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Analyse

Sitzung im Weißen Haus: "Mann, er war noch viel besser, als wir dachten": Trumps bizarre Aussagen beim Kabinettstreffen

Donald Trump hat sich im Weißen Haus mit seinem Kabinett getroffen. Vor der Sitzung hielt der US-Präsident einen langen Monolog – und gab dabei einige bemerkenswerte Dinge von sich.

US-Präsident Donald Trump vor der Kabinettssitzung im Weißen Haus

US-Präsident Donald Trump hat am Montag im Weißen Haus eine Kabinettssitzung abgehalten. Für Wirbel sorgen aber nicht etwa die Ergebnisse dieser Besprechung, sondern der lange Monolog des Republikaners, den er zu Beginn des Termins vor den anwesenden Journalisten hielt. Darin attackierte er nicht nur wie üblich die Opposition und die Presse, er fand auch lobende Worte für die Demokraten und mahnende für seine eigene Partei. Darüber hinaus strotze seine von nur wenigen Fragen unterbrochene Ansprache vor allem vor Selbstbeweihräucherungen, Übertreibungen und Lügen.

Wir haben die zehn bemerkenswertesten Aussagen des US-Präsidenten für Sie zusammengestellt:

Über die Demokraten:

"Sie sind bösartig und sie halten zusammen. Sie haben Mitt Romney nicht in ihrer Mitte. Solche Leute haben sie nicht. Sie halten zusammen."

Trumps "Kompliment" gilt den Demokraten, ist aber in Wirklichkeit an seine eigene Partei gerichtet. Der Präsident verlangt von den Republikanern vor allem in Hinblick auf das drohende Amtsenthebungsverfahren vollen Rückhalt und absolute Gefolgschaft. Zuletzt musste er sich wegen seiner Syrien-Politik und seines mittlerweile widerrufenen Planes, den nächsten G7-Gipfel in einem seiner Hotels in Florida abzuhalten, auch Kritik aus den eigene Reihen anhören. Mitt Romney, republikanischer Senator aus Utah, hatte darüber hinaus Trumps Aufforderung an die Ukraine und an China, die Geschäfte seines politischen Rivalen Joe Biden zu untersuchen, als "falsch und erschreckend" bezeichnet.

Über die Ukraine-Affäre:

Der Whistleblower ist "diskreditiert worden". Und an anderer Stelle: Der Informant "hat mein Gespräch völlig falsch wiedergegeben."

Tatsächlich gibt es nicht einen einzigen Punkt in der Darstellung des Whistleblowers von Trumps umstrittenem Anruf beim ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der als falsch entlarvt wurde. Im Gegenteil: Die vom Weißen Haus veröffentlichte grobe Mitschrift des Telefonats hat belegt, dass die Behauptungen des Hinweisgebers korrekt sind.

Über seinen ursprünglichen G7-Gipfel-Plan:

"Miami International, einer der größten Flughäfen der Welt. Einige Leute sagen, es ist der größte, aber einer der größten Flughäfen der Welt."

Trump schwärmt von dem Flughafen in Florida während er seinen revidierten Plan rechtfertigt, den G7-Gipfel im nächsten Jahr in einem seiner dortigen Hotels auszurichten. Seine Aussage ist allerdings komplett falsch. Der Flughafen in Miami gehört, was die Passagierzahlen angeht, nicht einmal zu den Top 20 der Welt. Und was seine Fläche betrifft, ist er laut dem US-Sender CNN nicht einmal halb so groß wie zum Beispiel der O'Hare-Airport in Chicago.

"Ihr Leute mit dieser erfundenen Vergütungsklausel"

Die Aussage des Präsidenten bezieht sich auf den Vorwurf, Trump hätte sich unzulässig im Amt bereichert, wenn er den G7-Gipfel in einem seiner Hotels ausgerichtet hätte. Die Vergütungsklausel ist allerdings nicht erfunden, sie steht in Artikel 1, Abschnitt 9 der US-Verfassung und stellt klar: "Niemand, der ein besoldetes oder Vertrauensamt unter der Hoheit der Vereinigten Staaten bekleidet, soll ohne Zustimmung des Kongresses ein Geschenk, ein Gehalt, ein Amt oder einen Titel irgendeiner Art von einem König, Fürsten oder fremden Staat annehmen."

Über die Syrien-Krise:

"Die Leute haben seit Jahren versucht, diesen Deal abzuschließen"

Die Aussage des US-Präsidenten über sein Waffenstillstandsabkommen mit der Türkei entbehrt nicht nur jeder Grundlage, sie ist geradezu unsinnig. Die Vereinbarung ist speziell an die aktuelle türkische Offensive gebunden, die direkt auf Trumps Entscheidung folgte, US-Truppen aus den Kurdengebieten in Nordsyrien abzuziehen. Sie ist keine Vereinbarung, die langjährige regionale Streitigkeiten löst.

Der Brief von Donald Trump an Recep Tayyip Erdogan sorgt für Spott und Hohn auf Twitter.

Über seine Wahlkampfveranstaltungen:

"Ich hatte an die 25.000 Leute in der Arena"

Trumps Aussage bezieht sich auf seine Wahlkampfveranstaltung vergangene Woche im American Airlines Center in Dallas. Sie kann allerdings gar nicht stimmen, denn die Mehrzweckhalle, in der auch die Dallas Mavericks ihre Basketballspiele austragen, fasst nur 20.000 Menschen.

"Bei keiner meiner Kundgebungen gab es noch freie Plätze"

Trump behauptet immer wieder, vor ausverkauften Hallen aufgetreten zu sein. Tatsächlich gab es CNN zufolge aber leere Plätze bei mehreren Kundgebungen, darunter eine Anfang dieses Monats in Minneapolis, eine Juli-Kundgebung in Greenville, North Carolina, eine Kundgebung im Oktober 2018 in Houston und eine Kundgebung im April 2017 in Harrisburg, Pennsylvania.

Über seine Finanzen:

"Ich gebe mein Präsidentengehalt ab. Man sagt, dass kein anderer Präsident das getan hat. Ich bin überrascht, um ehrlich zu sein. Man sagt tatsächlich, dass George Washington der einzige andere Präsident gewesen sein könnte."

Trump spendet sein Gehalt tatsächlich, aber er ist nicht der einzige Präsident, der das getan hat, wie der US-Sender CNN berichtet. Demnach verzichteten sowohl John F. Kennedy als auch Herbert Hoover auf das Geld. Washington dagegen nicht. Obgleich der erste Präsident der USA Gehaltszahlungen zunächst abgelehnt habe, habe er sie akzeptiert, nachdem der Kongress darauf bestanden hatte.

"Ich würde sagen, dass es mich irgendetwas zwischen zwei und fünf Milliarden Dollar kostet, Präsident zu sein - und das ist okay. [...] Ich hätte ein Vermögen verdient, wenn ich nur mein Geschäft geleitet hätte."

Belege für seine Zahlen liefert Trump nicht. Dafür aber eine aus seiner Sicht vermutlich völlig plausible Erklärung für seine entgangenen Einnahmen als Geschäftsmann:

"Ich bin sehr gut im Immobiliengeschäft. Sehr, sehr gut. Viel besser, als Sie denken. Wenn Sie meine Finanzunterlagen sehen, die ich zur richtigen Zeit herausgeben werde, werden Sie sagen: 'Mann, er war noch viel besser, als wir dachten'".

Quellen: Whitehouse.gov, CNN, Verfassungen.net

tkr