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EU-Schuldenkrise: Für Spanien und Italien wird es "ungerechtfertigt" teurer

Die internationalen Finanzmärkte setzen Spanien und Italien unter Zugzwang. Mit der tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklung habe dies nichts zu tun, findet die EU-Kommission. Das Wort vom "Griechenland-Effekt" macht die Runde.

Der Anstieg der Zinsen für italienische und spanische Anleihen ist nach Ansicht der Europäischen Kommission Grund für große Besorgnis. Diese Entwicklung sei angesichts der wirtschaftlichen Fundamentaldaten nicht gerechtfertigt, sagte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Mittwoch. Der Zinsanstieg signalisiere, dass die Märkte die Kapazität der Euro-Zone in Zweifel zögen, die Schuldenkrise zu bewältigen. Es sei nun wichtig, dass die Beschlüsse zur Stabilisierung des Euro vom 21. Juli schnell umgesetzt würden, erklärte Barroso weiter.

Wegen der anhaltenden Befürchtungen eines Übergreifens der Schuldenkrise von Griechenland auf Italien sind der italienische Finanzminister Giulio Tremonti und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Mittwoch zu Krisengesprächen in Luxemburg zusammengekommen. "Wir hatten eine lange Diskussion und haben alle Probleme angesprochen, denen sich die Eurozone derzeit ausgesetzt sieht", sagte Juncker nach dem knapp zweistündigen Gespräch und kündigte an, die Überlegungen "in Ruhe" fortführen zu wollen. Tremonti sprach von einer "langen und erfolgreichen Diskussion".

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi wollte am Nachmittag eine Rede vor dem Parlament halten. Der Ministerpräsident habe die Rede im Abgeordnetenhaus und im Senat bis nach Schließung der Börsen am Mittwoch verschoben, hieß es in einer Mitteilung der Regierung. In seiner Ansprache könnte Berlusconi Maßnahmen zur Beruhigung der Märkte und zur Ankurbelung der italienischen Wirtschaft verkünden. Experten zeigten sich allerdings skeptisch, dass der Regierungschef ein konkretes Maßnahmenpaket vorstellen werde.

Madrid befürchtet hohe Zinssätze

Neben Italien war auch Spanien am Dienstag an den Finanzmärkten weiter unter Druck geraten, was sich vor allem an den auf Rekordhöhe gestiegenen Zinssätzen für langfristige Staatsanleihen beider Länder zeigte. Spaniens Ministerpräsident José Luis Zapatero berief für Mittwochnachmittag ein Treffen mit Wirtschaftsministerin Elena Salgado ein, "um die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten zu bewerten".

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat sich "besorgt" über die dramatisch steigenden Zinsen für Staatsanleihen aus Italien und Spanien gezeigt. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung bezeichnete er die Marktentwicklung als "ungerechtfertigt".

Bereits am Dienstagabend hatte Zapatero per Telefon mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gesprochen. Beide hätten sich darauf verständigt, dass die EU-Mitgliedstaaten die bei ihrem Gipfeltreffen am 21. Juli beschlossenen Maßnahmen "so schnell wie möglich" umsetzen müssten, sagte eine Kommissionssprecherin. Brüssel wollte am Mittwochnachmittag eine Erklärung zur Situation an den Finanzmärkten abgeben.

ono/Reuters/AFP / Reuters