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Ende des Ramadan: 74 Tote bei Anschlägen im Irak

Mehr als 70 Menschen - sowohl Schiiten als auch Sunniten - sind am Samstag bei Anschlägem im Irak gestorben. Viele feierten das Ende des Ramadan. Der Juli war der blutigste Monat seit fünf Jahren.

Die Feiern zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan sind im Irak von einer blutigen Anschlagsserie überschattet worden: Mindestens 74 Menschen wurden am Samstag nach offiziellen Angaben in dem Land getötet, fast zwei Drittel von ihnen in der Hauptstadt Bagdad. International wurde die Gewalt verurteilt, zudem wurde Kritik an den irakischen Behörden laut.

Insgesamt 16 Autobomben explodierten am Samstagabend in verschiedenen Stadtteilen Bagdads und töteten mindestens 47 Menschen. Ziele waren etwa Cafés, Märkte und Restaurants sowohl in sunnitisch als auch in schiitisch geprägten Vierteln. Erst am Dienstag waren 31 Menschen bei einer Anschlagsserie in Bagdad getötet worden. Am Samstag feierten die Iraker noch das Ende des Ramadans, der mit mehr als 800 Todesopfern in diesem Jahr besonders blutig war.

Bereits am Samstagmorgen gab es einen Anschlag mit zwei Toten und sechs Verletzten in einem sunnitischen Stadtteil der Hauptstadt. Bei einem Selbstmordanschlag in Tus Churmatu 175 Kilometer nördlich von Bagdad wurden neun Menschen getötet. In Nassirija, 300 Kilometer südlich der Hauptstadt, wurden vier Menschen getötet. Landesweit wurden weitere Todesopfer gezählt, mehr als 300 Menschen wurden zudem verletzt.

In diesem Jahr war der Ramadan, der in der zweiten Juliwoche begonnen hatte, im Irak besonders von Gewalt geprägt. Extremisten, die mit dem Terrornetzwerk al Kaida in Verbindung gebracht werden, griffen während des Ramadan auch Cafés an, in denen sich Muslime zum abendlichen Fastenbrechen trafen. Moscheen, in denen sich Gläubige zum abendlichen Gebet versammelten, waren ebenfalls Ziele von Anschlägen.

Blutigster Monat seit fünf Jahren

Die Konfliktlinie im Irak verläuft vor allem zwischen Sunniten und Schiiten. Bereits in den Jahren 2006 und 2007 entluden sich die Rivalitäten zwischen den Bevölkerungsgruppen in einem blutigen Konflikt. Zuletzt begannen Ende 2012 massive Proteste von Sunniten. Viele Anschläge werden sunnitischen Aufständischen angelastet. Sie fühlen sich von der schiitischen Mehrheit unterdrückt, die nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein im Jahr 2003, eines Sunniten, das Sagen hat. Der Konflikt zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen hat sich aus Sicht des Innenministeriums zu einem offenen Krieg ausgewachsen. Inzwischen werden nicht mehr nur Geschäftsstraßen und Einkaufszentren angegriffen, sondern auch Jugendliche, die Fußball spielen, und Menschen, die in den Bagdader Cafes Fußballspiele anschauen.

Ende April gingen Sicherheitskräfte massiv gegen ein sunnitisches Protestcamp im Nordirak vor. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten wurden dutzende Menschen getötet. Seitdem nahm die Gewalt im Land zu. Die Vereinten Nationen stufen den Monat Juli mit mehr als tausend Toten als blutigsten Monat seit fünf Jahren ein.

Die US-Regierung verurteilte die Anschläge vom Samstag. Sie seien von "Feinden des Islams" begangen worden, erklärte Außenamtssprecherin Jennifer Psaki. Sie bezeichnete die Gewalt in einer Mitteilung als "feige", weil sie auf Familien abgezielt habe, die das Ende des Ramadans feierten.

Auch die Vereinten Nationen verurteilten die Anschlagsserie. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch rief die irakischen Behörden auf, die Spirale der Gewalt zu beenden und "drakonische Maßnahmen" gegen Verdächtige einzustellen. Insbesondere nannte sie dabei die Anwendung von Folter und die Verwendung geheimer Zeugenaussagen vor Gericht.

ono/AFP/Reuters / Reuters