Entführung Nervenprobe um Sahara-Geiseln


Noch immer gibt es zum Schicksal der 15 vermissten Geiseln keine offiziellen Informationen. Algerische Zeitungen berichteten erneut von Vorbereitungen auf eine Befreiung.

Das Geiseldrama in der Sahara entwickelt sich zunehmend zur Nervenprobe für alle Beteiligten. Auch am Dienstag gab es zum Schicksal der 15 noch Vermissten keinerlei offizielle Informationen. Nach ähnlichen, dementierten Angaben am Vortag berichteten mehrere algerische Zeitungen erneut, Vorbereitungen auf eine Aktion zur Befreiung der Geiseln seien im Gange. "Die Befreiung steht unmittelbar bevor", schrieb "El Watan" in Algier. Ein anderes Blatt berichtete, Verhandlungen zur Freilassung steckten in der Sackgasse. Die Bundesregierung äußerte sich weiterhin nicht zu Einzelheiten im Entführungsfall. Damit blieb auch am Dienstag unklar, wie weit Berlin über Pläne oder das konkrete Vorgehen der algerischen Seite in dem Geiseldrama informiert wird.

Nach der Befreiung von 17 Geiseln am Dienstag vor einer Woche werden noch 10 Deutsche, 4 Schweizer und 1 Niederländer in der algerischen Wüste vermisst. Die erste Gruppe der Wüstenurlauber war bereits vor drei Monaten verschleppt worden.

Widersprüchliche Berichte

Die arabischsprachige Tageszeitung "El Khabar" berichtete, eine militärische Aktion werde angeblich bereits seit Sonntagabend vorbereitet. "El Watan" meldete, Spezialeinheiten seien seit Sonntag vor Ort, doch scheine das Wetter ein militärisches Vorgehen bisher noch zu verzögern. Die Wüsten-Verbindungsstraße von Illizi nach Djanet soll vom Militär für den Verkehr gesperrt worden sein. Ein Sonderflugzeug mit dem Chef des algerischen Generalstabs, Mohamed Lamari, und mehreren anderen Generälen sei am Sonntag in Illizi gelandet, hieß es. Offizielle Bestätigungen dazu gab es erneut nicht.

Andere algerische Zeitungen spekulierten am Dienstag, die Verhandlungen über eine Freilassung der 15 Sahara-Touristen steckten derzeit in einer Sackgasse. "Le Quotidien d’Oran" sprach außerdem von Meinungsverschiedenheiten zwischen Algier und Berlin. Dabei gehe es um das weitere Vorgehen zur Befreiung der Geiseln. Auch hätten die später dementierten Berichte vom Montag über eine Befreiungsaktion dazu geführt, einen Angriff auf die Entführer 150 Kilometer von Illizi entfernt im Süden Algeriens zu verschieben.

Informationen der Deutschen unklar

"Die Deutschen befürworten die Zahlung eines Lösegelds und wollen dabei um jeden Preis an jeder Entscheidung über das von den Algeriern gewählte Vorgehen (zur Befreiung der Geiseln) beteiligt sein", schreibt "Le Quotidien d’Oran». Das Blatt berichtet, die deutsche Seite sei von der ersten gewaltsamen Befreiungsaktion vor einer Woche überrascht worden und wolle keine weitere riskante Militäroperation, die das Leben der 15 Geiseln gefährden könnte.

Das Auswärtige Amt wollte am Dienstag auch nicht zu Berichten Stellung nehmen, wonach die Schweiz bereits am Montagmittag von den algerischen Behörden informiert worden war, dass es doch keine Befreiung der 15 Sahara-Touristen gegeben hatte.

Dementi des algerischen Generalstabs

Nach stundenlanger Ungewissheit hatte der algerische Generalstab am Montagabend offiziell Berichte über eine angebliche Befreiung dementiert. Die Militärs sprachen von "Behauptungen" der Medien. Die Bemühungen um eine Freilassung würden fortgesetzt, betonte der Generalstab. Die vergangenen Dienstag befreiten Geiseln waren nach Angaben des algerischen Armee-Generalstabs in den Händen der islamistischen Terrorgruppe GSPC. Als Motiv waren Lösegeldforderungen im Gespräch, aber auch politische Beweggründe wurden nicht ausgeschlossen.


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