Folternde Soldaten Arabische Welt bestürzt


Die Bilder missbrauchter Iraker kosten der US-Regierung die letzten Sympathien. Einige Staatschefs der benachbarten arabischen Welt regieren jedoch zurückhaltend - sie lassen in ihren Ländern selber foltern.

Der Skandal um misshandelte irakische Gefangene hat der Regierung von US-Präsident George W. Bush bei den Arabern offensichtlich die letzten Sympathien gekostet. Das ergibt sich aus einer Flut von Meinungsäußerungen im Internet und Leserbriefen in Zeitungen. Die "Befreiung der Iraker von Folter und Willkür durch das Saddam-Regime" wird darin nun als Rechtfertigung für den Krieg zurückgewiesen.

Angesichts der Folterbilder aus dem Gefängnis westlich von Bagdad wird nun auch die Bush-Initiative für einen "Erweiterten Nahen Osten", die mit dem Argument der Menschenrechte von den arabischen Regimen Reformen einfordert, mit noch größerer Skepsis gesehen. Schon die Zustände in Guantanamo, wo mutmaßliche Taliban- und El-Kaida-Kämpfer aus Afghanistan festgehalten werden, hatten bei vielen Arabern ernsthafte Zweifel an Washingtons Bekenntnis zu den Menschenrechten aufkommen lassen.

"Diese Bilder (aus Abu Ghoreib) erinnern stark an die Bilder der Gefangenen in Guantanamo", erklärt die Ägyptische Organisation für Menschenrechte. Sie fordert nun nicht nur eine unabhängige Untersuchung aller Foltervorwürfe gegen US-Soldaten im Irak, sondern auch eine Untersuchung der "aktuellen amerikanischen Militäraktionen im Irak sowie der unverhältnismäßigen Anwendung von Gewalt durch Einheiten des US-Militärs".

Bei einer Meinungsumfrage auf der Internet-Seite des arabischen Nachrichtensenders El Dschasira antworteten 89,5 Prozent der rund 75.000 Teilnehmer auf die Frage "Sind Sie der Meinung, dass es sich bei der Folter von Gefangenen im Irak um Einzelfälle handelt?" mit "Nein". Mehr noch als bei der Zurschaustellung des von der US-Armee gefangenen Ex-Präsidenten Saddam Hussein, der sich mit struppigem Bart und missmutigem Gesicht von einem Arzt betasten ließ, fühlen sich die Menschen in ihrem Stolz getroffen.

Denn während bei Saddam viele Araber meinten, es werde der Anführer eines Unrechtsregimes für seine Taten bestraft, so gilt für die misshandelten Insassen des Abu-Ghoreib-Gefängnisses aus Sicht der arabischen Öffentlichkeit die Unschuldsvermutung. "Es scheint, dass diejenigen, die in Washington das Sagen haben, nicht wissen, dass der Stolz und die Ehre der Araber etwas sehr Wertvolles sind, und dass nur blutige Rache den Opfern Frieden bringen wird", schreibt Samir Ragab, ein Kommentator der halbamtlichen ägyptischen Presse.

Die Reaktion der arabischen Staatschefs und Regierungen auf die Enthüllungen fällt dagegen eher verhalten aus. Ägyptens Präsident Husni Mubarak forderte am Mittwoch "die vollständige Respektierung der Menschenrechte im Irak". Jemens Außenminister Abu Bakr el Kirbi erklärte: "Diese Grausamkeiten führen zu einem Verlust an Vertrauen und Glaubwürdigkeit und machen die Zukunft der Iraker noch unsicherer".

Sein sudanesischer Amtskollege Mustafa Ismail äußerte "tiefe Bestürzung" und rief die US-Truppen zum Abzug auf. Diese relativ milde Reaktion der nahöstlichen Führer erklären politische Beobachter damit, dass sich angesichts der im eigenen Land praktizierten Folter keiner von ihnen traut, die USA offen anzuklagen. Dahinter stehe das Motto "Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen".

Anne-Beatrice Clasmann, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker