieder übernehmen, sollte er sich wieder dazu in der Lage sehen. Reagan beendete noch am selben Tag die kommissarische Präsidentschaft seines Vizepräsidenten. 

Würden sowohl Trump als auch Pence die Amtsgeschäfte nicht führen können, fällt die Fortführung dem Sprecher oder der Sprecherin des Repräsentantenhauses zu: das wäre aktuelle die Demokratin Nancy Pelosi.

Trumps Chancen auf Genesung dürften allerdings gut stehen. Obwohl er als übergewichtiger Mann über 65 Jahren statistisch gesehen zur Risikogruppe gehört, wird dem Präsidenten die Betreuung von den "besten Ärzten des Landes" zu Teil – so formuliert es jedenfalls sein Leibarzt Sean Conley, der Trump erst im April seine Gesundheit attestierte.

Was bedeutet die Diagnose für den Wahlkampf...

Die USA befinden sich auf der Zielgeraden zur Wahl am 3. November. Trump bewirbt sich um eine zweite Amtszeit, sein Herausforderer Joe Biden will das Weiße Haus für die Demokraten (zurück-)erobern. Der Wahlkampf befindet sich entsprechend in der heißen Phase. Es ist nicht unrealistisch, dass die beiden noch geplanten Fernsehdebatten zwischen den Kontrahenten – angesetzt für 15. und 22. Oktober – ausfallen könnten. Das könnte für Trump von Vorteil sein, dessen Auftritt am Dienstag sogar in den eigenen Reihen für Kopfschütteln gesorgt hatte. 

Biden und seine Frau Jill haben dem Präsidenten und der First Lady eine schnelle Genesung gewünscht (siehe Anmerkung am Ende des Textes). "Wir werden weiter für die Gesundheit und Sicherheit des Präsidenten und seiner Familie beten", so Biden auf Twitter. Bislang ist unklar, ob Trumps Herausforderer nach der TV-Debatte getestet wurde: Die beiden hatten sich dort, zwar in einigem Abstand, für 90 Minuten lang ein wüstes Wortduell auf einer Bühne geliefert. Vor dem Duell wurden beide Kandidaten negativ auf das Virus getestet.

Auch dürften die Dutzende Wahlkampf-Veranstaltungen, die Trump im Oktober abhalten wollte, nicht mehr stattfinden – also jene Events, auf denen Zehntausende Fans dem Präsidenten zujubeln. Oftmals ohne Abstand und Mund-Nasen-Schutz. 32 Tage vor den Wahlen könnte der Wahlkampf also so gut wie gelaufen sein. Schon gibt es erste Spekulationen, ob Trump diesen Umstand nutzen könnte, erneut die Legitimität des Urnengangs anzuzweifeln oder sogar eine Verschiebung der Wahl vorzuschlagen.

Ein späterer Wahltermin ist allerdings höchst unwahrscheinlich. Wann die Wahlen in den USA stattfinden, ist in einem Gesetz aus dem Jahr 1845 geregelt – und zwar am "ersten Dienstag nach dem ersten Montag im Monat November". Außerdem: "Wozu hat man einen Stellvertreter", so Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Autor des Blogs "Der USA-Experte", zum stern. Wollte Trump das Gesetz ändern, wäre er auch auf das Repräsentantenhaus angewiesen, das aktuell von den Demokraten kontrolliert wird. Darüber hinaus würde ein neuer Wahltermin eine Veränderung der Verfassung erfordern: Darin ist geregelt, dass der neue Kongress am 3. Januar vereidigt wird und die Amtszeit des Präsidenten am 20. Januar beginnt.  

... und die Kampagne von Trump?

In jedem Fall stellt die Diagnose ein PR-Desaster für die Trump-Kampagne dar. "Der Nimbus des Allmächtigen, dem nichts etwas anhaben kann, ist dahin", urteilt US-Experte Braml. "Er kann den Wahlkampf nun nicht mehr so verantwortungslos führen wie er das bisher getan hat." Dem Präsidenten wird immer wieder vorgeworfen, die Gefahr durch das Coronavirus nicht ernst genug zu nehmen. Der Präsident hat die Pandemie konsequent heruntergespielt – wie er in einem Interview sogar eingeräumt hat –, sich abfällig über das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes geäußert und noch am Donnerstag gesagt: "Ein Ende der Pandemie ist in Sicht." Nun ist Trump einer von etwa 7,3 Millionen Infizierten in den USA, die aktuell von der Johns-Hopkins-Universität gezählt werden

Der politische Kurs des Präsidenten in der Krise steht ohnehin scharf in der Kritik. Die Mehrheit der Amerikaner (56 Prozent) ist unzufrieden mit dem Krisenmanagement ihres Präsidenten, wie eine Umfrage von "Five Thirty Eight" zeigt. Die Pandemie wütet in den USA besonders heftig, mehr als 200.000 Menschen in dem Land sind bereits im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.

Vor diesem Hintergrund dürfte die Frage laut werden, ob die Trump-Administration die Infektion des Präsident womöglich vertuschen wollte. Am Donnerstagabend war bekannt geworden, dass Trumps enge Beraterin Hope Hicks positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Der Präsident selbst bestätigte die Infektion im Interview mit Fox News und sagte, dass er und Melania nun auf ihre Testergebnisse warten würden. Wie die "New York Times" berichtet, wusste das Weiße Haus allerdings schon Mittwochnacht von Hicks Testergebnis. Öffentlich wurde die Infektion von Hicks zunächst durch einen Bericht von "Bloomberg News", nicht durch das Weiße Haus. Hat der Präsident also nur auf Medienberichte reagiert? 

Hicks war in den vergangenen Tagen an der Seite von Trump und seinem Team gereist, auch zur TV-Debatte am Dienstag. Es stellt sich die Frage: Wer könnte noch infiziert sein? Der US-Sender MSNBC hat eine Liste mit Personen zusammengestellt, die in letzter Zeit mit Hicks gereist sind und engen Kontakt zu der Trump-Beraterin hatten.

Darauf finden sich 20 Namen, viele aus Trumps Familie – die in beratender Funktion für den Präsidenten tätig sind –, aber auch von Robert O'Brien, Trumps nationaler Sicherheitsberater, oder Kayleigh McEnany, der Pressesprecherin des Weißen Hauses. Kurzum: einem zentralen Teil der Trump-Administration. Angesichts der vielen Termine und Kontakte, die Trump in den darauffolgenden Tagen hatte – womöglich ohne Mund-Nasen-Schutz und Abstand –, stellen sich US-Medien bereits die Frage: Könnte Trump ein Super-Spreader sein?

Ein Symptom für die Stimmungslage

In der Nacht nach der Nachricht gibt es wenige Antworten auf viele offene Fragen. Kritiker dürften sich zumindest bestätigt fühlen, die Trump vorwerfen, das Virus stets heruntergespielt zu haben.

Ein Wahlkampf-Trumpf des Trump-Lagers ist die vom Präsidenten angestrebte schnelle Nachbesetzung eines Richterposten am höchsten US-Gericht, dem mächtigen Supreme Court – Trumps Infektion könnte nun dafür sorgen, dass diese brisante Personalie nicht ganz so stark die Schlagzeilen bestimmt wie erwartet.

Dennoch bleibt unklar,  ob die Infektion Trump letztlich schadet oder er womöglich sogar profitiert. Auf Twitter wurde umgehend und wild über ein Wahlkampfmanöver spekuliert, ohne dass es dafür den geringsten Beweis gibt – auch ein Symptom für die gereizte Stimmungslage.

Update, 14.18 Uhr: Der Sprecher des US-Vizepräsidenten hat mitgeteilt, dass der Test auf das Coronavirus bei Mike Pence negativ ausgefallen sei. Wir haben unseren Artikel, der vor dem Statement veröffentlicht wurde, entsprechend aktualisiert.

Update, 15.24 Uhr: Joe Biden, der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, hat sich nach dem positiven Corona-Befund des US-Präsidenten geäußert. Wir haben unseren Artikel, der vor der Äußerung veröffentlicht wurde, entsprechend aktualisiert.


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