VG-Wort Pixel

US-Wahlkampf Trump bricht Interview ab – und droht TV-Sender CBS

Sehen Sie im Video: Trump vs. Stahl – Wer ist die TV-Journalistin, die sich mit dem US-Präsidenten anlegt?




Das ist die Frau, die Trump in einem TV-Interview zur Weißglut treibt: Lesley Stahl ist TV-Journalistin bei dem investigativen US-Nachrichtenmagazin „60 Minutes“ von CBS.  
Donald Trump hat ein Gespräch mit Stahl abgebrochen, weil er drei Fragen der Journalistin nicht mochte. Auf Twitter bezeichnet Trump das Programm als voreingenommen und droht das Gespräch zu veröffentlichen.  Dann postet Trump ein kurzes Video, um die Journalistin zu diffamieren.  
Das ist die Frau, die Trump in einem TV-Interview zur Weißglut treibt: Lesley Stahl ist die TV-Journalistin des investigativen US-Nachrichtenmagazins „60 Minutes“ von CBS.  
Donald Trump hat ein Gespräch mit Stahl abgebrochen, weil er drei Fragen der Journalistin nicht mochte. Auf Twitter bezeichnete Trump das Programm als voreingenommen und droht das Gespräch vor der Ausstrahlung am Sonntag zu veröffentlichen.  Dann postet Trump ein kurzes Video, um die Journalistin zu diffamieren.  
Dass solche Aussagen ihrem Ruf Schaden könnten, davor hat Stahl sicherlich keine Angst: Sie gehört mit ihren kritischen Interviews vor der Kamera in den USA selbst schon zu den Stars und bezieht ein Jahreseinkommen im Millionenbereich. Die New Yorkerin arbeitet seit fast 30 Jahren als Korrespondentin und TV-Journalistin fürs Weiße Haus für die CBS. Ihre journalistische Karriere beginnt sie mit Berichten über die Watergate-Affäre. Oprah Winfrey und Emmy-Gewinner Steve Kroft sind ebenfalls Kollegen und Korrespondenten bei „60 Minutes“. Die 78-Jährige legt in ihren Interviews gerne die Finger auf die Wunden der Mächtigen.  Trump ist nicht der erste Präsident, der ein Interview mit der Journalistin abbricht. 2007 geht der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy vorzeitig aus einem Gespräch mit Stahl, weil sie ihn auf seine Frau anspricht. Wenige Tage später wird bekannt, dass der Präsident sich scheiden gelassen hat. Trumps verärgerte Posts lässt die 78-Jährige bisher unkommentiert. Für ihre Sendung, die am Sonntag ausgestrahlt wird, dürften sie ohnehin eine gute Promo sein.  


Quellen: New York Times, Cheatsheet, Youtube/CBS
Mehr
Das TV-Interview für die CBS-Sendung "60 Minutes" ist offenbar nicht nach dem Geschmack von US-Präsident Donald Trump gelaufen. Nachdem er es abgebrochen hat, erhebt er schwere Vorwürfe gegen den Sender.

US-Präsident Donald Trump hat ein TV-Interview laut dem Sender CBS vorzeitig abgebrochen. Trump beschwerte sich anschließend über Twitter, das Interview mit der renommierten TV-Journalistin Lesley Stahl sei "fake" und "parteiisch" und er erwäge deshalb, es noch vor der geplanten Ausstrahlung am kommenden Sonntag zu veröffentlichen. Jeder solle diesen "furchtbaren Eingriff" in die Wahl am 3. November mit Interviews vergleichen können, die mit seinem Herausforderer Joe Biden geführt worden seien.

Der Sender CNN schrieb unter Berufung auf zwei Quellen, Trump habe 45 Minuten lang mit Stahl zusammengesessen und das Interview plötzlich beendet. Als Grund habe er angegeben, dass sie genug Material für die Sendung habe.

Trumps Wahlkampfmanager Jason Miller bestritt einen Abbruch und sprach von "fake news". "Kein Drama, das Interview hat nicht abrupt geendet", zitierte CBS Miller.

Nicht das erste Interview mit Lesley Stahl

In weniger als zwei Wochen, am 3. November, wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Die Sendung "60 Minutes" gehört zu den erfolgreichsten Formaten im US-Fernsehen. Das Interview soll Teil einer "60-Minutes"-Sonderausgabe über den Republikaner Trump und seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden an diesem Sonntag sein. Die 78 Jahre alte TV-Journalistin Stahl arbeitet seit 1991 für 60 Minutes". Sie hatte nach Angaben von CBS 2016 das erste TV-Interview mit Trump nach dessen Wahlsieg geführt. 2018 interviewte sie ihn erneut.

Bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstagabend in Erie im US-Bundesstaat Pennsylvania schien Trump CBS zu drohen. "Ihr müsst Euch anschauen, was wir mit '60 Minutes' machen. Ihr werdet einen solchen Kick daraus bekommen", sagte der Präsident vor jubelnden Anhängern. "Lesley Stahl wird nicht glücklich darüber sein."

Donald Trump postet Video von Moderatorin

Bereits zuvor hatte Trump ein kurzes Video auf Twitter veröffentlicht, zu dem er schrieb: "Lesley Stahl von '60 Minutes' ohne Maske im Weißen Haus nach ihrem Interview mit mir. Da kommt noch viel mehr."

Stahl trug laut CBS eine Maske, als sie das Weiße Haus betreten und den Präsidenten begrüßt habe. Sie habe die Maske vor dem Interview abgenommen, als sie genug Abstand gehabt habe. Zu dem von Trump veröffentlichten Clip, auf dem die Journalistin ohne Maske zu sehen ist, gab CBS an, Stahl habe mit Mitarbeitern ihrer Crew gesprochen, alle seien am Dienstag negativ auf das Coronavirus getestet worden.

Trump und sein schwieriges Verhältnis zu den Medien

Trump, der zu Monatsbeginn selbst an Covid-19 erkrankte, trägt fast nie einen Mund-Nasen-Schutz. Zudem hat er wiederholt nachweislich falsche Aussagen über Gesichtsmasken und das Coronavirus verbreitet. Medien, die kritisch über ihn berichten, bezeichnet der US-Präsident als "Volksfeinde" und ihre Berichte als "Fake News". Regelmäßig wirft er US-Medien vor, diese würden Biden nicht annähernd so hart angehen wie ihn. In dem ihm nahe stehenden Sender Fox News darf Trump aber nahezu unwidersprochen seine Sicht auf die Dinge erklären.

Trump hatte in der vergangenen Woche bereits auf wiederholte Nachfragen der TV-Journalistin Savannah Guthrie von NBC sehr gereizt reagiert. US-Medien schrieben danach, Trump sei regelrecht "gegrillt" worden. Guthrie hatte sich mit einigen Antworten von Trump nicht zufrieden gegeben und nachgefragt oder Aussagen von Trump sachlich richtig gestellt. Trump hatte beispielsweise behauptet, seine Regierung habe zwei Millionen Menschen während der Corona-Pandemie das Leben gerettet. Zwei Millionen Tote beruhen jedoch auf der Annahme, dass die Regierung überhaupt keine Maßnahmen ergriffen und die Bevölkerung sich auch nicht geschützt hätte.

tkr DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker