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Ronny Jackson: Oft betrunken und mieser Chef - wilde Vorwürfe gegen Donald Trumps Leibarzt

Ronny Jackson, Konteradmiral und Chefarzt im Weißen Haus soll neuer Veteranenminister werden. Doch Militärs erheben Vorwürfe gegen ihn. Der US-Präsident rät seinem Leibarzt erst zum Aufgeben, dann aber springt er ihm doch zur Seite.

Donald Trump und Ronny Jackson

Donald Trump und sein Arzt Ronny Jackson

DPA

Erst im Januar hatte dem US-Präsidenten ein exzellentes Zeugnis ausgestellt: Der 71-Jährigen sei in gutem körperlicher und geistiger Verfassung, außerdem verfüge er über "außergewöhnliche Gene", diagnostizierte er schmeichelnd. Donald Trump gefiel das medizinische Urteil. Kurz vorher hatte der den 50-Jährigen zum Konteradmiral befördert. Außerdem soll Jackson das Veteranenministerium übernehmen. Doch dagegen gibt es Widerstand.

Medikamente "wie Bonbons" verteilt 

Nach Angaben der oppositionellen Demokraten wird dem Arzt von rund 20 vorgeworfen, Mitarbeiter mies behandelt und Medikamente "wie Bonbons" verteilt zu haben. Auch soll er immer wieder bei der Arbeit betrunken gewesen sein, zitierte der Senator Jon Tester diese Vorwürfe.

Jackson ist derzeit Trumps persönlicher Leibarzt. Diesen Posten hatte er auch schon unter Präsident Barack Obama inne. Tester berichtete unter anderem, Jackson sei im Weißen Haus wegen seines großzügigen Umgangs mit Medikamenten der "Süßigkeiten-Mann" genannt worden. Während Flügen sei er durch den Gang gegangen und habe rezeptpflichtige Medikamente zum Einschlafen und Aufwachen "wie Bonbons" verteilt, sagte der Obmann der Demokraten im Veteranenausschuss des Senats dem Fernsehsender CNN.

Auch sei Jackson während solcher Reisen den Berichten zufolge immer wieder betrunken gewesen, sagte der Senator. Der Veteranenausschuss verschob wegen der "schweren Vorwürfe" eine für Mittwoch angesetzte Anhörung zu Jacksons Nominierung, ohne einen neuen Termin anzusetzen.

Donald Trump verteidigt seinen Leibarzt

verteidigte Jackson als "wunderbaren Mann" und kritisierte den Umgang mit seinem Kandidaten. Jackson werde "von einem Haufen Politikern angepöbelt, die nicht nett über unser Land denken", sagte der Präsident bei einer Pressekonferenz mit  Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. Der Präsident legte Jackson allerdings bei demselben Auftritt auch nahe, auf das Ministeramt zu verzichten. Das Nominierungsverfahren sei "zu hässlich und zu ekelhaft", er solle sich dies nicht antun.

Wenig später vollzog Trump dann aber offenbar eine Kurswende. Laut US-Medien vertrat das Weiße Haus nach einem Treffen zwischen Trump und Jackson die Auffassung, dass dessen  berufliche Bilanz "tadellos" sei und er sich gegen die "falsche Anschuldigungen" wehren sollte.

Die Vorwürfe gegen den Arzt nehmen allerdings weiter zu. CNN berichtete unter Berufung auf vier Quellen, Jackson habe während einer Auslandsreise Obamas im Jahr 2015 im betrunkenen Zustand mitten in der Nacht laut an die Hotelzimmertür einer weiblichen Mitarbeiterin geklopft. Wegen des Lärms sei er von Beamten des für die Sicherheit des Präsidenten zuständigen Secret Service gestoppt worden.

Zweitgrößtes Ministerium der USA

Trump hatte den 50-Jährigen Ende März als Nachfolger des von ihm entlassenen David Shulkin nominiert. Shulkin war unter anderem durch Enthüllungen über Missstände im Veteranenministerium unter Druck geraten. Das Ressort ist mit 360.000 Beschäftigten und einem Jahresbudget von 186 Milliarden Dollar die größte US-Bundesbehörde nach dem Verteidigungsministerium.


nik/AFP