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US-Wahlkampf Wie Donald Trump seine Gegner für sich wahlkämpfen lässt

Donald Trump Hillary Clinton Maske
Es geht langsam los: In China werden bereits die ersten Masken der Kontrahenten Donald Trump und Hillary Clinton produziert
© Ge Yuejin/DPA
Donald Trump muss für seinen Wahlkampferfolg nicht viel machen: Er inszeniert sich als Schreckgespenst und labt sich an den Reaktionen. Mittlerweile wird er sogar zum Pöbeln gedrängt - aber nicht von seiner ärgsten Gegnerin.
Von Niels Kruse

Barack Obama sagt: Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten seien "aufgeschreckt", weil Donald Trump der Kandidat der Republikaner für seine Nachfolge werde." Der linke Oppositionsführer in Australien, Bill Shorten, sagt: Einige von Trumps Ansichten seien "völlig übergeschnappt". Und der US-Musiker The Weeknd cancelt einen Auftritt in der berühmten Late-Night-Show von Jimmy Kimmel, weil dort kurz zuvor auch Donald Trump gewesen sei.

Drei Meldungen aus den vergangenen Tagen, die sich wieder mal am mutmaßlichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner abarbeiten. Allein: Was schert das Donald Trump, für den nur das Motto "Viel Feind, viel Ehr" zu zählen scheint?

Ich schrecke auf? Umso besser:

Während sich die Führer der großen Wirtschaftsnationen in Japan über den Aufstieg des Immobilientycoons sorgen, eilt der von Erfolg zu Erfolg. Nun ist auch die allerletzte Hoffnung der gemäßigten Republikaner zerstoben, das Trump auf dem Nominierungsparteitag im Juli vielleicht doch nicht die Mehrheit der Delegierten zusammenbekommen könnte. Doch dank der Unterstützung einiger bislang unabhängiger Abgesandter kann er sich seit Donnerstag der nötigen Stimmenanzahl sicher sein. "Heute haben wir zusammen die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten gewonnen", jubelte Trump verhältnismäßig bescheiden auf Twitter.

Warum Donald Trump Präsident wird?

Wenn Donald Trump am späten Abend des 8. November als gewählter Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vor die Kameras tritt, sein von jedem Selbstzweifel befreites Siegerlächeln anknipst und sich zusammen mit der Familie feiern lässt, dann wird die Welt ihr Klagelied anstimmen, das da lautet: Was haben wir bloß getan, wie konnte das passieren? Die Antwort ist, obwohl der eigentliche Wahlkampf noch nicht einmal begonnen hat, schon jetzt erkennbar: Seine Konkurrentin Hillary Clinton hat sich mit sich selbst verheddert und konnte der Egomaschine nie etwas entgegensetzen, vor allem aber musste Donald Trump nicht viel anderes tun, als eine alte Selbstverteidigungsregel zu beherzigen: nämlich die Kraft der Gegner gegen ihn selbst einzusetzen.

Im Grunde muss Trump nicht viel machen

Spätestens seit der Hälfte der Vorwahlen ist absehbar, dass jeder Angriff, jede Warnung vor dem Immobilientyccon, jede herablassende Bemerkung, jeder Witz und jede Weigerung, mit ihm gemeinsame Sache zu machen, sein Ansehen nur noch stärkt. Völlig gleich, was er sagt, gegen wen er seine populistischen Pöbelkeulen schwingt, ob er seine Forderungen nach nur wenigen Stunden revidiert oder darauf beharrt - jeder Einwand aus etablierten Kreisen (vor allem aus Washington oder den Medien) bestätigt stets Trumps Anti-Establishment-Kurs.

Trumps Wahlkampferfolg basiert im Wesentlichen darauf, dass er die ohnehin gereizte Stimmung in den USA mit hanebüchenen "Ich-gegen-den-Rest-Welt"-Thesen anheizt und dann nur noch genüsslich zusehen muss, wie sich die Meute darum kloppt. Am Ende bleibt inhaltlich vielleicht nicht viel übrig, aber der Name Donald Trump im Gespräch. Vor einigen Monaten hat die "New York Times" ausgerechnet, wie gut der Milliardär das Spiel mit der Öffentlichkeit beherrscht. Während seine innerparteiliche Konkurrenz Abermillionen für Wahlwerbung ausgeben musste, reichte Trump ein Bruchteil davon, nur um ein vielfaches der Medienpräsenz seiner Wettbewerber abzuernten.

Hillary Clinton? Wen interessiert Hillary Clinton?

Donald Trump ist für alle Medien wie der sprichwörtliche Autounfall, der Glotzer anzieht. Die meisten mögen angesichts seiner Auftritte schockiert, entrüstet oder empört sein, aber hingeguckt wird trotzdem. Das weiß der Mann natürlich und kostet seinen Ruf als quotenträchtiges Enfant Terrible nun auf besonders perfide Art aus. In der Jimmy-Kimmel-Show wurde er von Bernie Sanders, abgeschlagener aber unbeugsamer Widersacher von Hillary Clinton, zu einem Rededuell vor der Vorwahl in Kalifornien herausgefordert. Klar, so Trump, gerne, aber das wird nicht billig. Mindestens zehn Millionen Dollar müssten im Zuge der Debatte für gute Zwecke gespendet werden, fordert The Donald, denn die TV-Quoten dürften gigantisch sein.

Ungewöhnlich an dem Aufeinandertreffen ist vor allem, dass sich dann ein mehr oder weniger offizieller Präsidentschaftskandidat mit jemanden messen würde, der eigentlich keine Chance mehr hat ins offizielle Rennen einzusteigen. Sanders selbst nennt als Grund für seine Duellierlust, dass zwei Menschen aufeinandertreffen würden, deren "Weltbilder kaum weiter auseinanderliegen könnten". Doch das eigentliche Motiv der beiden ist natürlich ein ganz anderes: Sie könnten der gemeinsamen Gegnerin Hillary Clinton eines auswischen – und Trump musste nicht einmal viel dafür tun.


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