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Tod von George Floyd: Trump nennt Demonstranten auf Twitter "Anarchist" – jetzt erhält der Mann Morddrohungen

US-Präsident Donald Trump wird vorgeworfen, dass er mit seiner Reaktion auf die Unruhen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd Öl ins Feuer gieße und das Land weiter spalte. Ein Demonstrant aus Ohio spürt das ganz besonders.

Trump hält die Bibel hoch

Donald Trump setzt angesichts der Aufruhr im Land auf Härte. Die Unruhen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch einen brutalen Polizeieinsatz bezeichnet der US-Präsident als "Terror", den er mithilfe der Armee bekämpfen will. Als Verantwortliche für die Ausschreitungen hat er "professionelle Anarchisten, einen gewalttätigen Mob, Brandstifter, Plünderer, die Antifa und andere" ausgemacht. Dass Kritiker monieren, er heize den Konflikt mit seinem Vorgehen an und spalte das Land immer weiter, konnte Trump bislang nicht von seinem kompromisslosen Kurs abbringen.

"Kann irgendjemand diesen Mann identifizieren?"

Was für Folgen die Worte und Taten des US-Präsidenten für den Einzelnen haben können, bekommt jetzt ein Demonstrant aus Columbus im US-Bundesstaat Ohio zu spüren. Nathan Caraway hatte am vergangenen Samstag an Protesten in der Innenstadt von Columbus teilgenommen und war dabei gefilmt worden, wie er zwei schwarzen Jugendlichen dem Anschein nach Geld gab. "Holt euch alles, was ihr braucht", hört man Caraway, der weiß ist, die jungen Männer auffordern. Er spricht von einem "Team" und sagt: "Es gibt noch mehr Zeug, das sie hier rausbringen müssen." Dann redet er davon, weitere Picknicktische dorthin zu holen, wo sie sich gerade befinden.

Das 16 Sekunden lange Video erregte die Aufmerksamkeit der Polizei von Columbus, die eine Reihe von Bildern daraus auf Facebook postete. Dazu schrieb sie, Caraway sei eine "Person von Interesse" und bat die Öffentlichkeit, bei seiner Identifizierung zu helfen. Auf den Fotos ist auch der Text zu sehen, mit dem der Clip zuvor von einer Twitter-Nutzerin in dem Kurznachrichtendienst veröffentlicht worden war. Darin heißt es: "Kann irgendjemand diesen Mann identifizieren? Zeugen sahen ihn Samstagnacht in Columbus, Ohio, wie er Leute bezahlte, damit sie randalieren und öffentlichen Besitz zerstören. Bitte kontaktiert @ColumbusPolice."

Zusätzlich zu den Bildern der Twitter-Nutzerin teilte die Polizei ein YouTube-Video der Szene, das den Titel trägt: "Columbus-Antifa beim Bezahlen von Menschen fürs Erledigen von Aufgaben bei Unruhen". Später aktualisierten die Beamten ihren Beitrag und erklärten, dass die Person identifiziert worden sei. 

Als er am Sonntagmorgen von dem Facebookaufruf der Polizei erfahren habe, sei ihm klar, geworden, wie ernst  die Situation für ihn geworden sei, erzählte Caraway nach Angaben des US-Senders NBC. Doch es kam noch schlimmer. Am Montag postete auch Donald Trump den Clip auf seinem Twitter-Kanal und schrieb dazu: "Anarchisten, wir sehen euch!" Mittlerweile wurde der Tweet des Präsidenten mehr als 13 Millionen mal angesehen - und hat das Leben von Caraway komplett aus den Fugen gebracht, wie dieser berichtet.

Caraway bestreitet Trump-Vorwurf

Es sei sehr bedauerlich, dass der Präsident und die Polizei von Columbus das Video auf eine Art und Weise geteilt hätten, die seinem Charakter sehr geschadet habe, beklagte sich Caraway laut NBC. "Es wurden Drohungen gegen mein Leben ausgesprochen. Ich wurde komplett gedoxt – meine Adresse, meine Telefonnummern." Auch Informationen über seine Mutter seien im Internetforum 4Chan veröffentlicht worden und Unbekannte hätten bei seiner Arbeitsstelle angerufen, berichtete Caraway, der in Columbus in der medizinischen Marihuana-Industrie und als Filmemacher arbeitet. Er sei sogar auf der Straße erkannt und im Auto verfolgt worden.

Soldaten gehen mit Demonstranten auf die Knie

Und Caraway erklärte auch, was auf dem Video zu sehen sei: Er habe an einem Behelfstisch mitgearbeitet, an dem Opfer von Pfefferspray-Einsätzen der Polizei medizinisch und mit Wasser versorgt worden seien, sagte er NBC und dem Internetportal "The Grio", das sich besonders an Afroamerikaner richtet. Als die Vorräte zur Neige gegangen seien, habe er eine Gruppe junger schwarzer Männer auf Fahrrädern aufgefordert, im nächsten Laden Nachschub zu kaufen und herzubringen. Weil sie gesagt hätten, sie hätten kein Geld, habe er seine letzten 60 Dollar Bargeld aus der Tasche genommen und ihnen gegeben.

Die Jugendlichen seien mit dem Fahrrad weggefahren und er sei sich nicht sicher sei, ob sie den Nachschub wie geplant gekauft hätten, weil die Lage dann eskaliert sei und die Menschen die Picknicktische schließlich zum Schutz gegen Holzgeschosse der Polizei benutzt hätten. Er selbst sei auch getroffen worden, sagte Canaway laut NBC und belegte das mit einem Foto, dass riesige blaue Flecken auf der Rückseite eines Beines zeigt.

"Ich gehöre keinerlei politischen Gruppen an, der einzige Zweck meiner Anwesenheit war der Schutz der Menschen und die Erhaltung des Friedens auf beiden Seiten", versicherte Caraway, der in Columbus in der medizinischen Marihuana-Industrie und als Filmemacher arbeitet, "The Grio". Es sei das erste Mal gewesen, dass er an irgendeiner Art von Protestaktion teilgenommen habe und es sei "definitiv beängstigend" gewesen. "Ich sah, dass die Spannungen auf beiden Seiten hoch waren. Ich ging dorthin mit der Absicht, eine Botschaft des Friedens und der Liebe zu verbreiten."

Donald Trump und Mitglieder seiner republikanischen Partei haben wiederholt Angehörige der sogenannten Antifa beschuldigt, durch das Land zu reisen, um die Gewalt bei den täglichen Protesten zu schüren. Belege haben sie dafür bislang nicht geliefert.

Quellen: Columbus Division of PoliceDonald Trump auf TwitterNBC"The Grio"

mad