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Videobotschaft Das will Trump die ersten 100 Tage machen

Donald Trump will sofort raus aus TPP
Donald Trump will sofort raus aus TPP
© AFP
Die Situation ist etwas bizarr. In Donald Trumps Turm geht es seit der Wahl zu wie im goldenen Bienenstock, aber zum Programm hat der designierte US-Präsident bisher geschwiegen. Nun gibt es ein Video. Darin: erste Inhalte und alte Botschaften.

Wer wissen will, wie Donald Trump die USA gestalten möchte, darf sich jetzt ein zweieinhalb Minuten langes Video ansehen. Amerikas künftiger Präsident, er bleibt sich treu.

Amerika zuerst, Jobs sind das Wichtigste, die Botschaften setze ich, Fragen: keine. Der designierte Präsident, er bevorzugt den Monolog.

Bisher gewählte US-Präsidenten waren in der Besetzung ihres Kabinetts auch nicht schneller, im Gegenteil. Aber der große Unterschied zu Barack Obama, den Bush-Präsidenten, zu Bill Clinton oder Ronald Reagan: Sie haben sich nach der Wahl einer Auseinandersetzung zu Inhalten und Positionen gestellt. Sie waren nicht nur als Inszenierung sichtbar, und sie saßen nicht weit oben abgeschottet in einem Turm über New York.

Trump hat seit Monaten keine echte Pressekonferenz gegeben. Von den wenigen Ernannten seines Kabinetts selbst ist bis auf dürre Statements, in denen sie die angebotenen Posten bejahen, nichts zu hören. Am Montag traf Trump Spitzenvertreter aller großen Sender - hinter verschlossenen Türen. Die einen sagen, es war eine Katastrophe, die anderen sprechen von Fortschritten. Am Dienstag nun will er die "New York Times" vorlassen, von einer umfassenderen Medienbegegnung ist nach wie vor keine Rede.

Washington reformieren, den Mittelstand wieder aufbauen, Jobs schaffen, das Handelsabkommen TPP kündigen - in Trumps erster Botschaft ist nichts substanziell Neues. Der Klimaschutz wird es schwer haben, Energieunternehmen nicht. Bei den Themen Einwanderung und Sicherheit bleibt Trump auffällig im Ungefähren.

Donald Trumps Zustimmungswerte sind gestiegen

Trump über Tage dabei zuzusehen, wie er die Parade potenzieller Kandidaten abnimmt, hat etwas Monarchisches. Man muss sagen, dass die Kritik an Trump vor allem aus den Medien kommt. Die Zustimmungswerte des Designierten sind angestiegen: 46 Prozent sagen in einer Umfrage des Portals Politico, sie hätten jetzt eine ganz oder überwiegend zustimmende Ansicht zu Trump. Neun Punkte mehr als zur Wahl. Auch sein erstes Video dürfte daran nichts ändern, es ist das, was man präsidial nennt. Und mit dem Fernseher gibt es eben keinen Dialog.

US-Medienkonsumenten finden das prozessionsartige Kommen und Gehen rund um den Gewählten weiter unterhaltsam. Es geht zu wie auf einer Showtreppe.Da wird Gouverneur Chris Christie auf die Schulter geklopft, Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney plötzlich über den grünen Klee gelobt, Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani weiter als Top-Kandidat hochgehalten, zuletzt als Amerikas oberster Geheimdienstler, und auch Ex-Gouverneur Rick Perry darf sich kurz im Scheinwerferlicht sonnen. Trump strahlt, deutet mit dem Finger, reckt den Daumen, Aspiranten leuchten glücklich.

Man kann auch einen Livestream aus dem Trump-Tower verfolgen. In polierten Fahrstuhltüren spiegeln sich Fotografen. Menschen kommen, Menschen gehen. Das goldene, spektakuläre Nichts. Den ganzen Tag.

Abgesehen davon, dass längst nicht Jeder den Trump-Tower durch die Vordertür betritt, lässt all das diese Inszenierung Spekulationen freien Raum, die auf Aussagen Einzelner aus Trumps Umfeld aufgebaut werden. Daran ändert auch das Video nicht viel. Zu Brisantem sagt Trump nichts.Will eine Regierung Trump Waterboarding als Foltermethode wieder zulassen? Das wäre nicht ganz einfach, aber Vize Mike Pence hat es nicht ausgeschlossen. Zweifelt Trump an Gasangriffen des syrischen Regimes auf die eigene Bevölkerung? Die Einschätzung seines scharfkantigen Sicherheitsberaters Mike Flynn legt das nahe. Das sind gravierende Fragen, zu denen man gerne mehr wüsste, sie mit der Rechtslage vergleichen möchte und mit internationalen Einschätzungen. Aber dafür bräuchte es Positionen. Oder Antworten.

Trump selbst bleibt derweil auf Twitter offenkundig auch als künftiger Präsident seinem Verhalten als Wahlkämpfer ziemlich treu. Mit weiter maximalem Erfolg. Als die kritische Berichterstattung über seinen teuren Vergleich in Sachen Trump-University groß und größer wird, zündet er einen klassischen Nebelkerzen-Tweet.Skandalös, wie das Ensemble des Musicals Hamilton in New York mit dessen Rede an Vize Pence umgegangen sei! Das war inhaltlich zwar schlicht falsch. Die amerikanische Öffentlichkeit in den sozialen Medien folgt ihm aber willig. Messbar. Die Quoten für das kritische Thema Trump-University gehen nach Trumps Intervention in den Keller. Die für das couragierte, aber vergleichsweise weniger wichtige Musical-Ensemble gehen durch die Decke.

Auch über seine Treffen mit Kandidaten twittert Trump, sozusagen parallel zum Fernsehen. Sicherheitshalber. "Wenn Trump etwas im Privaten tut, was nicht in irgendeiner Weise öffentlich wird, existiert es für ihn nicht", schreibt die "Washington Post". Deswegen mache er auch keinerlei Unterschied zwischen privat und öffentlich.

Im Ergebnis könne Trump so über eine unendliche Menge an Material verfügen: für seine größte Performance aller Zeiten. In der Nacht zum Dienstag hat er ein Video hinzugefügt, nun kann es gedeutet werden. 

DPA

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