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Gefasster Libyer Chattalah Terroristen gehen nicht jeden Freitag zu McDonalds


Zwei Jahre lang hielt der libysche Terrorist Abu Chattalah die USA zum Narren, nun wurde er gefasst. Der Grund, warum seine Festnahme so lange gedauert hat, liegt offenbar im US-Justizministerium.

Der Krieg der USA gegen weltweiten Terror begann nicht erst mit den Anschlägen vom 11. September 2001 – aber seitdem verfolgt die Öffentlichkeit jeden Antiterror-Erfolg des Weißen Hauses mit ganz besonderer Aufmerksamkeit. Von den ganz großen Namen auf ihrer Meistgesuchten-Liste konnten die Vereinigten Staaten in den vergangenen 13 Jahren um die zehn Einträge streichen – der bekannteste von ihnen war Osama Bin Laden, ums Leben gekommen 2011 in Pakistan bei einer Kommandoaktion. Nun hat eine US-Eliteeinheit im libyschen Bengasi einen weiteren Topterroristen aufgespürt: Ahmed Abu Chattalah, Führer der libyschen Islamistengruppe Ansar al Scharia und mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge auf die dortige US-Vertretung vor zwei Jahren.

Nun könnte ein Seufzer der Erleichterung durch Washington gehen, aber stattdessen fragt sich vor allem die Opposition, warum das eigentlich so lange gedauert hat, den Islamisten aufzuspüren. Und das nicht ganz zu Unrecht. Denn nur knapp einen Monat nach dem Anschlag auf das Konsulat, bei dem vier Menschen ums Leben kamen, darunter auch der Botschafter Christopher Stevens, gab Chattalah der "New York Times" und der Nachrichtenagentur Reuters frohgemut Interviews. Den Journalisten gegenüber stritt er ab, irgendwas mit dem Anschlag zu tun zu haben. Obwohl er Augenzeugenberichte bestätigte, nach denen er am besagten Tag auf dem Konsulatsgelände gewesen sei. Nur weil er am Tatort war, hieße das noch lange nicht, dass er auch schuldig sei, sagte er sinngemäß und kündigte an, weiter in Bengasi leben zu wollen.

"Chattalah geht nicht freitags zu McDonalds"

Es könne doch nicht sein, dass Reporter den Mann mal eben so aufspürten aber die Geheimdienste zwei Jahre brauchen, um ihn dingfest zu machen, schimpfte der ehemalige Kongressabgeordnete Allen West nun. Der Pentagon-Sprecher John Iriby wies das prompt zurück. "Die Annahme, dass er jeden Freitag bei McDonald's einen Milchshake trinken geht und wir ihn nur mit einem Taxi hätten abholen müssen", sei abwegig. "Solche Leute versuchen bewusst zu verhindern, gefasst zu werden", sagte er.

Die Antwort, warum die Ergreifung Chattalahs so lange gedauert hat, liefert möglicherweise die US-Seite "The Daily Beast". Diesen Informationen zufolge sei die Operation ein Jahr lang auf einem eigens dafür nachgebauten Gelände geübt worden. Die Vorbereitung und die Geduld hätten sich ausgezahlt, so "Daily Beast". Ein von ihr befragter US-Verwaltungsmitarbeiter nannte eine Bitte des Justizministeriums als Grund für die lange Operationsdauer. Man habe zunächst ausreichend Beweise für eine belastbare Anklage sammeln sollen, so die anonyme Quelle.

Auch Libyen will Chattalah haben

Das Thema Bengasi ist in Washington schon lange ein Reizwort. Es dauerte damals mehrere Tage, bis die USA den Vorfall als Terrorangriff einstuften. Dabei war klar, dass die Islamisten das Konsulat mit Brandbomben und Panzerfäusten angegriffen hatten und nicht viel auf eine "spontane Überreaktion von Demonstranten" hinwies, wie die US-Regierung zunächst behauptet hatte. Die Republikaner wetterten daraufhin, Barack Obama habe die Gefahr nicht rechtzeitig erkannt und heruntergespielt. Später gab das Weiße Haus zu, dass es vor dem Anschlag Sicherheitsmängel gegeben habe. Anfang vergangenen Jahres übernahm die scheidende Außenministerin Hillary Clinton die Verantwortung für das Unglück. Mehrere Ausschüsse haben sich dem Thema bereits angenommen, der nächste soll im Herbst, pünktlich zum Start des Zwischenwahlkampfs beginnen.

Entgegen anderslauteten Gerüchten soll Chattalah nicht ins Gefangenenlager Guantanamo Bay überführt werden. Die USA werden den gefassten Libyer in den USA vor Gericht stellen. Das Weiße Haus teilte mit, man ziehe mittlerweile sehr erfolgreich Terroristen über die Bundesgerichte zur Verantwortung. Obama versucht seit Jahren vergeblich das umstrittene Lager zu schließen. Chattalah wird wegen Mordes und Terrorismus angeklagt. Der US-Präsident versprach, dass er das "volle Gewicht" der Justiz zu spüren bekommt. Allerdings schaltet sich nun auch Libyen in die Angelegenheit ein und fordert von den USA die Auslieferung Chattalahs. Justizminister Salah al Marghani sagte, es gebe bereits seit längerer Zeit einen Haftbefehl der libyschen Justiz, doch die schwierige Sicherheitslage habe die Vollstreckung bislang behindert. "Er muss in Libyen vor Gericht gestellt werden", so Marghani.

Hier lesen Sie mehr zu dem Thema Chattalah

Lesen Sie auf "The Daily Beast" in ganzer Länge, warum die Spezialeinheiten so lange gebraucht haben, den Islamisten Chattalah zu fassen (englisch)

Der TV-Sender CNN erklärt, was den Libyer nun erwartet (englisch)

Die "Süddeutsche Zeitung" vom Oktober 2013 über die Interviews, die Chattalah nach dem Anschlag gegeben hat

nik/DPA/AFP DPA

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