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Kommentar

Wahlversprechen: Kim, Iran, China: Donald Trumps Chiropraktiker-Diplomatie ist ein einziges Scheitern

Donald Trump ist gekommen, um die USA von den lästigen Fesseln der Globalisierung zu befreien. Mit Freude spielt er den Elefanten im Porzellanladen - wie beim Iran-Atom-Deal. Doch langsam merkt er, dass unter dem Geschirr auch sein eigenes ist.

Donald Trump

Wie geht der Weg von Donald Trump weiter?

AFP

Es gab eine kurze Zeit, eine sehr kurze, da wirkte es so, als könnte Chiropraktiker-Diplomatie wirken. Sein Ansatz, die internationalen Verspannungen mit ruckartigen Bewegungen und heilsamen Schmerzen zu lösen, hat der US-Präsident von seinem Ex-Berater Steve Bannon geerbt. Dessen Zerstörungswut, höflich Dekonstruktion genannt, sollte die USA von all den Fesseln befreien, die die Globalisierung dem Land über die Jahre ans Bein gebunden hat: Handelsabkommen, Militärbündnisse, Umweltauflagen. Die Idee: Eine Welt, in der jeder schön vor sich hinpuzzelt, ist eine bessere, friedlichere Welt.

Sollte Trump doch richtig liegen?

gelehriger Schüler nahm also Anlauf, grätschte zwischen alles, was weltweit über Jahrzehnte mühevoll gehegt und gepflegt wurde und siehe: Plötzlich wollten die Chinesen über Zölle verhandeln. Die Mexikaner über den Autobau sprechen. Und Nordkoreas Diktator an einem Tisch mit dem US-Präsidenten sitzen. Sollte Trump mit seinem rabiaten Vorgehen etwa doch richtig gelegen haben?

Nein. Nicht. Stand jetzt, 16. Mai 2018.


Am Morgen dieses Mittwoch hieß es plötzlich aus Pjöngjang: Wir verhandeln nicht mit den Amerikanern über die Abschaffung unserer Atomwaffen. Auch nicht im Gegenzug für Wirtschaftshilfe. Zack! Dabei sollte das doch Inhalt sein dieses historischen Gipfels, der für den 12. Juni in Singapur terminiert ist. Und warum überhaupt? Offiziell monieren die Nordkoreaner das Manöver "Max Thunder", das die und Südkorea in der Region abhalten. Das aber dürfte ein vorgeschobener Grund sein. Denn der Machthaber aus der isolierten Diktatur hat den US-Präsidenten schlicht am Schopf seiner Eitelkeit gepackt.

Pjöngjang führt gerne Amerikaner vor

Mal wieder könnte sich Trump mit seinem Zwang zu "Gewinnen" und zum Erfolg in die Ecke manövrieren. Denn zwar setzt er viele seiner Wahlversprechen konsequent um, nur leider sind es zum überwiegenden Teil eben auch hanebüchene Wahlversprechen. Die Gefahr einzudämmen, die von den nordkoreanischen Atombomben ausgeht, ist ein ehrenwertes Ziel. Möglicherweise sogar zu ehrenwert. Donald Trump wäre nicht der erste , der sich vor lauter Aussicht auf einen Deal von Pjöngjang vorführen lässt.

Mehrfach schon haben sich die Kim-Machthaber nicht an Abmachungen und Abkommen mit den Amerikanern herausgewunden und sie brüskiert. Sollte der US-Präsident ernsthaft glauben, den Nordkoreanern ihre Bombe abzuschwatzen, wird auch er sich wohl die Zähne ausbeißen. Denn für das Regime in Pjöngjang sind Nuklearwaffen die einzige Existenz-Versicherung. Mit dem einseitigen Ausstieg aus dem Iran-Atomdeal aber hat Donald Trump dem Diktator den Beweis für die Annahme geliefert, dass man den Amerikanern nicht trauen kann. Und wenn, dann nur zu einem sehr, sehr hohen Preis.

Und dann noch das Einschreiten bei ZTE

Zudem dürften die Machthaber gerade interessiert beobachten, wie sich der US-Präsident mit seinen anderen zahllosen Baustellen verzettelt:

So heizt der Umzug der US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem den Nahost-Konflikt wieder unnötig an. Und Trump hat keinen Plan für das weitere Vorgehen in der Region. Die vielen Palästinenser, die am Eröffnungstag im Gazastreifen durch israelische Soldaten ums Leben gekommen sind, werden von böswilliger Seite auch dem US-Präsidenten aufs Konto geschrieben.

Besonders absurd mutet das Einschreiten des US-Präsidenten beim chinesischen Mobilfunkunternehmen ZTE an. Der Handyhersteller steht vor der Pleite, weil er nach Ansicht der USA gegen die Iran-und Nordkorea-Sanktionen verstoßen hat. Eine Milliarden-Dollar-Strafe war die Folge. Außerdem wurde es US-Firmen verboten, ZTE Bauteile und das Betriebssystem zu liefern. Vergangene Woche kündigten die Chinesen an, ihren Betrieb weitgehend einstellen zu müssen. Doch dann kam Trump und entschied, das Unternehmen von der schwarzen Liste zu nehmen. "Zu viele Jobs in China verloren gegangen", twitterte er. Freund und Feind rieben sich verwundert die Augen.

Trump will Jobs in China retten?

Hatte Donald Trump nicht "America first" versprochen? Wollte Donald Trump nicht amerikanischen Arbeitern neue Jobs verschaffen? Hatte sich Donald Trump nicht über die unfairen Handelspraktiken von beschwert? War er nicht sogar bereit, deswegen sogar einen Handelskrieg zu beginnen? Und nun will ausgerechnet er Arbeitsplätze in China retten? Ausgerechnet bei einer Firma, von der das US-Militär glaubt, sie spioniere die Amerikaner aus? "Wie wäre es damit, zuerst einigen US-Firmen zu helfen?", schrieb der oppositionelle Demokrat Chuck Schumer hämisch.


Ein Grund für den Schritt könnte sein, dass er auf Bitten der chinesischen Staatsführung einschreitet und die ihm dafür in der Causa Nordkorea hilft. China ist schließlich der letzte Freund Kim Jong Uns. Oder aber er hilft indirekt sich selbst: Denn China finanziert einen Vergnügungspark in Indonesien, in dem die "Trump Organisation" den Bau eines Luxushotels nebst Golfplatz und Villen plant. Und dann steckt die US-Regierung ja auch noch in den Verhandlungen mit China über Strafzölle. Wenig überraschend ist die Welt kompliziert und vieles hängt mit vielem zusammen. Donald Trump, der stolze Elefant im Porzellanladen, merkt langsam, das unter dem Geschirr, das er mit großer Verve zerschlägt, auch sein eigenes ist.