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Wahlkampfrede in Florida: Trump erfindet Krieg gegen Thanksgiving - und verwirrt damit selbst seinen Lieblingssender

US-Präsident Donald Trump hat in einer Wahlkampfrede gelobt, das Erntedankfest Thanksgiving vor einer Namensänderung zu schützen. Das Problem: Niemand hat vor, den Namen zu ändern.

US-Präsident Donald Trump während einer Wahlkampfveranstaltung im BB&T Center in Sunrise, Florida

"Einige Leute wollen den Namen Thanksgiving ändern": US-Präsident Donald Trump während einer Wahlkampfveranstaltung im BB&T Center in Sunrise, Florida

AFP

Als Donald Trump sich um den Job im Weißen Haus bewarb, versprach er: "Mit Trump als Ihrem Präsidenten werden wir wieder 'Frohe Weihnachten' feiern. Der Republikaner bezog sich dabei auf die Behauptung, sein Vorgänger Barack Obama habe in seinen Grußworten zu dem christlichen Fest statt "Merry Christmas" (frohe Weihnachten) immer den Begriff "Happy Holidays" (fröhliche Feiertage) verwendet, weil dieser andere religiöse Gruppen nicht diskriminiere.

Die Behauptung ist nachgewiesenermaßen falsch. Dennoch geriert sich Trump gern als derjenige, der den "War on Christmas" gewonnen und den Amerikanern ihre Weihnachtstradition bewahrt hat. Nun will der US-Präsident offenbar den nächsten Feiertag retten: Thanksgiving. Das nordamerikanische Erntedankfest wird immer am vierten Donnerstag im November in der Regel mit einem großen Essen gefeiert. Und es ist bedroht, behauptet zumindest Donald Trump.

"Wir ändern den Namen Thanksgiving nicht"

"Wissen Sie, einige Leute wollen den Namen Thanksgiving ändern. Sie wollen den Begriff Thanksgiving nicht verwenden", verkündete der 73-Jährige am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt in Florida begleitet von Buhrufen im Publikum. "Und das war auch bei Weihnachten der Fall. Aber jetzt benutzt jeder Weihnachten wieder, erinnern Sie sich, ich hab das gesagt", lobt Trump sich selbst. "Aber jetzt müssen wir ein wenig an Thanksgiving arbeiten. Leute haben unterschiedliche Vorstellungen, warum es nicht Thanksgiving genannt werden sollte. Aber jeder in diesem Raum, das weiß ich, liebt den Namen Thanksgiving und wir ändern ihn nicht."

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Wer diese "Leute" genau sind und wie er darauf kommt, dass es sie überhaupt gäbe, bleibt Trumps Geheimnis. Nicht einmal die Moderatoren seiner Lieblingssendung "Fox & Friends", die ihm sonst immer gerne nach dem Mund reden, konnten sich so recht erklären, was den Präsidenten zu seiner steilen These veranlasst hat.

"Ich glaube nicht, dass es einen großen Druck gibt, den Namen von Thanksgiving zu ändern, oder?" rätselte Moderator Brian Kilmeade.

"Es gab mal ein Gerücht - ich glaube es war im Jahr 2015 - dass Barack Obama den Namen von Thanksgiving ändern wollte, aber das wurde widerlegt", antwortete sein Kollege Steve Doocy und bezog sich dabei auf eine von konservativen Medien verbreitete Falschmeldung, der damalige Präsident wolle den Namen in "Feiern Sie den Tag der Einwanderer" ändern.

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Donald Trump von Fox-Sendungen inspiriert?

Tatsächlich hätten Kilmeade und Doocy ahnen können, was Trump zu seinen Thanksgiving-Aussagen trieb. Jeder, der den Nachrichtensender Fox News verfolge (was Trump permanent tut), wüsste, dass die Idee von dort stamme, berichtet die US-Medienseite "Media Matters". Seit Wochen treibe der Sender erfundene Berichte über Liberale voran, die angeblich versuchten, Thanksgiving komplett "abzusagen".

Begonnen hätten die Berichte laut "Media Matters" nach dem Erscheinen eines Artikels in der "Huffington Post" mit dem Titel: "Die Umwelteinflüsse Ihres Thanksgiving-Dinners". Darin habe die Autorin Alexandra Emanuelli Anleitungen gegeben, wie man an dem Feiertag durch die Verwendung lokaler Produkte, der Auswahl kleinerer Truthähne, intelligenteres Reisen und der Minimierung von Nahrungsmittelverschwendung seinen ökologischen Fußabdruck verringern könne.

Von einer Namensänderung oder gar einer Absage des Festes ist darin allerdings an keiner Stelle die Rede. Im Gegenteil. Die Autorin schreibt explizit: "Niemand sollte davon abgehalten werden, den Feiertag zu genießen oder mit Familie und Freunden zu feiern."

Quellen: "Media Matters""Huffington Post", Snopes, National Public Radio