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Geberkonferenz: Schulen und Soldaten für Afghanistan

Eine Geberkonferenz in London hat für Afghanistan Hilfsleistung in Milliardenhöhe beschlossen. Damit soll das bitterarme Land Soldaten und Schulen finanzieren und versuchen, das Problem mit den Drogen zu lösen.

Warlords, Drogenbarone und zunehmend Bombenterror prägen gut vier Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes die Sicherheitslage in weiten Teilen Afghanistans. Dennoch haben auf der Afghanistan-Konferenz in London nahezu 70 Staaten und internationale Organisationen weitere Milliardenhilfen zugesagt, um den bereits erreichten Wandel abzusichern.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier versicherte zum Auftakt, dass das Land am Hindukusch ein Schwerpunkt deutschen Auslandsengagements bliebe. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte zu Beginn der zweitägigen Beratungen, ihre Regierung wolle das Land im kommenden Jahr mit 1,1 Milliarden Dollar (900 Millionen Euro) unterstützen. Einen ähnlichen Betrag stellten die USA bereits für das laufende Jahr zur Verfügung.

"Der in Afghanistan vollzogene Wandel ist bemerkenswert, aber noch unvollständig", sagte Rice. Steinmeier war der einzige Außenminister außer Rice, der das Wort ergriff. Damit wollte die Staatengemeinschaft offenbar die auch von den USA als herausragend bewerteten Anstrengungen Deutschlands für den Wiederaufbau würdigen.

Neue Phase beginnt

Steinmeier verwies unter anderem darauf, dass Deutschland nach den USA größter Truppensteller sei. Die Stabilisierungstruppe Isaf stehe im Norden unter deutschem Kommando. Deutschland koordiniere auch die Polizeiausbildung und leiste erhebliche Finanzbeiträge. Er erinnerte daran, dass die internationale Hilfe für das von 22 Jahren Krieg verwüstete Land vor gut vier Jahren mit dem Treffen der Staatengemeinschaft auf dem Petersberg bei Bonn begonnen habe. Nun fange eine neue Phase an.

Von zentraler Bedeutung dafür sei der Aufbau demokratisch legitimierter funktionsfähiger Institutionen sowie eine den Menschenrechten verpflichtete Staatsordnung. "So können innerstaatliche Konfrontationen und Terrorismus auf Dauer am besten bekämpft werden", sagte Steinmeier. Noch sei viel zu tun, damit die Afghanen Demokratie und Stabilität als Chance auf ein besseres Leben erfahren könnten.

Vor Konferenzbeginn hatte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul erklärt, die Bundesrepublik stelle jährlich 80 Millionen Euro Hilfsgelder zur Verfügung. Damit seien rund 230 Grundschulen für etwa 650.000 Schüler wiederhergestellt worden. Der gastgebende britische Premierminister Tony Blair sagte, die Förderung der Demokratie in Afghanistan liege im Interesse der internationalen Gemeinschaft. "Wir hoffen, dass Afghanistan finanziell und sicherheitspolitisch weiter unterstützt wird", sagte der afghanische Präsident Hamid Karsai. An der Konferenz nahm auch UN-Generalsekretär Kofi Annan teil.

Seit dem Sturz des Taliban-Regimes im Herbst 2001 flossen mehrere Milliarden Euro nach Afghanistan. Die Zahl der Schüler ist seitdem von 900.000 auf fünf Millionen gestiegen - unter ihnen auch viele Mädchen, denen der Schulbesuch von den Taliban verwehrt worden war. Der größte Teil der Bevölkerung lebt aber weiter in bitterer Armut, Afghanistan hat eine der höchsten Sterblichkeitsraten in der Welt.

Afghanistan ist das Herkunftsland von 90 Prozent des weltweiten Konsums von Opium und Heroin. Der Anbau von Drogen wie Opium macht ein Drittel der afghanischen Wirtschaftsleistung aus. "Drogen bringen im Jahr drei Milliarden Dollar ein", sagte der afghanische Finanzminister Anwar al Hak Ahadi vor der in London beginnenden Afghanistan-Geberkonferenz in einem Zeitungsinterview. Um den Anbau von Drogen zu stoppen, sei internationale Hilfe nötig.

"Wenn die afghanische Wirtschaft im Alltag ohne diese Summe auskommen müsste, könnte das einen sehr negativen Einfluss auf das makroökonomische Gleichgewicht unseres Lands haben", sagte er in einem Gespräch mit der französischen Zeitung "Le Figaro" weiter.

Beth Gardiner/AP / AP