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Angebliche russische Agentin: Die Unschuld vom Schießstand - wie aus Maria Butina nun eine Märtyrerin wird

Die Geschichte von Maria Butina klingt wie aus einem Spionagethriller. Jahrelang soll sie US-Republikaner im Sinne Russlands beeinflusst haben. Dafür drohen ihr bis zu 15 Jahre Haft. Aus russischer Sicht nur eine weitere Schikane. 

Maria Butina posiert mit einer Waffe. Seit Jahren engagiert sie sich für die Waffenlobby.

Maria Butina posiert mit einer Waffe. Seit Jahren engagiert sie sich für die Waffenlobby.

Am Tag bevor Donald Trump nach Helsinki reiste, um sich mit Wladimir Putin zu treffen, schlug das FBI zu. Obwohl die US-Bundespolizei Maria Butina bereits seit Monaten überwacht hat, wählte man ausgerechnet dieses Datum, um die junge Frau festzunehmen. Ein Zufall? Natürlich nicht, schallte es daraufhin von den Podien russischer Polit-Shows. Man ist sich fast einstimmig einig: Die Verhaftung der rothaarigen Landsfrau war eine Warnung an Trump - und eine weitere Schikane der USA.

Vorwurf: Infiltration

Das FBI wirft Butina vor, von 2015 bis mindestens Februar 2017 unter Anweisung eines russischen Regierungsvertreters in den USA gearbeitet zu haben. Sie habe dabei Beziehungen zu Amerikanern entwickelt und "Organisationen infiltriert, die Einfluss in der amerikanischen Politik haben". Das Ziel sei gewesen, "die Interessen der Russischen Föderation voranzubringen". Warum das strafbar ist? Weil Butina es nach Angaben des FBI versäumt hat, sich als Agentin bei ihrer Anreise in die USA kenntlich zu machen. Wobei als Agent jeder gilt, der Interessen eines anderen Staates in den USA vertritt. Seit vergangenem Sonntag befindet sich Butina nun in Haft. 

Die Vorwürfe tut das russische Staatsfernsehen als lächerlich ab. "Was für eine Agentin, warum tut man sowas einer einfachen Studentin an", fragte etwa Ewgenij Popow die Gäste seiner Sendung "60 Minuten". 

"Der Prozess war offensichtlich auf die denkbar erniedrigende Art und Weise organisiert worden", eröffnete seine Co-Moderatorin Olga Skabajewa die Talk-Runde mit einer Beschwerde. "Die Anfrage, vor Gericht in ziviler Kleidung erscheinen zu dürfen, wurde abgelehnt. Maria erschien vor Gericht in Gefängniskleidung". Eine unnötige Demütigung einer Unschuldigen, so ihre Interpretation. 

Maria Butina und ihre mächtigen Kontakte 

Der Politologe Boris Mezhuew vertrat sogar die Meinung, dass Butina nicht russische Interessen in den USA vertreten hat, sondern amerikanische in Russland. "Sie hat hier die Interessen der Leute vertreten, die in Amerika für das Recht eintreten, Waffen tragen zu dürfen, sie hat in Russland amerikanische Werte propagiert." Und in den USA hätte sie lediglich die Konservativen Kräfte zweier Länder einander näher bringen wollen, so Metzuew, der frei bekannte, mit Butina Kontakt gehabt zu haben, vor allem im Rahmen ihrer Lobbyarbeit für die Waffenindustrie. Übrigens genauso wie der Politologe Alexej Muchin und der Duma-Abgeordnete Alexej Zhurawlew, die ebenfalls zur Gast waren und Butinas Unschuld mit aufgesetzten, lächelnden Gesichtern beteuerten.

Warum ausgerechnet Butina vom FBI zum "Opfer" im schmutzigen Polit-Spiel, das eigentlich gegen Donald Trump gerichtet sei, auserkoren wurde, erklärte Muchin ganz eigensinnig. "Der Name Butina klingt fast so wie Putin", stellte er fest. Sie sei deswegen ganz bewusst ausgesucht worden, damit die Menschen immer wieder unterbewusst den Namen Putin im Zusammenhang mit Trump hören. 

Das ganze Szenario kommt ihm zu klischeehaft vor. "Hier haben wir Sex, hier haben wir Waffen, hier haben wir eine rothaarige Schönheit. Das Bild, das Hollywood von einer russischen Agentin geformt hat, wird also zur Gänze erfüllt", befand er. Ein verdächtiger Umstand. 

"Wie kann man wieder eine Rothaarige schicken?"

Der polnische Politologe Jakub Korejba bot den Beschützern von Butina jedoch wortgewandt Konter. "Ich hatte nie Zweifel an den Fähigkeiten des russischen Geheimdienstes, die so manch andere Fehler in der Arbeit eurer Regierung kompensieren, aber wie kann man wieder eine Rothaarige schicken," fragte er süffisant und spielte damit auf die aufgeflogene Agentin Anna Champan an, die ebenfalls rothaarig ist. "Oder wollt ihr, dass alle rothaarigen Russen in Amerika verhaftet werden?", setzte er lachend hinzu. 

In einem Punkt gab Korejba den russischen Funktionären, die sich ständiger Russland-feindlicher Hetzte ausgesetzt sehen, jedoch Recht: "Im Moment ist es gefährlich, ein Russe zu sein. Weil eure Land so eine Politik fährt, dass jeder Russe im Ausland direkt verdächtig ist", so der Politologe.

Maria Butina wird zur Märtyrerin 

In der Zwischenzeit hat Moskau eine Internetkampagne zur Freilassung Butinas gestartet. Das russische Außenministerium ersetzte sein Twitter-Profilbild mit einem Foto der 29-jährigen. Dazu setzte das Ministerium den #FreeMariaButina und stilisiert sie damit zu einer Art Märtyrerin. Die Anschuldigungen gegen Butina seien fabriziert, sagte auch der russische Außenminister Sergej Lawrow seinem Ministerium zufolge bei einem Telefongespräch mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo. Deshalb müsse die Russin sofort aus der Untersuchungshaft entlassen werden.