Frankreich McDonald's-Hasser gegen schöne Ségolène


Am 22. April wählen die Franzosen ein neues Staatsoberhaupt. Wirkliche Chancen auf den Sieg haben zwar nur die großen Vier, unter ihnen die attraktive Ségolène Royal. Doch es bewerben sich auch etliche Exoten und bunte Vögel: Unter ihnen ein 32-jähriger Briefträger und ein McDonalds-Hasser.
Von Tilman Müller

Nun hat es der radikale Bauernführer und Gegner der Hamburger-Kette McDonalds doch noch geschafft. Er heißt José Bové und konnte in letzter Minute die 500 "Patenschaften" von Bürgermeistern und Deputierten zusammenbringen, die man in Frankreich vorweisen muss, um an Präsidentschaftswahlen teilnehmen zu können. Mit Bové dürfen sich am 22. April insgesamt zwölf Kandidaten um das höchste Amt im Staat bewerben - ein zwar schon seit Monaten währender Wahlkampf, der offiziell indes erst jetzt nach der Bekanntgabe durch den Verfassungsrat beginnen kann.

Nur vier Kanditaten haben echte Chancen

Acht der Elysée-Anwärter sind wie Bové eher bunte Vögel, die aus alter Tradition, parteipolitischer Überzeugung oder persönlicher Eitelkeit antreten, jedoch chancenlos sind. Die trotzkistische Veteranin Ariette Laguiller von der Partei "Lutte Ouvrière" (Arbeiterkampf) etwa, die bereits zum sechsten Mal dabei ist, der nationalkonservative Adelige Philippe de Villiers, die Grüne Dominique Voynet, dazu diverse Kommunisten, darunter ein 32-jähriger Briefträger und eine ehemalige Sportministerin.

Echte Aussichten haben indes nur die vier "Schwergewichte" - der konservative Innenminister Nicolas Sarkozy, die Sozialistin Ségolène Royal, der konservative Zentrumspolitiker François Bayrou und der Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen.

Absolute Mehrheit unwahrscheinlich

Mit Sicherheit wird keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang am 23. April die absolute Mehrheit erreichen. Und für die Stichwahl am 6. Mai kommen - bei der deutlichen Umfrage-Steilkurve Bayrous in den letzten Wochen - nur die beiden konservativen Schwergewichte und die sozialistische Politikerin in Frage. Denn angesichts des Konkurrenzkampfs der Konservativen, von denen besonders Sarkozy am rechten Rand auf Stimmenfang ist, wird Le Pen diesmal erfreulicherweise kaum eine Chance besitzen; vor fünf Jahren landete der Rechtsextreme einen Überraschungscoup, als er den Sozialisten Lionel Jospin überflügelte und dann in der zweiten Runde - allerdings deutlich - gegen Jacques Chirac unterlag.

Das Phänomen Bayrou überschattet im Moment komplett den Wahlkampf. Denn eines ist jetzt schon fast sicher: Falls der rustikale Konservative aus Frankreichs Süden, derzeit von den heimischen Medien als "dritter Mann" und als "Pferdeflüsterer" gehätschelt, tatsächlich die Stichwahl erreicht, wird er wahrscheinlich auch Frankreichs nächster Präsident. Denn geht es im zweiten Wahlgang gegen den Rechtsausleger Sarkozy, wird Bayrou die Stimmen der Sozialisten bekommen, und falls er auf Madame Royal trifft, werden ihm die rechts-konservativen Sarkozy-Stimmen zufallen. Bei einem klassischen Links-Rechts-Duell zwischen Sarkozy und Royal hingegen ist die Entscheidung derzeit völlig offen.

Sarkozy liegt leicht vorne

Noch sind es 27 Tage bis zur Wahl. Etwa 50 Prozent der Franzosen haben sich laut Umfragen bislang nicht entschieden, wen sie wählen. Nur eines ist sicher: An Spannung ist dieses Rennen kaum zu überbieten. Die drei Favoriten liegen - so sie Prognosen - in etwa gleichauf, mit leichten Vorteilen für Sarkozy. Royal hatte zuletzt schon weniger Prozente und Bayrou auch schon mal mehr. Doch welcher Franzose traut schon den Umfragen? Bei den letzten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2002 hatten die Meinungsforscher noch nicht mal Le Pens Endrunden-Einzug auf dem Zettel.


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