VG-Wort Pixel

Reaktionen auf Nominierungsrede Dunkel, dunkler, Donald Trump


Es wurde viel von Donald Trumps Rede erwartet. Zwar war sie nicht zornig, aber dafür düster. "Er nimmt Amerika mit auf die dunkle Seite", kommentiert etwa der US-Sender NBC - Reaktionen auf die Ansprache des Populisten.

Amerika zuerst, und zwar ganz anders als bisher: Unter dieses Motto wird Donald Trump seine Amtszeit stellen, sollte er am 8. November zum US-Präsidenten gewählt werden. Der sehr umstrittene Immobilienmilliardär, der noch nie ein politisches Amt bekleidet hat, nahm in Cleveland unter riesigem Jubel zum Ende des viertägigen Parteitags die Nominierung der Republikaner an. "Amerikanismus, nicht Globalismus, wird unser Credo sein", rief er seinen Anhängern entgegen.

Die langerwartete Rede war nicht so scharf wie befürchtet, dafür aber arg düster. "Dunkel" war das am häufigsten zu lesende Attribut über die mit 70 Minuten längsten Rede auf einem Nominierungsparteitag. Die Reaktionen auf Donald Trumps Ansprache:

"Ich alleine"

"In der Quicken Loans Arena, ein Dickicht amerikanischer Flaggen hinter ihm, verkaufte er sich ein ums andere Mal als messianische Figur, die bereit ist, das Land von all den Krankheiten zu befreien, als da wären: Verbrechen, illegale Einwanderung und globaler Terrorismus. Sein Botschaft: "Ich werde mich darum kümmern. Ich alleine." 

"New York Times", USA

"Die 'Donaldeske Katharsis'"

"Donald Trump beschreibt ein Land, das darniederliegt, in dem die Wirtschaft nicht funktioniert, das internationale Ansehen dahin ist und wo die Angst gewinnt. Die Delegierten wissen, dass das nicht stimmt. Aber das ist egal. Die Nacht von Donald Trump ist die Nacht eines besiegten Amerikas. Es ist die Erzählung einer ruinierten Nation, die nur er retten kann: Apokalypse Trump. Es ist angeblich ein Volk, das von Dummen geführt wird, zum Gespött der ganzen Welt. Und Trump hat aus dieser Angst Amerikas, eine Herde Verlierer zu sein, die "Donaldeske Katharsis" gemacht."

"La Repubblica", Italien

Hillary Clinton zur Aussage, eine Mauer an der US-Grenze zu Mexiko errichten zu wollen, auf ihrem spanischen Twitterkanal: "Ja, wir werden eine Mauer bauen - zwischen dich und die Präsidentschaft, Donald Trump."

Dieser Twitter-Nutzer kann sich Donald Trump nur über seine Frisur erklären:

Redenvergleich der unheimlichen Sorte:

Der Grüne Jürgen Trittin erinnert an populistische Irrtümer:

"Trump ist gestrig"

"In seiner Nominierungsrede gab sich Donald Trump als neuer starker Mann Amerikas. Unter ihm werde das Land sicherer, der Wohlstand größer. Doch Trump ist vor allem gestrig. Er möchte als einsamer Sheriff durch das Land reiten und aufräumen. Aber diese Zeiten sind vorbei." 

ARD-Studio, Washington

"Nicht die Eliten entscheiden"

"Für Donald Trump muss Amerika werden wie er selbst: eine autozentrierte Macht. Sie ist der Welt in seinen Augen keinen besonderen Dienst mehr schuldig. Weder was die strategische Verantwortung betrifft, noch im Bereich Umwelt (Trump lobt Kohle und Schiefergas). Und noch weniger, was Demokratie und Menschenrechte angeht. Beides bezeichnet er gerne als Feigenblatt der politisch Korrekten. (...) Am Ende entscheiden in den USA nicht die Eliten, ob Trump am 8. November eine Chance hat, sondern die Millionen von Schwarzen, Lateinamerikanern, Muslimen und Frauen."

"Ouest-France", Frankreich

Ein schneller Faktencheck ergibt: Trump nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau:

Aber natürlich gibt es auch Trump-Fans, wie dieses New Yorker Boulevard-Blatt …

… und der erzkonservative Sender FoxNews:

"Trump bleibt Trump"

"Monatelang wurde darüber spekuliert, ob Donald Trump seinen Ton mäßigen, seine Botschaften breiter fassen und sein politischen Ideen präzisieren würde. Doch seine Rede machte klar: Trump nimmt Amerika mit auf eine Reise auf die dunkle Seite. Trump bleibt Trump."

TV-Sender NBC, USA 

"Botschaften wirken noch beängstigender"

"Die immer noch mächtigste Nation der Welt lebt trotz aller Probleme in einem Zeitalter noch nie dagewesenen Wohlstands. Doch Donald Trump vollendet das Bild, das die rechten Medien um Fox News in den vergangenen Jahren Tag für Tag gezeichnet haben: die Vereinigten Staaten, eine postapokalyptische Ödnis. Weil der Kandidat an diesem Tag auf offenen Rassismus weitestgehend verzichtet und sogar die Minderheiten des Landes zu erwähnt, wirkt seine Botschaft umso intensiver - und umso beängstigender, weil nun rhetorischer Feinschliff die Demagogie verdeckt."

"Süddeutsche Zeitung", München

nik

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker