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Flüchtlingskrise: Großbritanniens Ton ist zum Weinen - bis jetzt

"Marodierende Masse", "Kakerlaken", "Invasion": Die Sprache britischer Zeitungen und Politiker beim Thema Flüchtlinge ist ein rhetorisches Horrorkabinett. Erst das Foto des ertrunkenen Jungen von Bodrum scheint etwas zu ändern.

Von Michael Streck, London

Die Bilder des ertrunkenen Flüchtlingsjungen von Bodrum auf den Titelseiten  britischer Zeitungen

Dem Flüchtlingselend die Abstraktion genommen: Bilder des ertrunkenen Flüchtlingsjungen von Bodrum auf den Titelseiten britischer Zeitungen

Kleine britische Presseschau des Sommers. "Schickt die Armee!", "Freie Hotelbetten für Einschleicher aus Calais!", "Wie viele Immigranten können wir noch ertragen?". Immerhin, da stand: Migrants, Einwanderer. Dafür sind wir schon dankbar in diesen Tagen. Man liest nämlich auch: "Kakerlaken“ ("Sun"), "Horde" ("Daily Express"), "Wilde" ("Daily Mail"), "Mob" und "Invasion" (alle) oder "Schwarm" (Premierminister David Cameron). Die Sprache der Politiker ist nicht viel besser als die in den Blättern, ein rhetorisches Horrorkabinett. Vor Kurzem bezeichnete Außenminister Philip Hammond die Menschen im Dschungel-Camp von Calais als "marodierende Masse", die eine Gefahr für die europäische Gesellschaft darstelle. Er meinte natürlich: für Großbritannien.

Am vergangenen Wochenende schärfte Innenministerin Theresa May noch mal nach und verlangte einen Bann für arbeitslose EU-Einwanderer. Das widerspricht mal eben der Prämisse von der freien Wahl des Wohnortes. Einmal in Fahrt forderte sie dann noch, Studenten nach ihrem Abschluss wieder zurück zu schicken – falls die nicht subito einen Job finden. Frau May vergaß selbstverständlich zu erwähnen, dass diese Studenten zuvor horrende Studiengebühren zahlen, in überteuerten Zimmern und Wohnheimen leben, ihr bisschen Erspartes in britischen Pubs und in britischen Supermärkten lassen und später womöglich in britischen Krankenhäusern arbeiten, weil in diesem Land seit Jahren gravierender Fachkräftemangel herrscht. May wird im Übrigen als ernsthafte Kandidatin für die Cameron-Nachfolge gehandelt. Populismus kann sie schon.

Erzählt man den Briten von Deutschland, sind sie baff

Als in England lebender Europäer staunt man nur, was und wie hierzulande vermengt wird: Die Flüchtlinge in Calais, die Bedrohung durch den Islamischen Staat und Einwanderer aus der EU, die sich dann aber noch mal gabeln in erste Klasse (Deutsche, Franzosen, Niederländer) und zweite Klasse (ganz Osteuropa). Es wird zusammengeworfen, was nicht zusammengehört und zu einer unappetitlichen Xenophobie-Suppe verrührt, die die Presse am Köcheln hält. Würden Zeitungen Menschen ähneln, viele hätten Ähnlichkeit mit gotischen Fratzen, die Galle statt Wasser speien.

Und weil die Labour-Opposition nach dem Wahl-Desaster gerade einen neuen Vorsitzenden sucht und sich in Richtungskämpfen aufreibt, fehlt auch dort ein politisches Kontra. Immerhin: Die Kandidatin Yvette Cooper forderte als erste die Aufnahme von 10.000 Flüchtlingen. Und zwar zu einem Zeitpunkt, da das schockierende Foto der angespülten Kinderleiche noch nicht die Herzen erweichte und den Druck auf die Cameron-Regierung erhöhte. Er will nun nachbessern. Und das wird auch Zeit.

Im vergangenen Jahr beantragten knapp 25.000 Menschen Asyl in Großbritannien, und im Zeitraum von Juni 2014 bis Juni 2015 nahm das Königreich gerade einmal 166 syrische Flüchtlinge auf. Wenn man Briten erzählt, dass Deutschland in diesem Jahr bis zu 800.000 Flüchtlinge erwartet und die Reaktion der Bevölkerung darauf mehrheitlich verständnisvoll ist, sind die ganz baff. Hier liest es sich nämlich meistenteils so, als würde Dover überrannt und über den Felsen alsbald die schwarze Flagge der Islamisten wehen. Die "Daily Mail", Leitmedium der Intoleranz, fragte peinlich-dumm: "Wir haben Hitler ferngehalten. Warum können unseren kraftlosen Politiker nicht ein paar tausend erschöpfte Flüchtlinge stoppen?"

Das ist der Ton des Sommers. Der vielleicht auch deshalb so verstörend wirkt, weil per se unbritisch und so weit entfernt vom Fairnessgedanken, der immerhin hier geboren wurde. Ein Ton, der im Internet noch mal auf die Spitze getrieben wird, weil die Geisteshaltung dahinter jeden Tag vom Kiosk grölt. In der vergangenen Woche lief im Fernsehen die Dokumentation "Breaking into Britain – The Lorry Jumpers." Ein Film von Leo Maguire, der monatelang Flüchtlinge in Calais und deren Hoffnungen auf ein bisschen Leben nachzeichnete. Auf Twitter danach ein Sturm. Einer postete ein Foto eines Soldatenfriedhofs und schrieb darunter: "Das ist der Preis, den wir für unsere Freiheit bezahlten. Nun geht zurück, von wo ihr kommt und tut dasselbe." Das ist der vorwiegende Ton. Nicht in allen, aber doch in den meisten Publikationen jenseits vom linksliberalen "Guardian" und gemäßigten "Independent". Der Ton des Sommers sonst und in jeder Hinsicht: zum Weinen.

Das Foto von Ailan Kurdi veränderte die Statik

Voraussichtlich im kommenden Jahr stimmt Großbritannien über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Der Premier erwartet Reformen und Zugeständnisse vom Kontinent. Er wird sie nur bekommen, wenn er selbst in der fundamentalen Flüchtlingsfrage Zugeständnisse macht. Das erwartet Berlin, das erwartet Paris, das erwartet Europa. Und das erwarten inzwischen auch viele Briten. Mit Ausnahme natürlich der üblichen "Das-Boot-ist-voll"-Agitatoren. Soeben legte Nigel Farage, Chef der europafeindlichen Partei UKIP, das Programm für das EU-Referendum vor. Er sagte: "Die EU öffnet die Türen für eine Einwanderung biblischen Ausmaßes." Zuletzt war es angenehm ruhig geworden um Farage, er machte wohl Urlaub und konnte sich das auch erlauben. Die dumpfen Parolen übernahmen unterdessen Regierung und Zeitungen.

Dann kam das Foto von Ailan Kurdi, dem Jungen von Bodrum – und veränderte die Statik. Es bedurfte - und auch das sagt einiges - offensichtlich dieses Bildes, um dem Flüchtlingselend die Abstraktion zu nehmen, hinter den puren Zahlen eben Menschen zu sehen. Frauen. Und Kinder. Es gibt nun Onlinepetitionen, mehr als 200.000 Leute allein unterzeichneten eine des "Independent". Ein Bild, seine Geschichte und die Folgen. Downing Street verspricht jetzt endlich "action", das Königreich wird mehrere tausend Flüchtlinge aufnehmen. Das ist spät, das ist auch nicht viel und geschieht mehr auf politischen und ethischen Druck denn aus Überzeugung.

Aber es ist besser als gar nichts.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(