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Londons Ex-Bürgermeister: Boris Johnson lästert über Erdogan und gewinnt Schmähgedicht-Contest

Wie soll man auf Erdogan-Lästereien reagieren? Der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson stimmt einfach mit ein - und gewinnt damit einen Wettbewerb. Auch in seinem Schmähgedicht kommt eine Ziege vor.

Recep Tayyip Erdogan (li.), Boris Johnson

Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson (re.): Du sagst mir nicht, was ich denken und sagen soll, Erdogan!

England, du hast es besser! Während hierzulande Jan Böhmermann für sein viel diskutiertes Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor den Kadi gezerrt wird, kann man auf der Insel mit ähnlichen Ergüssen sogar Geld einstreichen. Mehr noch: Hier werden ganze Wettbewerbe für das beste Lästern-über-Erdogan-Gedicht ausgeschrieben.

Wie etwa von der konservativen Zeitschrift "The Spectator". Das Blatt rief aus Solidarität mit Böhmermann die "President Erdogan Offensive Poetry Competition" ins Leben - und mehrere tausend Leser schickten ihre Limericks ein. Diese typisch englischen Schüttelreime sind ganz besonders dazu geeignet, sich über etwas oder jemanden lustig zu machen.

Johnsons Läster-Limerick gewinnt

Der Wettbewerb hatte einen prominenten Gewinner: Boris Johnson, der frühere Londoner Bürgermeister und glühende Verfechter eines "Brexit", strich das von einem Leser ausgelobte Preisgeld in Höhe von 1000 Pfund (rund 1300 Euro) mit folgendem Fünfzeiler ein:

"There was a young fellow from Ankara

Who was a terrific wankerer

Till he sowed his wild oats

With the help of a goat

But he didn't even stop till thankera."

Auf Deutsch bedeutet das in etwa: "Da war ein junger Typ aus Ankara - Der ein toller W***ser war - Bis er sich die Hörner abstieß - Mit der Hilfe einer Ziege - Doch gab's von ihm kein Danke(ra)" Eindeutig griff Johnson hier einige jener sexuellen Anspielungen auf, die vom Hamburger Landgericht jüngst beanstandet und zum vorläufigen Verbot der Schmähgedichts geführt hatten. Ein möglicherweise entscheidender Unterschied: In Johnsons Limerick wird der Name Erdogan nicht erwähnt.

Boris Johnson früher "Spectator"-Chefredakteur

Ein Geschmäckle hat die Vergabe des Preises allerdings: Boris Johnson war früher Chefredakteur des "Spectator". Und Juror Douglas Murray, Autor und Co-Direktor des konservativen Think-Tank Henry-Jackson-Society, gab zu, dass es bessere Gedichte im Wettbewerb gab als Johnsons. Doch die Tatsache, dass sich ein früherender britischer Politiker so äußert und sich nicht verbiegen lasse, sei schon preiswürdig. "Erdogan mag seine Opposition in der Türkei ins Gefängnis stecken. Kanzlerin Merkel mag Erdogan-Kritiker in Deutschland ins Gefängnis stecken. Aber in Großbritannien leben und atmen wir immer noch frei. Wir brauchen keine ausländischen Potentaten, die uns sagen, was wir denken und sagen sollen. Und wir brauchen keinen Richter, vor allem keinen deutschen Richter, der uns vorgibt, was wir lustig zu finden haben", schreibt Murray auf der Web-Seite des "Spectator".

Der Gewinner selbst war mehr als überrascht, dass sein Limerick es überhaupt in den Wettbewerb geschafft hatte. Johnson, dessen Ur-Großvater Türke war, hatte den Fünfzeiler nicht selbst eingereicht. Der Limerick wurde einem Interview Johnsons mit dem "Spectator" entnommen, in dem das Gedicht spontan entstanden war. Bei diesem Gespräch machte Johnson auch seine Haltung deutlich: "Wenn jemand Witze über die Liebe eines türkischen Präsidenten mit einer Ziege machen will, dann sollt er das tun dürfen, in jedem europäischen Land - inklusive der Türkei."

dho