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Gipfel mit Putin : "Dumm und naiv": Selbst Lieblingssender Fox News geht mit Donald Trump hart ins Gericht

Der TV-Sender Fox News ist so etwas wie die publizistische Basis für die Trump-Regierung. Doch mit seinem Auftreten in Helsinki hat der US-Präsident selbst seinen Leib-und-Magen-Sender verstört. Ob Trump das zum Nachdenken bringen kann?

In Helsinki saßen zum ersten Mal seit acht Jahren die Regierungschefs der USA und Russlands wieder bei einem bilateralen Gipfel an einem Tisch. Es sollte ein Neuanfang sein. Doch der versöhnliche Kurs, den Donald Trump gegenüber seinem Kontrahenten Wladimir Putin einschlug, löst in den USA eine breite Welle der Empörung aus. Über Parteigrenzen hinweg hagelt es massive Kritik. Politiker prangern Trumps Auftreten mit Worten wie "beschämend", "schändlich", "verräterisch", "gefährlich" oder "schwach" an. Auch die US-Presse zerpflückt den Präsidenten. Selbst beim sonst so Trump-freundlich gesinnten Sender Fox News hält man sich mit verheerender Kritik nicht zurück.

"Putin isst in Helsinki Trumps Lunch auf - So gewinnt man nicht gegen Russland", titelt der politische Kommentator Doglas E. Schoen. "Trumps Gipfel mit Putin war grundsätzlich nicht falsch", stellt er anfangs klar. Doch: "Auf der gemeinsamen Pressekonferenz war Präsident Putin berechnend und kontrolliert. Präsident Trump fehlte es hingegen an Autorität. Er lobte Putin, als er ihn hätte verurteilen müssen. Er nutzte die Gelegenheit nicht, Putin mit seinen ungeheuerlichen Aktionen des letzten Jahrzehnts zu konfrontieren - einschließlich der Einmischung in die Wahlen 2016 und die illegale Annexion der Krim 2014."

Wem vertraut Donald Trump mehr?

Immer wieder vergleicht der Journalist Trump mit Putin, und in diesen direkten Vergleichen macht der US-Präsident keine gute Figur. "Es war offensichtlich, wer die Diskussion bestimmt hatte. Während Präsident Putin einen klaren Rahmen für die Förderung russischer Interessen hatte [...], schien Trump keinen Plan zu haben. Er schwankte zwischen wagen Versprechen, die Beziehungen zu Russland zu verbessern, und zu ausgedehnten Auseinandersetzungen mit innenpolitischen Angelegenheiten der USA, vor allem der Wahl 2016."

Es ist vor allem eine Äußerung Trumps, die den Fox-Kommentator erzürnt - genauso wie andere US-Medien und Politiker. Auf der Pressekonferenz stellte sich Trump nämlich sich nicht auf die Seite der US-Geheimdienste, die von einer russischen Einmischung in den US-Wahlkampf überzeugt sind: "Ich habe großes Vertrauen in meine Geheimdienstleute", sagte Trump. "Aber ich werde Ihnen sagen, dass Präsident Putin in seinem Dementi heute extrem stark und kraftvoll war." Er fügte hinzu: "Ich habe Vertrauen in beide Parteien." Aus der Sicht von  Doglas E. Schoen ein unmögliches Statement.

"Trump muss es einfach besser machen"

"Es ist schockierend und besorgniserregend, wenn ein amtierender US-Präsident sagt, dass er einem ausländischen Staatschef mehr glaubt als den eigenen Geheimdiensten", schreibt er, auch wenn Trump das so nicht gesagt hat. 

"Trump und unser Land können nur gegen Putin gewinnen, wenn wir amerikanische Ziele und Werte durchsetzen. Präsident Trump hat es am Montag nicht geschafft", zieht der Fox-Kommentator sein Fazit. Anstatt sich gegen Putin zu stellen, habe Trump angeboten, mit Russland zu kooperieren. Für ihn ein Unding. "Es ist dumm und naiv. Präsident Trump muss es einfach besser machen", lauten seine abschließenden Worte. 

ivi