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Trumps Lieblingssender: "Fox News": Noch nie lag ein TV-Sender so sehr im Bett mit dem Weißen Haus

Der konservative US-Sender "Fox News" ist schon lange freundlich zu Donald Trump. Wie sehr die Symbiose zwischen der US-Regierung und der TV-Station ist, beschreibt ein US-Magazin. Es ist sogar die Rede von einem "Staatsfernsehen".

Donald Trump und Sean Hannity

Donald Trump und Sean Hannity (l.): zwei, die richtig gut miteinander können

AFP

Wie der Teufel manchmal so spielt, kam die "Bestätigung" direkt aus dem Weißen Haus und das fast noch in Echtzeit. In einem sehr langen, sehr präzise recherchierten Artikel beschreibt das US-Magazin "The New Yorker", wie der erzkonservative Sender Fox News in den vergangenen Jahren zu einer Art "Staatsfernsehen" und Propagandawerkzeug für die US-Regierung geworden ist. Wohl unfreiwillig aber wie zum Beweis für die Geschichte, teilte der US-Präsident am gleichen Tag Twitter-Tiraden über Opposition und angeblich voreingenommene Medien von zwei der bekanntesten Fox-News-Gesichter, Sean Hannity und Tucker Carlson - beide erklärte Donald-Trump-Fans.

Erschreckendes Ausmaß der Verbundenheit

Dass der erzkonservative Sender zu den Lieblingskanälen von Donald Trump und seinen Anhängern gehört, ist kein Geheimnis. Auch nicht, dass Moderatoren wie Tucker Carlson und Laura Ingraham glühende Verehrer des US-Präsidenten sind. Eigentümer Rupert Murdoch pflegt trotz gelegentlicher Lästereien ein gutes Verhältnis zu Trump, hatte ihn bereits im Wahlkampf unterstützt. Doch das Ausmaß der Verbundenheit dürfte selbst viele Beobachter erschrecken. 

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Über Sean Hannity zum Beispiel heißt es in Washington, er sei der "Schatten-Stabschef" des US-Präsidenten, weil sie im ständigen Austausch miteinander stünden. Ihr regelmäßiger Kontakt ist bekannt, laut des "New Yorkers" aber sollen die beiden jeden Abend miteinander telefonieren. Nach seiner Sendung. Hannity tritt auch bei Wahlkampfveranstaltungen auf und zwar nicht als Journalist sondern als Redner. Angeblich soll Trump eine Bewertungsskala für "Fox"-Moderatoren führen. Hannity kommt danach auf den Bestwert 10. 

Reger Personalaustausch

Das Interview des "New Yorker" mit der Autorin Jane Mayer trägt den Titel "Die Drehtür zwischen Fox News und dem Weißen Haus" - und offenbar herrscht tatsächlich ein reger Austausch zwischen der TV-Station und der Regierungszentrale: So wurde "Fox"-Produzent Bill Shine Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses und stellvertretender Stabschef. Der frühere Fox-Experte Ben Carson ist jetzt Minister für Wohnungsbau. Die Moderatorin Heather Nauert wurde als US-Botschafterin für die Vereinten Nationen vorgeschlagen. Umgekehrt funktionieren die Wechsel ebenfalls: Trumps frühere Sprecherin Hope Hicks ist nun bei 21st Century Fox für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. 

Auch inhaltlich scheint die Achse Weißes Haus-Fox-Redaktion ein einziges Geben und Nehmen zu sein. Laut des "New Yorker" würde nicht nur Sean Hannity den Präsidenten de facto als Berater zur Seite stehen, Trump würde sogar Mitarbeiter aus den eher hinteren Reihen zu Telekonferenzen ins Oval Office schalten lassen. Und wie sehr die Morgensendung "Fox and Friends" die tägliche Agenda des Präsidenten beeinflusst, hat vor einem Jahr bereits das Magazin "Politico" beschrieben.

Donald Trumps 44 Interviews mit Fox News

Dass bei all den Verflechtungen Meldungen unter den Tisch fallen, die für Donald Trump unangenehm sein könnten, wundert kaum noch. So wusste Fox News offenbar schon im Wahlkampf 2016 von Trumps Affäre mit dem Pornostar Stormy Daniels, wies aber die zuständige Reporterin an, darüber nicht zu berichten. In dem "New Yorker"-Beitrag heißt es, noch nie in der Geschichte der USA sei man "so nah am Staatsfernsehen" gewesen. Fox nehme den Präsidenten in Schutz und verbreite seine Propaganda. Eine These, die von Zahlen gestützt wird: Von den 54 TV-Interviews, die der US-Präsident bislang gegeben habe, habe 44 Mal Fox den Zuschlag bekommen.

"Amerikanische Präsidenten haben es sich immer schon gemütlich mit der Presse gemacht", schreibt Fox-News-Konkurrent CNN. Umgekehrt habe es auch immer Journalisten gegeben, die sich eher als Haus- und Hofberichterstatter verstanden hätten. "Aber all das Geben und Nehmen kommt nicht ansatzweise in die Nähe dieser Symbiose. Nicht einmal 'Fox News' war jemals so sehr im Bett mit dem Weißen Haus."

Quellen: "The New Yorker", "New York Magazine", "Wbur", CNN, Deadline