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Spontaner Einfall oder Strategie? Wie es zu Trumps überraschender Iran-Annäherung kam


Erst wird gepoltert, dann die Hand gereicht. Donald Trump kennt außenpolitisch eigentlich nur diese eine Gangart. Nun richtet er seinen Fokus wieder auf den Iran - und sendet widersprüchliche Signale.

Es war mal wieder ein klassischer Trump: Zunächst rauschte die Eilmeldung "Trump ohne Vorbedingungen zu Treffen mit Iran bereit" über die Agenturen. Wenig später musste einer seiner Mitarbeiter relativieren. Natürlich nicht ganz ohne Bedingungen. Außenminister Mike Pompeo nannte gleich eine Reihe von Forderungen an die iranische Regierung, damit Trump zu einem Treffen bereit sei: "fundamentale" Änderungen etwa, wie sei ihr eigenes Volk behandeln und ihr "bösartiges" Verhalten im Nahen Osten einstellen und einem Deal zustimmen, der die Entwicklung von Atomwaffen "tatsächlich" verhindert. Nun ja. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was Trump gesagt hatte.

Der hatte nämlich bekräftigt, "mit jedem" zu sprechen, insbesondere, wenn es "um Krieg und Tod, um Hunger und andere Dinge" gehe. Im Fall von Iran explizit ganz ohne Vorbedingungen. Anschließend lobte er sich selbst für all die tollen Ergebnisse, die seine vorherigen Gespräche etwa mit Nordkorea und der Nato angeblich gebracht hätten. Aber wie kam es überhaupt zu der überraschenden Ankündigung Trumps? Schließlich hat sich kein US-Präsident seit der islamischen Revolution 1979 mit einem iranischen Staatsoberhaupt getroffen. 

Spontaner Einfall oder Nordkorea-Strategie?

Wie so vieles im Leben des Donald Trump scheint es - zumindest auf den ersten Blick - ein relativ spontaner Einfall gewesen zu sein. Die Initiative dazu ging nämlich nicht von ihm aus. Auf der Pressekonferenz mit Italiens Staatschef Guiseppe Conte fragte ihn eine Journalistin, ob er zu einem Treffen mit dem Iran bereit sei, und ob er dafür Vorbedingungen stelle. Es folgten oben erwähnte Zitate. Auch auf explizite Nachfrage zu Vorbedingungen schloss Trump eben jene aus.

Das war auch deshalb überraschend, weil sich Trump und Irans Präsident Hassan Ruhani noch in der Vorwoche unverhohlen offen bedroht hatten. Ruhani hatte die USA mit Blick auf die neuen Wirtschaftssanktionen gewarnt, "mit dem Feuer" zu spielen. Er stellte eine Schließung der Ölexport-Routen am Persischen Golf in den Raum, was die gesamte Ausfuhr aus der Region blockieren könnte. Trump reagierte mit einem durchgehend in Großbuchstaben formulierten Tweet. Er warnte Ruhani, "nie wieder die USA zu bedrohen". Andernfalls würde er "Konsequenzen erleiden, wie sie nur wenige in der Geschichte erleiden mussten".

Das Vorgehen klingt stark nach Trumps Nordkorea-Strategie. Zunächst aus allen Rohren feuern und verbal lospoltern, sich anschließend handzahm geben, um ein dann arrangiertes Gespräch zur diplomatischen Meisterleistung zu erklären. Möglicherweise ist das auch wieder seine Strategie.

Iran erteilt Gesprächen mit Donald Trump Absage

Der Iran selbst reagiert überwiegend skeptisch. Außenminister Dschavad Sarif erteilte möglichen Gesprächen mit der Trump-Regierung gar in schroffem Ton eine Absage. Der Iran habe mit den USA, den anderen UN-Vetomächten sowie Deutschland und der EU bereits zwei Jahre lang Gespräche geführt, schrieb Sarif am Dienstagabend auf Twitter. Das dabei 2015 herausgekommene Atomabkommen habe "funktioniert" und die USA könnten "sich nur selbst Vorwürfe machen, dass sie sich herausgezogen und den Tisch verlassen haben".

Ob es sich nun um einen spontanen Einfall Trumps auf Nachfrage einer Reporterin handelt, oder um eine länger geplante Strategie, wird sein Geheimnis bleiben. Zumindest scheint er Gefallen an der Idee gefunden zu haben. Auch am Dienstag in Florida sprach Trump wieder über ein mögliches Treffen mit dem Iran. "Ich habe das Gefühl, dass sie ziemlich bald mit uns sprechen werden", befand er - um allerdings kurz danach zu relativieren: "Und vielleicht nicht, und das ist auch ok."

Donald Trump

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