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Drohender Staatsbankrott: Deutsche Firmen wollen Griechen retten

Griechenland kann auf milliardenschwere Hilfen von deutschen Banken, Versicherungen und Industriekonzern hoffen. Organisiert wird die private Sammlung von einem, der eine Imagekorrektur bitter nötig hat.

Griechenland bekommt Hilfe aus der Privatwirtschaft: Deutsche Banken, Versicherungen und Industriefirmen wollen ein Milliarden-Hilfspaket für Griechenland schnüren. Das berichteten mehrere Nachrichtenagenturen. Organisiert wird die Sammlung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Bisher hätten "eine Handvoll" Firmen ein bis zwei Milliarden Euro informell zugesagt, berichtet die Agentur Reuters, während DPA von einem Industriekonzern schreibt, der verbindlich zugesagt habe.

Die Euro-Finanzminister werden am Sonntag bei einem Sondertreffen in Brüssel über das Rettungspaket für Griechenland beraten. Die Bundesregierung hatte bereits angekündigt, die Banken bei der finanziellen Rettung in die Pflicht zu nehmen. Sobald die Verhandlungen der Regierung in Athen mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds abgeschlossen sind, wolle Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Spitzenvertreter der Banken in Einzelgesprächen bitten, verstärkt in griechische Anleihen einzusteigen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Regierungskreise. Das Engagement solle aber rein freiwillig sein und ein Vertrauenssignal senden. Es geht laut "Handelsblatt" ausdrücklich nicht um einen Verzicht der Institute auf Forderungen gegenüber Griechenland.

Schäuble sagte zu den Berichten übr die Hilfe: "Niemand wird gehindert, freiwillig vieles zu tun". In den Verhandlungen über ein Hilfspaket gehe es darum, die Zahlungsfähigkeit Athens in den kommenden Jahren zu sichern. Eine Umschuldung in der Griechenland-Krise sei kein Thema. "Wir reden nicht über Restrukturierung.

Optimistischer Schäuble

Bislang hatte insbesondere die SPD gefordert, die Banken müssten einen Beitrag zur Stabilisierung des hochverschuldeten Griechenland leisten. Einzelne Stimmen in diese Richtung hatte es aber auch schon aus der Union und der FDP gegeben. In der "Rheinischen Post" forderte nun auch die FDP-Fraktionschefin im Bundestag, Birgit Homburger, die Banken müssten an den Hilfsmaßnahmen beteiligt werden. "Diejenigen, die an dem Schaden verdient haben, müssen zur Finanzierung ebenso herangezogen werden wie diejenigen, die den Schaden verursacht haben", sagte sie. Schäuble müsse konkrete Vorschläge dazu erarbeiten.

Schäuble zeigt sich unterdessen optimistisch in der Kausa Griechenland. "Wir werden aus dieser Krise gestärkt hervorgehen", sagte er am Freitag in Berlin. "Die Krise ist wirklich eine Chance." Er sei gar nicht so pessimistisch bei aller Aufregung und Spannung in diesen Tagen.

"Der Euro ist nicht in Gefahr"

Auch Verbraucherschützer versuchten, zu beruhigen und warnten Anleger vor Panikreaktionen wegen der Krise. "Nach unserem jetzigen Kenntnisstand ist der Euro nicht in Gefahr. Die Verbraucher können also ihr Geld ruhig auf der Bank lassen", sagte der Finanzexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Lars Gatschke, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Freitag. Er verstehe jedoch die Verunsicherung vieler Bürger sehr gut, die nach der Bankenkrise nun erneut sehen müssten, dass die Finanzmärkte nicht richtig funktionierten.

Der Verbraucherschützer forderte daher einer strengere Überwachung der Finanzmärkte. "Die Bundesregierung muss die Finanzaufsicht stärken, damit Vertrauen in die Märkte zurückkehrt", sagte Gatschke dem Blatt. "Was wir auch jetzt in der Griechenland-Krise sehen, sind chirurgische Noteingriffe, um die Katastrophe zu verhindern. Was wir Verbraucherschützer jedoch vermissen, ist ein Polizist, der auf internationalen Kapitalmärkten die Messerstecherei unterbindet und die Verbraucher vor den Folgen dieser Exzesse schützt."

Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Freitag nach kräftigen Verlusten zur Wochenmitte weiter erholt. Positive Vorgaben der Überseebörsen und die Hoffnung auf eine baldige Lösung der europäischen Schuldenkrise stützten die Kurse.

Auch die Lage an den Anleihemärkten hat sich für die größten Sorgenkinder unter den Euro-Staaten den zweiten Tag in Folge leicht entspannt. Sowohl in Griechenland als auch in Portugal und Spanien gingen die Renditen für Staatspapiere erneut moderat zurück. Grund ist laut Händlern die Aussicht auf eine nun doch rasche und umfangreiche Hilfe für Griechenland. In den Tagen zuvor waren die Risikoaufschläge insbesondere für griechische Staatsanleihen in schwindelerregende Höhen gestiegen - ein Ausdruck für das hohe Misstrauen der Märkte in die Bonität Athens. Auch die politische Debatte um die milliardenschweren Finanzhilfen für Griechenland hatten zur Verunsicherung beigetragen.

Verhandlungen bis Sonntag abgeschlossen

Aufregung herrscht unterdessen in Griechenland. Ministerpräsident Giorgos Papandreou erklärte die Beratungen über Auswege aus der griechischen Schuldenkrise zu einer Frage des Überlebens. "Das Überleben der Nation ist heute das Wichtigste, es ist unsere rote Linie", sagte er am Freitag vor dem Parlament in Athen. Die Regierung müsse nun eine Anzahl von Maßnamen ergreifen, um das Land zu schützen und sein Überleben zu gewährleisten, fügte Papandreou hinzu. Die Spar- und Umstrukturierungsmaßnahmen seien eine "patriotische Pflicht", die um "jeden politischen Preis" erfüllt werden müsse.

Um die Krise in den Griff zu bekommen hatte die griechische Regierung drastische Sparmaßnahmen angekündigt. Daraufhin ist es am Donnerstag zu Ausschreitungen in Athen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um Dutzende demonstrierende Lehrer am Sturm auf das Finanzministerium zu hindern.

Die Verhandlungen über die milliardenschweren Finanzhilfen für Griechenland sollen nach Angaben aus Athener Regierungskreisen bis Sonntag abgeschlossen sein. Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der IWF verhandeln seit mehr als zehn Tagen mit der Regierung in Athen über die Hilfen in Höhe von bis zu 45 Milliarden Euro allein für dieses Jahr. Deutschland müsste zu den EU-Hilfen bis zu 8,4 Milliarden Euro beitragen.

AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters