El Kaida Bundesregierung lehnt Verhandlungen ab


Die Bundesregierung hat das "Waffenstillstandsangebot" von El Kaida kategorisch abgelehnt. "Mit Terroristen und Schwerverbrechern wie Osama bin Laden kann es keine Verhandlungen geben", sagte ein Regierungssprecher.

Die Bundesregierung lehnt Verhandlungen mit El-Kaida-Chef Osama bin Laden strikt ab. "Mit Terroristen und Schwerverbrechern wie Osama bin Laden kann es keine Verhandlungen geben", sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag als Reaktion auf ein angeblich von dem Anführer des Terrornetzwerks stammendes Waffenstillstandsangebot.

Die Staatengemeinschaft müsse gemeinsam den Kampf gegen den internationalen Terrorismus fortsetzen, betonte der Sprecher. Dazu werde Deutschland weiterhin seinen Beitrag leisten. Das Bundesinnenministerium prüft nach Angaben einer Sprecherin die Authentizität des Tonbandes, das von arabischen Fernsehsendern ausgestrahlt worden war und dessen Sprecher sich als Bin Laden vorstellte. Zum Inhalt wollte sie nicht Stellung nehmen.

Eine "zynische Strategie"

Die britische Regierung hat das angebliche "Versöhnungsangebot" von Osama bin Laden als eine "zynische Strategie" zurückgewiesen. Damit solle ein Keil zwischen Europa und die USA getrieben werden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in London am Donnerstag. "Die Vorstellung, mit einer Gruppe, die sich über die Gewalt definiert, einen Waffenstillstand einzugehen, ist absurd."

Der Sprecher wies darauf hin, dass überwiegend Muslime Opfer der Gewalttaten von El Kaida seien. Die meisten Opfer in islamischen Staaten seien Menschen, die friedlich ihrem Leben nachgingen.

Angeblich die Stimme von Bin Laden

Arabische Nachrichtensender haben am Donnerstag ein angeblich von Terroristenführer Osama bin Laden besprochenes Tonband ausgestrahlt, auf dem von einem "Versöhnungsangebot" an Europa die Rede ist. Das Terrornetzwerk El Kaida biete den Regierungen Europas darin an, alle Operationen in ihren Ländern einzustellen. Dafür müssten diese sich verpflichten, ihre Soldaten aus Afghanistan und dem Irak abzuziehen und sich nicht mehr an "militärischen Operationen gegen Muslime" zu beteiligen. Sollte das Tonband authentisch sein, würde es einen Strategiewechsel der El-Kaida-Führung belegen.

Zwar sieht das "Versöhnungsangebot" auf den ersten Blick wie ein verkappter Erpressungsversuch aus. Die Sprache aber ist versöhnlicher als auf früheren Tonbändern, auf denen ausschließlich Drohungen ausgestoßen wurden. Falls die neue Botschaft sich als echt erweist, läge ein erster Versuch vor, die Zahl der potenziellen Feinde zu verringern. Bin Laden und seine Mitstreiter waren in den vergangenen drei Jahren den umgekehrten Weg gegangen und hatten ihre Terrorziele immer weiter ausgeweitet. Waren anfangs nur amerikanische Soldaten und Institutionen das Ziel von Anschlägen, so traf es später auch amerikanische und europäische Zivilisten, saudiarabische Polizisten, arabische Gastarbeiter in Saudi-Arabien und Iraker, die mit der Besatzungsmacht kooperieren.

Nach dem 22. März aufgenommen

Die Stimme auf dem Band fordert die europäischen Regierungen auf, innerhalb von drei Monaten auf dieses Angebot zu reagieren. Weiter heißt es, die "Phase des Friedens" könne beginnen, sobald der letzte europäische Soldat den Boden eines muslimischen Landes verlassen habe. Wann genau das Band aufgenommen wurde, das die Sender El Arabija und El Dschasira ausgestrahlt haben, war zunächst unklar.

Es muss jedoch am oder nach dem 22. März aufgenommen worden sein, denn auf dem Band wird Rache für die Tötung des palästinensischen Hamas-Gründers Scheich Ahmed Jassin angekündigt, den die Israelis an diesem Tag gezielt mit Raketen getötet hatten. "Wir versprechen bei Gott, uns an Amerika für seinen Tod zu rächen", heißt es in der Tonband-Botschaft.

Rechtfertigung der Taten

Neu an dieser jüngsten Tonband-Botschaft ist auch die eindringliche Art und Weise, wie sich die Terroristen für ihre Taten zu rechtfertigen versuchen. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass einige der jüngsten Attacken - etwa die Anschläge auf Züge in Madrid - nicht von allen Sympathisanten der Terroristen gut aufgenommen worden sind.


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