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Fall Khashoggi: Eine in die Jahre gekommene Freundschaft - was Trump mit Saudi-Arabien verbindet

Welche Rolle spielt Saudi-Arabien beim Verschwinden des Journalisten Jamal Khashoggi? Warum eiert Donald Trump gegenüber dem Königreich herum? Die USA, den US-Präsidenten und das Wüstenland verbinden seit vielen Jahren vor allem gute Geschäfte.

Donald Trump in Saudi-Arabien

Die Welt in ihren Händen: Donald Trump in Saudi-Arabien mit König Salman (M.) und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al Sisi (l.)

Wie in so vielen anderen Bereichen (Stahl, Kohle, Handel) scheint Donald Trump auch im Fall von Saudi-Arabien die Zeit zurückdrehen zu wollen. Um die 30 Jahre vielleicht, irgendwann in die 80er, als die USA nach Ansicht des US-Präsidenten (und die vieler seiner Anhänger) noch "groß"– und die Beziehungen zu dem arabischen Königreich noch ungetrübt waren. Anders lässt sich das Ende seines Hin- und Hergeeieres im Fall Khashoggi nicht erklären: Nach einem Telefonat mit dem saudischen König Salman hat Trump sich auf die für die Saudis gesichtswahrende Formulierung entschieden, hinter dem Verschwinden des Journalisten stünden geheimnisvolle "skrupellose Killer".

Das verbindet Donald Trump mit Saudi-Arabien

Der US-Präsident scheint fest entschlossen zu sein, nicht an dem in die Jahre gekommenen Bündnis zu rütteln. Im Wesentlichen treiben ihn mehrere Gründe an, an der ungleichen Paarung festzuhalten. Nicht immer klingen sie zeitgemäß.

Die USA und Saudi-Arabien verbindet seit Anfang der 1930er-Jahre das Öl. Seit 1933 mit der Gründung der California Arabian Standard Oil Company importieren die Amerikaner den Rohstoff aus der Wüste – im Gegenzug halten die USA ihre schützende Hand über das Land und die Herrscherfamilie Saud. Als Öllieferant ist der Wüstenstaat für die Amerikaner nicht mehr so entscheidend, beide Länder fördern nahezu die gleichen Mengen. Doch Saudi-Arabien ist auch als Abnehmer amerikanischer Waffen ein wichtiger Partner. Zuletzt hatte Trump in dem Land (bei seinem allerersten Staatsbesuch als US-Präsident überhaupt) eine Rüstungsdeal über mehr als 100 Milliarden Dollar gemacht – der ist aber noch nicht endgültig in trockenen Tüchern.

Auch auf geschäftlicher Ebene verbindet Donald Trump einiges mit dem Land. Wohnungen in seinem New Yorker Trump Tower im Wert von bis zu 50 Millionen Dollar hat der Immobilienentwickler Trump an Saudis verkauft. Dem Staat Saudi-Arabien gehört sogar der gesamte 45. Stock des Wolkenkratzers. Als Trump Anfang der 1990er-Jahre kurz vor der Pleite stand, war es ein saudischer Milliardär, der ihm 20 Millionen Dollar für die Yacht "Trump Princess" auf den Tisch legte. Einige Jahre später half dieser Prinz Trump erneut, als er ihm für sein Plaza Hotel 325 Millionen Dollar zahlte.

Neben den wirtschaftlichen Gründen spielt Saudi-Arabien auch eine Rolle als Gegenspieler des Iran. Beide Länder, auch konfessionell getrennt, ringen in der Region um die Vormachtstellung. Das Mullah-Regime des Iran mit ihrer Atombomben-Ambition ist Donald Trump ein besonderer Dorn im Auge. Aus dem mühsam ausgehandelten Deal waren die USA ausgestiegen. Daneben setzt der US-Präsident auf die Hilfe der Saudis bei der Beilegung des Konflikts zwischen Israel und Palästina. Sein Berater und Schwiegersohn Jared Kushner handelt gerade einen möglichen Friedensplan aus.

Letztlich gilt: auf die Freundschaft

Letztlich versucht Donald Trump den US-Status als Führungsmacht in der wackeligen Weltregion wiederherzustellen – über den militärisch wie wirtschaftlich von den Amerikanern abhängigen Partnerstaat Saudi-Arabien. Dieser Wille nach Einfluss erklärt auch seinen unklaren Kurs der vergangenen Tage. Nachdem bekannt wurde, dass der Journalist in der saudischen Botschaft in Istanbul verschwunden war, hielt sich Trump zunächst zurück, dann drohte er Saudi-Arabien mit einer "schweren Bestrafung" für den Fall dass Khashoggi von einem saudischen Kommando getötet worden sein sollte. Letztlich schwenkte er wieder auf Freundschaftskurs – der alten Verbundenheit willen.

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nik