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Weltwirtschaftsforum: Donald Trump in Davos - Wahlkampf in der Höhle der Löwen

Sein Ex-Berater hat Davos noch als "Hort der feigen Eliten" bezeichnet. Der Geist des Weltwirtschaftsforums und der des US-Präsidenten unterscheiden sich immens. Nun macht sich Donald Trump auf den Weg in die Schweiz. Was will er da?

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Donald Trump

Die gute Nachricht lautet, die Weltwirtschaft boomt und auch Donald Trump konnte daran bislang nichts ändern. Die größte Volkswirtschaft der Welt brummt vor sich hin, wie sie es schon seit ein paar Jahren tut. Das "America first"-Gebaren des US-Präsidenten, seine Abkapselungstendenz, der Protektionismus, die Aufkündigung von Freihandelsabkommen, all das konnte der größten Volkswirtschaft der Welt bislang nichts anhaben. Kurz bevor er nach Davos reisen wird, "den Hort der feigen globalen Elite", wie sein Ex-Berater Steve Bannon das Weltwirtschaftsforum einmal nannte, hat Trump noch schnell ein paar Strafzölle verhängt: auf Solarpaneele und Waschmaschinen.

Keine Buhrufe auf Feindesgebiet

Es ist ein Schritt, der eigentlich dem Geist des Treffens in den Schweizer Alpen widerspricht. Dort ist traditionell zu Jahresbeginn das Epizentrum der Globalisierung, dort hatte Chinas Präsident Xi Jiping vor einem Jahr in einer vielbeachteten Rede noch das Hohelied auf den Freihandel gesungen. Und nun wartet die Weltwirtschaftselite auf einen US-Präsidenten, der zwar selbst zu den Superreichen gehört, aber wegen seiner wirtschaftspolitischen Einigelei als Außenseiter gilt. Was genau also will Trump in Davos, was wird er sagen, wie werden ihn die anderen empfangen, die Konzern- und Staatenlenker ?

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Sicher ist: Auf Buhrufe braucht sich der US-Präsident nicht einzustellen, dass gebietet schon die Höflichkeit. Und die Hauptargumente gegen seinen Neo-Protektionismus werden die Kritiker bereits losgeworden sein, bevor er überhaupt in der Schweiz gelandet ist. Stellvertretend für all die, sagte etwa der Schweizer Präsident Alain Berset bereits: "Misstrauen vor Multilateralität und Freihandel verstärkt bestehende Klüfte und vertieft sie noch." Sinn- und sachgemäß äußerten sich die Vertreter Norwegens und Indiens, weitere werden folgen. Wenn Trump zum Schluss, am Freitag, ans Rednerpult tritt, dürfte der Sturm der Entrüstung bereits vorüber sein.

Hadern mit der Globalisierung

Zudem: Donald J. Trump ist nicht einmal der einzige Teilnehmer, der mit Sinn und Unsinn der Globalisierung hadert. Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds etwa sagte, dass "zu viele Menschen immer noch ausgeschlossen von der Erholung sind." Und ihr Chefvolkswirt Maurice Obstfeld ergänzt: "Besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern kommt bei den Menschen nichts von der guten weltwirtschaftlichen Entwicklung an. Ein ähnliches Gefühl haben die Menschen in vielen Industrienationen, weil ihre Reallöhne nur mäßig steigen." Donald Trump wird das gerne hören, gehören doch genau diese Menschen zu seinen Wählern. Nun erwarten die, dass ihr Mann in Davos es den Reichen und Mächtigen einmal so richtig zeigt.

Das wird er vermutlich nicht tun, jedenfalls nicht absichtlich. Der US-Präsident wird in der Schweiz den Ton für den langsam beginnenden Zwischenwahlkampf zu Hause setzen: Als heldenhafter Gladiator, der sich in die Höhle des Löwen vorwagt. Er wird die Errungenschaften seiner Steuerreform preisen, die in dem Sinne ein großer Erfolg ist, als das sie Unternehmen zugutekommt und somit Kapital freisetzt. Das zumindest ist der Plan. Und er könnte sogar aufgehen.

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Apple zum Beispiel hat angekündigt, sein Auslandsvermögen in Höhe von 252 Milliarden Dollar in den USA zu transferieren. 20.000 neue Stellen hat das iPhone-Unternehmen bereits in Aussicht gestellt. Trump wird mit triumphaler Geste von all den weiteren Jobs erzählen, die seine Reform schaffen wird. Und von den Tausenden von Dollar, die jeder Amerikaner mehr zur Verfügung haben wird. Es ist die Geschichte, wie er die USA von den Fesseln der Regulierung befreit hat und sie in eine goldene Zukunft führt. In Davos werden viele Zuhörer diese Erzählung schon kennen, aber eigentlich ist sie ja auch für seine Landsleute auf der anderen Seite des Atlantiks gedacht. Er wird sie bis zur Kongresswahl im November noch sehr, sehr oft erzählen.

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