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Friedensnobelpreis: Chinese Liu Xiaobo hoch gehandelt

Am heutigen Freitag wird der Träger des Friedensnobelpreises 2010 bekannt gegeben. Norwegische Fernsehsender sehen den inhaftierten chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo als heißesten Favoriten für die Auszeichnung. China zeigt sich wenig begeistert durch seine Nominierung.

Der inhaftierte chinesische Dissident Liu Xiaobo ist nach Einschätzung des norwegischen Fernsehsenders TV2 der heißeste Favorit für den diesjährigen Friedensnobelpreis. Der Privatsender hatte im vergangenen Jahr die Auszeichnung für US-Präsident Barack Obama richtig vorhergesagt - am Donnerstag sagte ein TV2-Journalist in den Abendnachrichten, "wahrscheinlichster" Preisträger sei "ein in China inhaftierter Dissident". Anschließend wurde ein langer Bericht über den Fall Liu gezeigt.

Auch der norwegische öffentlich-rechtliche Fernsehsender NRK, der in der Vergangenheit bereits viele zutreffende Vorhersagen gemacht hatte, vergangenes Jahr aber falsch lag, berichtete, dass es "eine Präferenz für einen oder mehrere chinesische Dissidenten" wie Liu Xiaobo gebe. Als weiteren Kandidaten nannte NRK Altkanzler Helmut Kohl.

Der 54-Jährige Liu Xiaobo wurde im Dezember wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Er ist ein Mitverfasser der Charta 08, eines Manifests, das tiefgreifende politische Reformen in China fordert. Er hatte bereits wegen seiner Beteiligung an den blutig niedergeschlagenen Protesten auf dem Tiananmen-Platz 1989 im Gefängnis gesessen. Die chinesische Regierung hatte in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass sie eine Auszeichnung Lius als "unfreundlichen Akt Norwegens" betrachten würde.

Ebenfalls als eine der Favoritinnen gehandelt wird die afghanische Ärztin und Frauenrechtlerin Sima Samar. Zu den 237 Kandidaten für die Auszeichnung zählt auch Altbundeskanzler Helmut Kohl.

Die Entscheidung wird gegen 11.00 Uhr bekanntgegeben.

Die Wahl von US-Präsident Barack Obama im vergangenen Jahr galt als umstritten, zumal Obama erst seit neun Monaten im Amt war und gleich zwei Kriege in Afghanistan und im Irak führte. Obama hatte zwar bereits sein Konzept für eine atomwaffenfreien Welt vorgestellt, davon aber nichts umgesetzt.

AFP/Reuters / Reuters