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Gaddafi-Sohn Saif al Islam Vom Reformer zum Hardliner


Monatelang haben die Sicherheitskräfte der neuen libyschen Führung nach ihm gesucht, nun haben sie ihn gefasst. Ein Portrait.

Saif al Islam, der zweitälteste und bekannteste Sohn des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi, wurde im Süden des Landes von Sicherheitskräften gestellt. Die Rebellen hatten bereits Ende August gemeldet, Saif al Islam sei festgenommen worden, doch das erwies sich als Falschmeldung - wenige Tage später zeigte sich der 39-Jährige lächelnd Reportern in der Hauptstadt Tripolis.

Mit dem Beginn der Aufstände in Libyen erwies sich Saif al Islam, der lange Zeit als Reformer und wahrscheinlichster Nachfolger seines Vaters an der Spitze Libyens galt, schnell als Hardliner. Im Februar drohte er im libyschen Staatsfernsehen mit einem Bürgerkrieg "mit tausenden Toten". "Wir werden Libyen nicht aufgeben, und wir werden bis zum letzten Mann, bis zur letzten Frau und bis zur letzten Kugel kämpfen", sagte Seif el Islam, dessen Name Schwert des Islam bedeutet.

Seit Ende Juni wurde der Gaddafi-Sohn vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit per Haftbefehl gesucht. Von IStGH-Chefankläger Luis Moreno-Ocampo wurde er als Libyens "De-facto-Ministerpräsident" angesehen, der eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung eines von seinem Vater ausgearbeiteten Plans zur Unterdrückung des Volksaufstands "mit allen Mitteln" spielte.

Er galt lange Zeit als gutes Gesicht

Dabei galt Saif al Islam lange als so etwas wie das gute Gesicht des als Schurkenstaat verschrieenen Libyen. In der Öffentlichkeit trat der kahlköpfige junge Mann gewandt mit Anzug und Krawatte, Englisch- und Deutschkenntnissen, ein wenig Französisch sowie ruhiger und besonnener Ausdrucksweise auf. Zudem genoss er jahrelang den Ruf eines Reformers.

2007 stieß er ein Projekt für eine Verfassungsreform zur Modernisierung seines Landes an, machte aber keinen Hehl aus dem Plan, dass die Macht seines Vaters dabei nicht angetastet werden sollte. Er gründete einen privaten Fernsehsender und die ersten beiden privaten Zeitungen des Landes. Nur ein Jahr später verkündete er dann seinen Rückzug aus der Politik.

Still wurde es trotzdem nie um ihn. Im Oktober 2009 berichteten libysche Medien, er solle zur Nummer zwei des Staates aufgebaut werden. 1997 gründete er die Gaddafi-Stiftung für Entwicklung. Als deren Präsident trat er im Ausland als humanitärer Botschafter seines Landes auf und spielte bei internationalen Verhandlungen eine Schlüsselrolle.

Löwen als Haustiere

So half Saif al Islam 2000 bei der Befreiung der auf den Philippinen entführten deutschen Familie Wallert. 2004 willigte seine Stiftung in die Zahlung von 35 Millionen Dollar Entschädigung für den Anschlag auf die Berliner Diskothek La Belle ein, bei dem 1986 drei Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden waren. Er handelte auch die Entschädigungen für die Angehörigen der Lockerbie-Opfer aus - libysche Geheimagenten standen hinter dem Anschlag auf ein Flugzeug, bei dem 1988 über Schottland 270 Menschen ums Leben kamen.

Geboren wurde Saif al Islam 1972 in Tripolis. Dort machte er 1995 seinen Hochschulabschluss als Architekt, später ging er zum Studium nach Wien, wo er sich mit dem inzwischen verstorbenen österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider anfreundete. An der London School of Economics machte er seinen Doktor. Der Jungeselle hielt sich Löwen als Haustiere, ging gerne reiten und auf Falkenjagd.

Mit der Festnahme von Saif al Islam ist das Schicksal aller Angehörigen des Gaddafi-Clans bekannt. Gaddafi selbst sowie einige seiner Söhne waren bereits während des monatelangen Konflikts ums Leben gekommen. Gaddafis Frau Safia und vier weitere Kinder setzten sich ins Ausland ab.

Imed Lamloum, AFP AFP

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