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Helsinki-"Versprecher" Wie Donald Trump es schaffte, sein eigenes Ansehen noch mal zu verschlimmbessern

Donald Trump Wladimir Putin
Donald Trump und Wladimir Putin beim Gipfeltreffen in Helsinki
© Brendan Smialowski / AFP
Immerhin hat Donald Trump einen Fehler eingeräumt. Das passiert selten genug. Doch damit macht er seinen Auftritt mit Wladimir Putin in Helsinki nicht ungeschehen. Im Gegenteil. Seine "Korrektur" verschlimmbessert sein Image nur noch.

Von den vielen bemerkenswerten Tagen der Trump-Präsidentschaft dürfte der 17. Juli 2018 als besonders bemerkenswert in Erinnerung bleiben. Denn an diesem Dienstag hat Donald Trump einen Fehler eingeräumt. Einen Versprecher genaugenommen, und üblicherweise ist das in der Welt des Immobilienmilliardärs nicht vorgesehen: weder Fehler noch Einräumen. Doch diesmal blieb ihm nichts anderes übrig. Zu groß ist die Schelte wegen des befremdlichen Gipfel-Auftritts mit Wladimir Putin in Helsinki, der Präsident der Vereinigten Staaten ruderte tatsächlich öffentlich zurück. Nur macht das die Sache schlimmer als sie ohnehin schon ist.

Ein Versprecher? Ausgerechnet jetzt?

Denn dieser "Versprecher" betrifft keine Lappalie. Dieser "Versprecher" betrifft einen ungeheuren Verdacht, der Trumps Amtszeit seit Beginn in beispielloser Weise belastet. Es geht um nicht weniger als die Befürchtung, Russland habe sich in die US-Wahl eingemischt und sie manipuliert – zugunsten Donald Trumps. Und nun steht der Wahlgewinner Trump neben Wladimir Putin, dem mutmaßlichen Drahtzieher der möglichen Beeinflussung, und spricht den Hauptverdächtigen frei. Er sehe keinen Grund, dass es Russland gewesen sein solle, sagte er. Wollte aber gemeint haben: Er sehe keinen Grund, dass Russland es nicht gewesen sein solle. Ein Versprecher? Ernsthaft, Mr. President? In dieser Situation? Vor der Weltpresse? Ausgerechnet nach einem Treffen mit Russlands höchstem Vertreter?

Trumps "Korrektur" wirkt noch unglaubwürdiger, wenn man die Pressekonferenz in Helsinki verfolgt hat. Da stand kein US-Staatsoberhaupt, das die Unschuldsbeteuerungen Putins anzweifelt und nur gute Miene zum bösen Spiel macht. Im Gegenteil, da stand ein Mann, der sich die Äußerungen des Russen gänzlich zu Eigen gemacht hat. Nichts deutete in Sprache, Gestus und Kontext darauf hin, dass Trump auch nur den Hauch eines Zweifels an der russischen Darstellung hegt. Alles, was Trump an diesem Tag sagte, war das, wovon auch Trump selbst überzeugt ist. Nicht nur an diesem Tag.

Für Donald Trump ist Russland eher unschuldig

Es passte im Übrigen auch zu dem, was Trump schon seit Wahlkampfzeiten erzählt: Die US-Geheimdienste sind parteiisch, die Ermittlungen gegen ihn und sein Team eine Hexenjagd, Russland ist irgendwie schuldig, aber bitte schön nicht an seinem Wahlsieg. Man kann es drehen und wenden wie man will, wenn der US-Präsident plötzlich von einem "Versprecher" spricht, will er die Amerikaner und die Welt für dumm verkaufen. Wenigstens eine gute Ausrede für den peinlichen Auftritt hätte man vom mächtigsten Mann der Welt erwarten dürfen. Aber nicht dies.

So langsam dürfte auch den letzten Trump-Sympathisanten klar werden, dass der Mann im Weißen Haus eine "loose cannon" ist, wie es im Englischen so schön heißt. Wahllos um sich ballernd. So ungeeignet für das Amt, wie noch keiner seiner Vorgänger. Ganz gleich, wie man den Auftritt und seine "Korrektur" betrachtet  - alle Varianten sind höchst unpräsidiabel. Entweder, Trump hat in Helsinki nur seine Sicht der Dinge geschildert (was wahrscheinlich ist), dann stellt sich die Frage, wem eigentlich seine Loyalität gehört: den USA oder dem Mann im Kreml? Wenn er alles ganz anders gemeint haben will, dann ist er unfähig selbst wichtigste Anliegen plausibel darzustellen. Und wenn er sich vertan haben sollte, muss man ernsthaft an der Konzentrationsfähigkeit des Mannes mit der Hand am Atomknopf zweifeln.

Im Video: "Obama teilt gegen Trump aus: Politiker schämen sich nicht mehr für ihre Lügen"


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