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Drohender Staatsbankrott: Zypern-Verhandlungen spitzen sich zu

Die Verhandlungen über die Zypern-Rettung gehen in die finale Phase. Bundesfinanzminister Schäuble forderte das Land zu Zugeständnissen auf. Präsident Anastasiades soll von Rücktritt gesprochen haben.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Zypern in den Bemühungen zur Rettung des Landes vor dem Staatsbankrott zu Zugeständnissen aufgefordert. "Es liegt nicht an uns, die Entscheidung liegt in Zypern", sagte Schäuble am Sonntagabend in Brüssel vor einem Treffen der Euro-Finanzminister. "Ich hoffe, dass wir heute zu einem Ergebnis kommen, aber das setzt natürlich voraus, dass man in Zypern die Lage einigermaßen realistisch sieht." Er und seine Euro-Kollegen wollten "wenn möglich nicht jeden Sonntag" in Brüssel über eine Rettung Zyperns beraten.

Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades soll angesichts des starken Drängens der EU-Führung am Sonntagabend in Brüssel von Rücktrittsdruck gesprochen haben. Dies berichtete das staatliche zyprische Fernsehen (RIK). Wörtlich soll Anastasiades gesagt haben: "Ich mache Euch einen Vorschlag. Den lehnt ihr ab. Ich schicke Euch einen anderen; das Gleiche. Was wollt ihr denn? Wollt ihr mich zum Rücktritt zwingen? Wenn es das ist, was ihr wollt, dann sagt es."

Die Euro-Finanzminister wollten am Sonntagabend in Brüssel über einen Rettungsplan für das vom Bankrott bedrohte Zypern beraten. Am Nachmittag traf Zyperns Präsident Nikos Anastasiades in Brüssel zunächst EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Anschließend kamen auch Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zu den Beratungen hinzu.

"Die Summen haben sich nicht geändert"

Die Verhandlungen gestalteten sich offenbar schwierig - der Beginn des Finanzministertreffens wurde von 18.00 Uhr um mehrere Stunden nach hinten verschoben, wie ein EU-Diplomat sagte.

Berichte, wonach Zyperns Finanzbedarf über den bislang genannten 17 Milliarden Euro liegt, wiesen mehrere Finanzminister in Brüssel zurück. "Die Summen, die in der Diskussion stehen, haben sich diese Woche nicht geändert", sagte Luxemburgs Ressortschef Luc Frieden. Ähnlich äußerte sich Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici.

Neue Höchstbeträge für Abhebungen an Geldautomaten

Unterdessen haben die beiden größten zyprischen Banken am Sonntag neue Höchstbeträge für Abhebungen an Geldautomaten festgesetzt. Wie die zyprische Nachrichtenagentur CNA berichtete, dürfen Kunden der marktführenden Bank of Cyprus noch bis zu 120 Euro am Tag abheben, Kunden der Popular Bank (Laiki) bis zu 100 Euro. Sämtliche Bankfilialen in Zypern sind seit dem 16. März geschlossen. Seither bilden sich regelmäßig lange Schlangen vor Geldautomaten.

Die Laiki-Bank setzte die Maximal-Beträge für Abhebungen bereits zum zweiten Mal herab - am Donnerstag wurde der alte Höchstbetrag von 700 Euro auf 260 Euro reduziert.

In einer Marathonsitzung am Samstag hatte sich Präsident Nikos Anastasiades laut zyprischen Fernsehberichten mit Vertretern der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Nikosia auf ein Konzept für die geplante Zwangsabgabe auf Bankguthaben geeinigt. Demnach sollen Kunden der Bank of Cyprus auf Guthaben über 100.000 Euro 20 Prozent zahlen. Bei anderen Banken sollen entsprechende Guthaben mit vier Prozent belastet werden.

che/DPA/AFP / DPA