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Eklat um Grußwort Merkel sagt Ausstellungsbesuch mit Putin ab


Bundeskanzlerin Merkel und der russische Präsident Putin sollten gemeinsam eine Ausstellung mit Beutekunst eröffnen. Doch dann kippte Merkel den Termin. Nun wird klar, wie es so weit kommen konnte.

Vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in St. Petersburg ist es zu einem Eklat gekommen. Die dort für Freitagabend geplante gemeinsame Eröffnung der Beutekunst-Ausstellung mit Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin wurde überraschend abgesagt. Die russische Seite habe entgegen ursprünglichen Planungen die Grußworte von Merkel und Putin abgesagt, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert vor dem Abflug in Berlin mit.

Die deutschen Forderungen an Russland, von den Sowjetsoldaten verschleppte Kulturgüter zurückzugeben, belasten seit Jahren das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau. Merkel hätte in ihrem Grußwort die Rückgabe von Beutekunst gefordert, verlautete aus Delegationskreisen. Daraufhin sei die gemeinsame Eröffnung am Abend abgesagt worden. Seibert sagte, dies sei von beiden Seiten entschieden worden.

Absage auf russisches Betreiben

Vize-Regierungssprecher Georg Streiter sagte in Berlin, die gemeinsame Ausstellungseröffnung sei auf russisches Betreiben abgesagt worden. Merkel hätte bei der Eröffnung in einer Ansprache erwähnen wollen, dass Deutschland auf der Rückgabe von Kunstwerken bestehe, die in den Kriegswirren nach Russland gelangt seien. Die russische Seite habe eine solche Ansprache mit Verweis auf Zeitknappheit aber nicht zulassen wollen.

"Diese Ausstellung und ihr besonderer Hintergrund hätten eine Einordnung durch eine eröffnende Rede erfordert", sagte Streiter. "Das war für den Gastgeber leider zeitlich nicht möglich, und daraufhin wurde auf diesen Programmpunkt auf russischen Vorschlag verzichtet." Putin hatte "offenbar zeitlich keine Gelegenheit für eine Eröffnungsveranstaltung, auf der auch gesprochen wird", fügte Streiter hinzu. Die deutsche Seite habe dem nicht zustimmen können: "Eine Eröffnung, die nur daraus bestanden hätte, kurz durch die Ausstellung zu hetzen, wäre dieser besonderen Ausstellung auch nicht angemessen gewesen", führte Streiter weiter aus. Die Absage des Termins sei dann "in gegenseitigem Einvernehmen" erfolgt.

Merkel hätte den Anlass eigentlich nutzen wollen, Fragen zum Thema Beutekunst "ein bisschen einzuordnen", sagte Streiter. Sie hätte dabei auf die "völkerrechtlich gestützte Auffassung" verweisen, dass die Kunstwerke an Deutschland zurückgegeben werden müssten.

Als krönender Abschluss des Deutschlandjahres gedacht

In St. Petersburg, wo Merkel am Mittag landete, trifft sich die Kanzlerin mit Putin beim internationalen Wirtschaftsforum. Russland wirbt bei seinem wichtigsten Wirtschaftstermin des Jahres traditionell um Investoren für seine noch aus Sowjetzeiten stammende rückständige Industrie.

Begleitet wird Merkel von einer Wirtschaftsdelegation. Mit dabei sind Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsratschefs von elf deutschen Unternehmen, unter anderem aus den Branchen Energie, Technologie, Maschinenbau und Finanzen. Auch der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft ist dabei. Dessen Vorsitzender Eckhard Cordes erhofft sich von dem Treffen neue Impulse zur Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums in Europa.

Im Anschluss daran war die gemeinsame Eröffnung der Ausstellung "Bronzezeit - Europa ohne Grenzen" geplant, an der deutsche und russische Experten nach einer Regierungsvereinbarung seit 2010 gearbeitet hatten. Der Termin war als krönender Abschluss des Deutschlandjahres in Russland geplant.

Beutekunst nachträglich legalisiert

In der Schau wird spektakuläre Beutekunst wie der Goldschatz von Eberswalde gezeigt, auch die Troja-Funde von Heinrich Schliemann sind ausgestellt. Sowjetsoldaten brachten die wertvollen Gegenstände mit Hunderttausenden anderen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Moskau.

Deutschland hatte mit Blick auf internationales Recht immer wieder auf eine Rückgabe der Kunst bestanden. Russland dagegen hat mit einem eigenen Gesetz die verlagerten Kulturgüter, wie sie im offiziellen Sprachgebrauch heißen, nachträglich als Entschädigung für Kriegsverluste legalisiert.

Unlängst betonte der russische Kulturminister Wladimir Medinski, dass die Schätze mit dem Blut sowjetischer Soldaten bezahlt worden seien. Russland sei nicht einmal bereit, auch nur über den Status der Güter zu reden. Die Regierung in Moskau beklagt zudem, dass Deutschland in dem Beutekunststreit russische Interessen zu wenig berücksichtige.

Russland vermutet vor allem in deutschen Privatsammlungen viele Kunstschätze, die von Nazis aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion verschleppt worden waren. Als verschollen gilt zum Beispiel das berühmte Bernsteinzimmer im Katharinenpalast von Zarskoje Selo bei St. Petersburg.

tkr/DPA/Reuters DPA Reuters

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