Gaza-Streifen Israels Armee ist zum Einmarsch bereit


Eine israelische Bodenoffensive im Gaza-Streifen rückt immer näher. Die Armee hat nach eigenen Angaben ihre Stellungen bezogen und ist zum Einmarsch bereit. Zunächst gehen jedoch die Luftangriffe auf Hamas-Ziele in dem Gebiet der Palästinenser weiter - mit erneut vielen Toten und Verletzten.

Die israelischen Bodentruppen sind nach Angaben der Armee für einen Einmarsch in den Gaza-Streifen gerüstet. "Die Bodentruppen sind bereit", sagte eine Armeesprecherin am Dienstag. Die Soldaten hätten ihre Stellungen bezogen. Die Möglichkeit einer Bodenoffensive bestehe. "Im Moment jedoch greifen wir ausschließlich aus der Luft oder vom Meer aus an", sagte die Sprecherin. Israel hatte seine Luftangriffe auf Ziele im Gaza-Streifen am Samstag begonnen und reagierte damit auf den Raketenbeschuss durch die Hamas. Bisher starben bei der größten Militäroffensive seit 40 Jahren mehr als 360 Menschen, darunter nach Angaben der Vereinten Nationen 62 Zivilisten.

Israel lehnte eine Waffenruhe mit der Hamas ab, solange die Gefahr von Raketenangriffen aus dem Gaza-Streifen nicht gebannt ist. "Es gibt keinen Raum für eine Waffenruhe", sagte Innenminister Meir Schitrit am vierten Tag der israelischen Luftangriffe im Hörfunk. Die Regierung sei entschlossen, den Raketenbeschuss im Süden des Landes zu stoppen. Daher dürfe die Armee ihren Einsatz nicht beenden, bevor der Wille der radikal-islamischen Hamas zur Fortsetzung der Raketenangriffe gebrochen sei. "Dies ist das Ziel und es muss erreicht werden", sagte Schitrit. Der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Vilnai sagte, die Armee sei darauf vorbereitet, notfalls mehrere Wochen zu kämpfen.

Israel zerstört Hamas-Ministerien

Israel setzte seine Luftangriffe auch am Dienstag unvermindert fort. Bei der Bombardierung von Ministerien, Ausbildungslagern der Hamas und anderen Zielen wurden nach palästinensischen Angaben mindestens zehn Menschen getötet, darunter zwei Mädchen im Alter von vier und elf Jahren. Das Außenministerium wurde nach Angaben von Augenzeugen völlig zerstört. Auch das Verteidigungs- und das Finanzministerium sowie der Sitz des Regierungschefs wurden angegriffen.

Ein Boot, mit dem ein Team von internationalen Friedensaktivisten medizinische Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen wollte, ist am Dienstagmorgen von einem israelischen Patrouillenboot gerammt worden. Wie der Korrespondent des US-Senders CNN, Karl Penhaul, von Bord der "Dignity" berichtete, habe das israelische Schiff die Friedensaktivisten in internationalen Gewässern vor der Mittelmeerküste des Gaza-Streifens zunächst etwa 30 Minuten lang verfolgt. Plötzlich habe es die "Dignity" dann ohne Vorwarnung gerammt.

Das Boot der Friedensaktivisten wurde dabei den Angaben zufolge beschädigt. An den Aufbauten seien vor allem Glasscheiben zu Bruch gegangen, sagte Penhaul. Auch eine geringe Menge Wasser sei in das Boot eingedrungen. Allerdings sei der Zustand nicht bedrohlich.

Die "Dignity" wurde von der Free-Gaza-Bewegung gechartert. Die US-Menschenrechtsorganisation hat seit August bereits mindestens fünf Fahrten mit Hilfslieferungen organisiert, um die israelische Seeblockade des Gaza-Streifens symbolisch zu durchbrechen. Die israelische Marine hatte die Schiffe bislang passieren lassen.

Militante Palästinenser haben auch in der Nacht mehrere Raketen in das israelische Grenzgebiet gefeuert, meldete der israelische Rundfunk. Dabei sei jedoch niemand verletzt worden. Am Montagabend waren bei den Raketenangriffen zwei Israelis getötet worden, in Aschdod eine Mutter von vier Kindern und in einer Militärstellung am Rande des Gaza-Streifens ein Soldat. Damit stieg die Zahl der israelischen Toten seit Beginn der Operation "Gegossenes Blei" auf vier.

Im israelischen Grenzgebiet zum Gaza-Streifen blieben wegen der anhaltenden Kämpfe am Dienstag die Schulen und Kindergärten geschlossen. Die Einwohner der Grenzorte waren aufgerufen, nur dann zur Arbeit zu gehen, wenn dort Schutzräume verfügbar sind.

Ägypten öffnete den Grenzübergang Rafah für palästinensische Verletzte und Hilfslieferungen in den Gazastreifen. Neun Verletzte aus dem Gaza-Streifen seien nach Ägypten gebracht worden, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Es war das erste Mal seit Beginn der israelischen Luftangriffe, dass verletzte Palästinenser über die Grenze nach Ägypten durften. Im Gegenzug setzten sich von Ägypten aus mehrere Lastwagen in Bewegung, die Medikamente und Hilfsgüter in den Gazastreifen brachten.

Ban fordert sofortigen Waffenstillstand

Die EU will bei einem Sondertreffen der Außenminister am Abend über die Lage in der Region beraten. Die EU-Außenminister sollten bei ihrem Sondertreffen in Paris "über den europäischen Beitrag zur Lösung der aktuellen Krise" beraten, teilte das französische Außenministerium am Montagabend mit. Frankreich hat noch bis Jahresende die EU-Ratspräsidentschaft. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) telefonierte mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Dabei waren sich beide nach Angaben des Auswärtigen Amtes einig, dass die gegenwärtigen Ereignisse nicht nur für die Menschen in Gaza eine Katastrophe seien, "sondern ein erhebliches Destabilisierungspotenzial für die gesamte Region hätten". Die Lage dürfe auf keinen Fall weiter eskalieren.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte einen sofortigen Waffenstillstand und rief die internationale Gemeinschaft zu entschiedenem Handeln auf, um den Konflikt zwischen Israel und der Hamas zu beenden Ban erklärte am Montag in New York, sowohl Israel als auch die Palästinenser müssten alle Gewalt stoppen und den Tod von Zivilpersonen verhindern. Der UN-Generalsekretär kritisierte einen "übermäßigen Einsatz von Gewalt" durch die israelischen Streitkräfte und betonte, beide Seiten müssten die Gewalt beenden. Die Regierung in Jerusalem habe ihm zugesichert, dass Hilfsgüter und Helfer in den Gaza-Streifen gelassen würden. Ein Ende der Angriffe sei aber nicht versprochen worden. Er appellierte an die arabischen Außenminister, die am Mittwoch zu einer Dringlichkeitssitzung in Kairo zusammentreffen wollten, "schnell und entschieden zu handeln, um diese ausweglose Situation zu einem raschen Ende zu bringen".

DPA/AP/AFP/Reuters AP DPA Reuters

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