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EU-Gipfel einigt sich: Donald Tusk und Federica Mogherini erhalten Spitzenposten

Drei Monate nach der Europawahl sind die Spitzenämter nahezu komplett vergeben. Donald Tusk wird neuer EU-Ratspräsident. Die Italienerin Federica Mogherini wird die EU zukünftig nach außen vertreten.

Der EU-Gipfel hat am Samstagabend über das künftige Spitzenpersonal der Europäischen Union entschieden: Der bisherige polnische Regierungschef Donald Tusk wird neuer EU-Ratspräsident und die Italienerin Federica Mogherini nächste EU-Außenbeauftragte, wie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Samstagabend per Twitter mitteilte.

Die Entscheidung sei zwischen den 28 EU-Regierungen einvernehmlich gefallen. Der 57-jährige konservative Politiker Tusk führte seit November 2007 die Regierungsgeschäfte in Polen. Die 41-jährige Sozialistin Mogherini hat bisher als italienische Außenministerin gearbeitet. Mit der Ernennung ist die neue Führungsriege der Europäischen Union weitgehend komplett. Bereits im Juli war der 59-jährige frühere luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker zum neuen EU-Kommissionspräsidenten gewählt worden. Er will die nächste EU-Kommission innerhalb der kommenden zwei Wochen präsentieren.

Donald Tusk folgt auf den Belgier Herman Van Rompuy

Donald Tusk folgt auf den Belgier Herman Van Rompuy

Schlechtes Englisch, fließend Deutsch

Angriffslust und Führungsqualitäten bewies Tusk schon als Sejm-Abgeordneter und Parlamentspräsident. Der große Blonde aus Danzig war Stürmer und Kapitän der Fußballmannschaft des polnischen Parlaments.

Auf der Siegerseite des Lebens stand Tusk nicht immer. Sein Vater starb, als Donald noch Schüler war. Die Niederschlagung des Werftarbeiter-Streiks in seiner Heimatstadt Danzig trieb den damals 13-Jährigen in die Opposition zum sozialistischen Regime. Im Geschichtsstudium arbeitete er auf Baustellen. Während des Kriegsrechts Anfang der 80er Jahre war der junge Familienvater im Untergrund für die verbotene Gewerkschaft "Solidarnosc" aktiv. Nach der Wende in Polen wirkte Tusk zunächst in der linksliberalen Freiheitsunion, gründete dann aber 2001 die liberalkonservative "Bürgerplattform", deren Vorsitzender er bis heute ist.

Der europäische Gedanke wurde Tusk in die Wiege gelegt. Als Kaschube versteht er das Bewusstsein regionaler Identität. Als Danziger wuchs er auf in einer Stadt, die das ganze Spannungsfeld deutsch-polnischer Nachbarschaft durchlebt hat - im Guten wie im Schlechten. Auch als Großvater ist der aktive Sportler Tusk bis heute stolz auf seine Fitness. Als größter Stolperstein für eine europäische Karriere Tusks galt bisher sein bescheidenes Englisch. Der bei seinen Auftritten mitunter spröde wirkende Politiker spricht allerdings fließend Deutsch und pflegt ein gutes Verhältnis zu Kanzlerin Angela Merkel.

Federica Mogherini und ihre Vorgängerin Catherine Ashton

Federica Mogherini und ihre Vorgängerin Catherine Ashton

Reisefreudige Bloggerin

Federica Mogherini ist hingegen selbst in Italien größtenteils unbekannt. Die neue EU-Außenbeauftragte ist jung und ehrgeizig, hat aber ausgerechnet auf dem diplomatischen Parkett bislang nur wenig Erfahrung.

Die gebürtige Römerin gehört zur nachrückenden Politiker-Generation in Italien. Vor einem halben Jahr übernahm die Frau mit den schulterlangen blonden Haaren das Amt der Außenministerin. Mogherini ist nur wenig älter als Regierungschef Matteo Renzi. Die zweifache Mutter gilt als modern und offen. Sie betreibt neben ihrem Amt als Außenministerin ein eigenes Blog und nutzt intensiv die sozialen Netzwerke. Mogherini wurde früh politisch aktiv. Sie engagierte sich in Kampagnen gegen Rassismus und Fremdenhass, bevor sie schließlich in der Jugendorganisation der Linksdemokraten vor knapp zwei Jahrzehnten ihre politische Karriere startete.

Die studierte Politikwissenschaftlerin wurde im Jahr 2008 erstmals in das Abgeordnetenhaus gewählt. In ihrer Mitte-Links-Partei PD (Demokratische Partei) profilierte sich Mogherini als Expertin für Verteidigung, internationale Angelegenheiten und Europa. Mogherini mag neben dem Bücherlesen besonders das Reisen. Zumindest zu Letzterem wird sie in ihrem neuen Krisenjob ausgiebig kommen, auch wenn es nicht immer die beliebtesten Touristenziele werden dürften.

ono/Reuters/DPA/DPA/Reuters

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