Friedensvertrag Ein ausgeblutetes Riesenreich


Der Weg zum Frieden für den Kongo bleibt auch nach der Einigung der Konfliktparteien auf eine Übergangsregierung noch holprig. In weiten Teilen des Landes ignorieren nach wie vor Milizgruppen den Friedensschluss.

Mit der Einigung auf eine Übergangsregierung haben die Konfliktparteien des Kongo einen großen Schritt zur Beendigung des vier Jahre währenden Kriegs gemacht. Doch der Weg zum Frieden für das ausgeblutete Riesenreich bleibt noch lang und holprig. Zwar haben sich die einflussreichsten Gegner die Hände gegeben. Doch in weiten Teilen des Landes ignorieren nach wie vor zahlreiche Milizgruppen und kriegerische Volksstämme den Friedensschluss der drei Hauptakteure - Präsident Joseph Kabila und die rivalisierenden Rebellenführer Jean- Pierre Bemba und Adolphe Onusumba. «Wichtig ist, dass der Krieg nun nicht vom Busch an den Kabinettstisch vertagt wird», meint der Kongoexperte der «Internationalen Krisengruppe», François Grignon.

Kabila bleibt im Amt


«Die Herausforderung ist nicht die Unterzeichnung, sondern die Realisierung des Abkommens», sagt Grignon. «Die Unterzeichner, die bislang an der Ausbeutung ihres Landes beteiligt waren, müssen zeigen, dass ihnen an guter Regierungsführung und Demokratisierung liegt.» Nach dem Vertrag bleibt Präsident Kabila mindestens bis zu freien Wahlen in zweieinhalb Jahren im Amt. Die bislang von Uganda und Ruanda unterstützten Rebellenführer Bemba von der «Bewegung zur Befreiung Kongos» (MLC) und Onusumba von der «Kongolesischen Bewegung für Demokratie» (RCD) sowie die politische Opposition und Zivilgruppen sollen sich Schlüsselposten in der Übergangsregierung teilen.

Doch in den Wäldern des Ostkongos leben weit von diesen Einigungen entfernt nach Schätzungen der UN-Beobachter noch immer rund 12 000 Hutu-Rebellen. Dazu fechten in der Region zahlreiche andere Buschkämpfer wie die Krieger des Mai Mai-Stammes oder der verfeindeten Völker der Hema und Lendu ihre blutigen ethnischen Kämpfe aus. Marodierende Banden verunsichern die Region. «Eine Dimension, die bislang bei den Friedensverhandlungen fehlt, ist die Berücksichtigung dieser lokalen Konflikte», meint Grignon. «Es fehlen Pläne zur Herstellung von Sicherheit und zum Wiederaufbau.»

Nach vier Jahren Krieg ist das rohstoffreiche Riesenland im Herzen Afrikas völlig ausgeblutet. Rund 2,5 Millionen Menschen starben in den Kämpfen zwischen Regierung, Rebellen und inzwischen abgezogenen internationalen Armeen. Oder sie starben am Elend infolge der Kämpfe. «Armut und Leid sind unvorstellbar», sagt Simon Lawson von der Friedensforschungsorganisation «Search for Common Ground» in Kinshasa. «Selbst in der Hauptstadt können sich manche Menschen nur über Wasser halten, weil sie vier Jobs parallel machen.» Kinder werden verstoßen, weil die Familien sie nicht mehr ernähren können. «Sie werden einfach als verhext bezeichnet und auf die Straße gesetzt», sagt Lawson. «Allein in den letzten sechs Monaten wuchs ihre Zahl in Kinshasa auf 30 000.»

Nackt im Wald


Andere treibt die Armut in die Verbannung. Nach Informationen des UN-Kinderhilfswerks UNICEF verstecken sich in den Wäldern von Businga im Nordosten Kongos rund 14 000 nackte Menschen. «Sie sind so arm, dass sie nicht mal mehr Kleider am Leib haben», sagt eine Sprecherin. «Und aus Scham zogen sie sich in den Schutz des Waldes zurück.»

Besonders der Ostkongo war vier Jahre lang völlig von Kinshasa abgeschnitten. Das von Rebellen kontrollierte Gebiet konnte bislang noch nicht einmal von der Hauptstadt mit einer der maroden Fluglinien ohne den Umweg übers Ausland angeflogen werden. Straßen und Schienen verbinden die Teile des Landes schon lange nicht mehr. Mit EU-Geldern und unter Aufsicht deutscher Ingenieure erneuern chinesische Firmen derzeit die zerstörte Straße von Kinshasa zur Atlantikhafenstadt Matadi im Westen.

«Ein guter Anfang», meint Grignon. «Die internationale Gemeinschaft muss nun vor allem zeigen, dass sie hinter der kongolesischen Bevölkerung steht und nicht auf der Seite der Kriegsfürsten - denn das hilft dem Kongo nicht.»

Antje Passenheim DPA

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