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EU-Kommission: Sexvideo sorgt für ungeahnte Höhepunkte

Ein Video, das seit Monaten auf Youtube als Geheimtipp gilt, sorgt derzeit für künstliche Erregung in Brüssel: Um für ihre Filmförderung zu werben, hat die EU-Kommission vier Videoclips ins Netz gestellt. Darunter ist auch ein 45-sekündiges Sexvideo.

Es dauert nur 45 Sekunden. Aber es ist Sex. Und deshalb erreicht die Erregung in Brüssel, wo sonst dröge Dokumente und reizlose Richtlinien das Geschäft bestimmen, plötzlich ungeahnte Höhepunkte. Die EU-Kommission hat vier Videoclips ins Internet gestellt, um für ihre Filmförderung zu werben. Einer davon zeigt Sexszenen aus Filmen namhafter europäischer Regisseure wie Pedro Almodóvar, Wolfgang Becker oder Bernardo Bertolucci.

"Unangemessene Sexszenen", wie die CDU-Frauenpolitikerin und Europa-Abgeordnete Doris Pack in einer Note an die zuständige EU-Medienkommissarin Viviane Reding schrieb. In Redings Umgebung quittiert man die Empörung mit einem Lächeln: Dort freut man sich über die Aufmerksamkeit, die Europas Media-Programm auf einmal genießt - dank der Videos, deren Produktion nur je 350 Euro kostete.

Video als Geheimtipp auf Youtube

Die Filmausschnitte sind zwar schon seit Februar im Internet-Angebot von Youtube zu sehen. Aber sie blieben zunächst ein Geheimtipp, kaum bekannter als nach ihrer Uraufführung im Kreis der EU-Kulturminister am Rande der jüngsten Berlinale. Das änderte erst die britische Zeitung "Sunday Times": Sie begutachtete den neuen Youtube-Kanal der Schwedin Margot Wallström, die als Vizepräsidentin der Kommission deren Außendarstellung verantwortet.

Seither wird Redings Sprecher Martin Selmayr im Pressesaal der Kommission mit Fragen bestürmt. Etwa, ob der Lauftext "Nein, dies ist nicht ein EU-Kommissar mit seiner Kabinettschefin in einem Hotelzimmer in Klaipeda..." in einer Youtube-Version auf Wunsch eines bestimmten Kommissars eingeblendet wurde. "Das war nicht von der EU-Kommission", antwortete Selmayr, ohne Industriekommissar Günter Verheugen und dessen angebliche Affäre zu erwähnen.

Das Video, das derzeit in Brüssel die Gemüter erregt:

Doppeldeutigkeiten

Auch sonst ist die Geschichte reich an mehr oder weniger feinen Anspielungen - und zwar durchaus gewollt. Die 45-Sekunden-Sequenz der Sexszenen endet in der deutschen Sprachfassung mit den doppeldeutigen Worten: "Wir stecken mit drin." Dann folgt der Hinweis auf die Filmförderung der Europäischen Union.

Alle Filme, deren Ausschnitte in den Clips zu sehen sind, haben diese Förderung einst bekommen. Und es sind durchaus wertvolle Streifen, wie Selmayr betonte. "Die Träumer" von Bernardo Bertolucci beispielsweise lief noch im ZDF: "Als ich den wegen dieser Debatte wieder ansah, musste ich feststellen, dass wir noch nicht einmal die besten Szenen genommen haben."

Auf der Internetseite der EU-Kommission kann man sich alle Videoclips anschauen: http://ec.europa.eu/information_society/media/overview/clips/index_en.htm

DPA / DPA