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Drohung mit Militärschlag: Nordkorea und die USA rasseln mit den Säbeln

Der Kalte Krieg zwischen Nord- und Südkorea hat sich um einige Grad erhitzt: Während Pjöngjang mit einer nuklearen Aufrüstung droht, übt US-Präsident Barack Obama scharfe Kritik an Chinas Haltung zu Nordkorea.

Nordkorea hat dem Süden und den USA vorgeworfen, die entmilitarisierte Zone zwischen den beiden koreanischen Staaten aufzurüsten, und mit einem Militärschlag gedroht. Die US-Truppen hätten am Samstag schwere Waffen in das Grenzdorf Panmunjom gebracht, meldete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Montag unter Berufung auf das Militär. Wenn sie nicht unverzüglich wieder abtransportiert würden, sei mit "starken militärischen Gegenmaßnahmen" in der Region zu rechnen.

Das kommunistische Regime in Pjöngjang kündigte an, es werde angesichts der "feindseligen Haltung" der USA und der Spannungen auf der geteilten Halbinsel sein Atomwaffenarsenal ausbauen. US-Präsident Barack Obama kritisierte unterdessen Nordkoreas einzigen Verbündeten, China. Peking dürfe nicht die Augen verschließen und müsse die nordkoreanische Verantwortung für die Versenkung eines südkoreanischen Schiffes anerkennen, forderte Obama zum Abschluss des G20-Gipfels in Toronto.

"Die jüngste verstörende Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel unterstreicht die Notwendigkeit für die Volksrepublik (Nordkorea), ihre atomare Abschreckung auf einem neu entwickelten Weg zu stärken", wurde ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zitiert. Den USA unterstellte der Sprecher in Pjöngjang am Montag, eine "feindselige Politik" zu betreiben.

Nordkorea hat in den vergangenen Monaten wiederholt mit der Stärkung seiner Nuklearabschreckung gedroht. Im vergangenen September hatte das kommunistische Land erklärt, dass es die Experimentierphase der Urananreicherung so gut wie abgeschlossen habe. In hochangereicherter Form kann Uran für den Atombombenbau verwendet werden. Nordkorea hat bereits zwei Atombomben getestet.

Obama äußerte auf dem G20-Gipfel auch Verständnis, dass Peking gegenüber dem Nachbarn Nordkorea Zurückhaltung übt, fügte aber hinzu: "Es gibt einen Unterschied zwischen Zurückhaltung und bewusstem Wegschauen." Dies habe er Chinas Präsidenten Hu Jintao bei einem Treffen in Toronto "unverblümt" deutlich gemacht. Hu Jintao müsse einsehen, dass Nordkorea "zu weit gegangen" sei. Das Verhalten Pjöngjangs sei eine Provokation, die die Weltgemeinschaft nicht dulden dürfe.

Eine internationale Untersuchungskommission war zu dem Ergebnis gekommen, dass ein südkoreanisches Kriegsschiff im März durch einen nordkoreanischen Torpedo versenkt worden war. 46 Seeleute waren ums Leben gekommen. Südkorea hat den UN-Sicherheitsrat eingeschaltet, um eine Verurteilung Nordkoreas zu erreichen. Japans Ministerpräsident Naoto Kan forderte eine Verurteilung Nordkoreas durch den Weltsicherheitsrat.

Kan zeigte sich zuversichtlich, dass die "sehr bedeutende" G8- Erklärung die bisher stockenden Diskussionen im Weltsicherheitsrat über den Torpedo-Angriff voranbringen werde. In der Erklärung heißt es: "Der Angriff gefährdet Frieden und Sicherheit in der Region." Auch wurde Nordkorea klar die Schuld dafür zugeschoben. Japans Ministerpräsident begrüßte, dass Russlands Präsident Dmitri Medwedew in den G8-Beratungen keine Bedenken über die Erklärung geäußert habe.

Mit der Einigkeit zwischen Russland und den anderen G8-Staaten dürfte China jetzt im UN-Sicherheitsrat isoliert sein. "Wir sollten angemessen verurteilen, was verurteilt werden muss", forderte Kan. Die Führung in Peking will Nordkorea in der Kontroverse zwar nicht in Schutz nehmen, wie Regierungschef Wen Jiabao gesagt hatte, fürchtet aber, dass eine UN-Resolution die angespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel verschärfen könnte.

Reuters/DPA / DPA / Reuters