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Rückkehr aus Florida: Zuletzt wirkte Trump präsidial - doch dann plauderte er in der Air Force One wieder los

Zuletzt wirkte Donald Trump präsidial: Er schmiedete Kompromisse und klang versöhnlich. Doch bei seiner Rückkehr aus Florida gab er sich Reportern gegenüber streitlustig - und widersprach sich immer wieder selbst. Auch in Bezug auf die Stürme "Harvey" und "Irma".

Donald Trump an Bord der Airforce One

Donald Trump im Gespräch mit Journalisten bei seiner Rückkehr aus Florida an Bord der Air Force One

In den vergangenen Tagen sah es so aus, als würde Donald Trump dann doch den Pfad des moderaten "Deal-Makings" einschlagen, wie es wohlwollende Kommentatoren schon während des Wahlkampfes von ihm erwartet hatten. In einer überparteilichen Allianz mit den Demokraten wurde erst der Regierungsstillstand verhindert, dann eine Lösung für illegale, jugendliche Einwanderer angedeutet. Auch von seinen umstrittenen Äußerungen über den Neonazi-Aufmarsch in Charlottesville distanzierte er sich mit einer Resolution gegen Rassismus. Wer glaubt, dass Trump nach acht Monaten im Amt dabei ist, einen präsidialen Stil zu finden, den belehrte er nun eines Besseren.

Donald Trump - "unverfroren und streitlustig"

Auf seinem Rückflug von Florida, wo sich Donald Trump über die Lage nach Hurrikan "Irma" informierte, sprach er eine Viertelstunde lang mit Reportern. Dabei sei er wieder ganz der Alte gewesen, wie die "Washington Post" anmerkt: "unverfroren, streitlustig und fragwürdige Behauptungen aufstellend".

Beispiel Charlottesville: Erneut rechtfertigte er seine ersten Einlassung nach den Krawallen in der Universitätsstadt. Anfang August war dort ein Aufmarsch von Rechtsextremen eskaliert, eine linke Gegendemonstrantin wurde getötet. Trump hatte anschließend darauf verzichtet, rechte Gewalt explizit zu verurteilen. Stattdessen prangerte er den Hass auf beiden Seiten an, rückte aber später von dieser Relativierung ab. An Bord der Air Force One nun wieder ein Ausfallschritt: "Besonders mit Blick auf die Antifa muss man sagen, dass es dort ebenfalls eine Reihe von richtig üblen Burschen gibt. Und das war, was ich im Grunde sagen wollte. Wenn man sich anschaut, was seit Charlottesville passiert ist, dann sagen viele Leute: 'Hey, Trump hatte vielleicht Recht'."

"Harvey" und "Irma": Der Hurrikan war einer der stärksten registrierten Wirbelstürme seit Beginn der Aufzeichnungen. In seinem Hang zu Superlativen setzte Donald Trump dazu auch eine Reihe von Tweets ab: "Epische Ausmaße". "Die Zerstörung ist weitaus größer als befürchtet." "Wow - Experten rechnen mit einer Flut, wie sie nur alle 500 Jahre vorkommt." Es war nicht so, als das der US-Präsident die Gefahr unterschätzt hätte, stets wies er auf die gute Vorbereitung der Behörden hin. Doch nun relativierte er plötzlich seine Aussagen (und die der Forscher): "Wir hatten schon größere Stürme", sagte er und bezog sich dabei auf Hurrikane vom Anfang des letzten Jahrhundert sowie den 1930ern und 1940ern. Auch die "Washington Post" kann sich nicht erklären, wie es zu dieser Kehrtwende kam.


"Obamacare": Die Abschaffung und der Ersatz von Barack Obamas Gesundheitsreform gehörte zu Trumps größten Versprechen im Wahlkampf. Doch bislang hat sich im Kongress weder eine Mehrheit für die Abschaffung noch für die Reform der Reform gefunden. Grund: Selbst bei den Republikanern ist das "Trumpcare" genannte Gesundheitspaket umstritten. Einer der größten Widersacher des Präsidenten ist John McCain, früher einmal selbst Präsidentschaftskandidat. Über dessen Rolle bei der Abstimmung sagte Trump jetzt: "Es war eine unschöne Überraschung. Die Republikaner müssen zusammenhalten, wir hatten die (nötigen) Stimmen. John McCain hat plötzlich seine Meinung geändert, so einfach ist das." Doch so einfach ist es dann doch nicht. McCain hatte niemals vor, für Trumps Gesundheitsreform zu stimmen. Er hatte in einer Sitzung lediglich dafür gestimmt, die Debatte über die Zukunft von Obamacare weiterzuführen.

Atomabkommen mit dem Iran: Donald Trump wird nicht müde, das Atomabkommen als "schlechtesten Deal aller Zeiten" zu brandmarken. Bei seinem Rückflug wiederholte er seine Äußerungen, diesmal mit einem Hinweis, der für Verwirrung sorgte: "Sie (die Iraner, d.Red.) haben verschiedentlich gegen die Auflagen verstoßen, und sie haben gegen den Geist des Abkommen gehandelt." Das ist insofern überraschend, als dass das US-Außenministerium noch vor zwei Monaten den Vertrag turnusgemäß bestätigt hat. Die "Washington Post" schreibt dazu: "Sollten die Iraner gegen Auflagen verstoßen haben, dann hat die Regierung bislang nicht verraten, wie genau."

Trumps Gespräch mit Journalisten an Bord der Air Force One im O-Ton bei CNN: