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Analyse

Weihnachtsvisite: Donald Trump besucht US-Truppen im Irak - und belügt die Soldaten

Donald Trump und seine Frau Melania haben die US-Einheiten im Irak mit einem Weihnachtsbesuch überrascht. Der Feiertag schreckte den Präsidenten allerdings nicht davon ab, seinen Soldaten Lügen aufzutischen.

US-Präsident Donald Trump im Irak auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad westlich der Hauptstadt Bagdad

"Wir werden Euch immer beschützen": Donald Trump im Irak auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad westlich der Hauptstadt Bagdad. Der US-Präsident ist zugleich Oberbefehlshaber der Armee.

AFP

Dass Donald Trump es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, ist hinlänglich bekannt. Von seiner Amtseinführung am 20. Januar 2017 bis zum 20. Dezember dieses Jahres - also in 700 Tagen - hat der US-Präsident nach einer Zählung der "Washington Post" 7546 irreführende oder schlichtweg falsche Aussagen gemacht. Das sind durchschnittlich mehr als 10 derartige Äußerungen pro Tag.

Wer nun dachte, Trump würde sich wenigstens an Weihnachten von einer besseren Seite zeigen, hat sich getäuscht. Als der 72-Jährige am 2. Weihnachtstag den US-Truppen im Irak einen Überraschungsbesuch abstattete, belog er auch sie.

Donald Trump posiert mit Soldaten für Selfies

Trump war am Mittwoch zum ersten Mal in seiner Amtszeit in ein Kampfgebiet gereist, um den dort stationierten US-Einheiten für ihren Einsatz zu danken. Gemeinsam mit Ehefrau Melania sprach er auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad westlich der Hauptstadt Bagdad mit den Soldatinnen und Soldaten, wünschte ihnen frohe Festtage, schrieb Autogramme, posierte für Selfies und hielt eine Rede.

Anders als es bei Feiertagsbesuchen von US-Präsidenten Tradition ist, warb er in seiner Ansprache auch für seine politische Agenda. So verteidigte Trump seine Pläne für den kompletten Abzug der US-Armee aus Syrien, warf den gegnerischen Demokraten im Kongress vor, die Finanzierung einer Mauer zu Mexiko zu verweigern und zu wenig Geld für die Verteidigung ausgeben zu wollen - und schwärmte davon, wie er selbst sich um die Streitkräfte kümmere.

"Ihr beschützt uns. Wir werden Euch immer beschützen. Und Sie haben das gerade erlebt, weil Sie gerade eine der größten Gehaltserhöhungen bekommen haben, die Sie je erhalten haben", rief der Oberbefehlshaber seiner Truppe zu, wie US-Medien berichten. "Sie haben seit mehr als zehn Jahren keine mehr bekommen. Mehr als zehn Jahre. Und wir haben Ihnen eine große besorgt. Ich habe Ihnen eine große besorgt. Ich habe Ihnen eine große besorgt."

Trump präsentiert sich als Kämpfer für die Soldaten

Eine Menge Leute seien angekommen und hätten auf eine geringere Lohnerhöhung gedrängt, erzählte Trump den Soldatinnen und Soldaten. "Sie sagten: 'Weißt du, wir könnten es kleiner machen. Wir könnten es drei Prozent machen, wir könnten es zwei Prozent machen, wir könnten es vier Prozent machen'", zitiert CNN den US-Präsidenten. "Ich sagte: 'Nein. Macht zehn Prozent draus. Macht mehr als zehn Prozent draus.' Weil es lange her ist, es ist mehr als zehn Jahre her. Mehr als zehn Jahre her, das ist eine lange Zeit."

Eigenlob stinkt, sagt der Volksmund. Und dieses Eigenlob von Donald Trump riecht besonders unangenehm, denn es war gleich doppelt gelogen: Erstens betrage die Lohnerhöhung für Angehörige der US-Armee, die der Präsident als Teil eines riesigen Ausgabenpakets Anfang des Jahres genehmigt hat, nicht zehn, sondern lediglich 2,6 Prozent für 2019, schreibt unter anderem CNN. Und zweitens sei die Bezahlung des Militärs seit mehr als drei Jahrzehnten in jedem Jahr gestiegen, auch in diesem Jahr um 2,4 Prozent. Die von Trump genehmigten 2,6 Prozent für das nächste Jahr seien lediglich die höchste der Gehaltssteigerung aus den letzten neun Jahren.

Was der Weihnachtsmann von Donald Trumps Lügen hält und ob er den US-Präsidenten bei der Bescherung im Weißen Haus für seine Unehrlichkeit abgestraft hat, ist nicht überliefert. Allerdings glaubt Donald Trump ohnehin nicht an "Santa Claus", wie er kürzlich einem siebenjährigen Kind klar machte - aber das ist eine andere Geschichte.

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