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Geiselnahme in Nairobi: Präsident erklärt Islamisten für besiegt

Die Bilanz ist erschreckend: Vier Tage lang besetzten Islamisten in Nairobi ein Einkaufszentrum. Mehr als 70 Menschen kamen dabei ums Leben. Nun hat Geiselnahme ein Ende gefunden.

Der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta hat die Geiselnehmer von Nairobi für geschlagen erklärt. Zunächst war offen, ob damit der Einsatz der Sicherheitskräfte gegen die mutmaßlichen Mitglieder der somalischen al-Schabaab-Miliz beendet war. Nach der von Kenyatta gezogenen Bilanz kamen seit Beginn der Auseinandersetzungen am Samstag mehr als 70 Menschen zu Tode.

"Wir haben es den Angreifern gezeigt und sie besiegt", sagte Kenyatta in einer Fernsehansprache. 61 Zivilisten und sechs Angehörige der Sicherheitskräfte seien während der vier Tage dauernden Schießereien getötet worden. Auf Seiten der Angreifer, bei denen es sich um Mitglieder der islamistischen al-Schabaab-Miliz aus Somalia handeln soll, habe es fünf Tote und elf Gefangene gegeben. Kenyatta wollte Geheimdienstberichte nicht bestätigen, wonach unter den Angreifern, die der al Kaida nahestehen, mehrere US-Bürger und eine Britin sind. Gerichtsmediziner arbeiteten daran, die Toten zu identifizieren.

Abzug der Friedenstruppen aus Somalia gefordert

"Das Haupt unserer Nation ist zwar blutig, aber ungebeugt", sagte Kenyatta. Er ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Wild um sich schießend und Handgranaten werfend hatten die Islamisten das bei Ausländern und wohlhabenden Einheimischen beliebte Einkaufszentrum am Samstag gestürmt. Sie wollten damit der Forderung nach einem Abzug der kenianischen Truppen aus Somalia unterstreichen. Das hatte Kenyatta, der bei der Geiselnahme einen Neffen verlor, bereits am Wochenende abgelehnt. Die zu einer Friedenstruppe der Afrikanischen Union gehörenden Soldaten haben die somalischen Milizen in den vergangenen zwei Jahren immer mehr zurückgedrängt.

Kenyatta bestätigte in seiner Fernsehansprache Befürchtungen, dass mehr als die zunächst genannten 62 Menschen getötet wurden. Viele Leichen lägen noch unter den Trümmern des Gebäudekomplexes, das zu großen Teilen einstürzte. Die Angreifer und ihre Hintermänner würden die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.

Keine Details zu Zahl und Herkunft der Attentäter

Die kenianischen Behörden hatten seit Samstag immer wieder ein Ende der Geiselnahme erklärt, was die Angreifer per Kurzmitteilung immer wieder bestritten. Noch Stunden vor der Fernsehansprache Kenyattas war sporadisches Gewehrfeuer zu hören, auch eine Explosion ereignete sich. Ein Geheimdienst-Offizier bestätigte, dass sich in dem Gebäude noch Kämpfer aufhielten.

Unklar blieb zunächst, wie viele Islamisten ursprünglich an dem Angriff teilnahmen und wie viele getötet wurden. Auch die Nationalität der Angreifer blieb strittig. Außenministerin Amina Mohamed sagte im US-Fernsehen, es seien zwei oder drei junge Amerikaner und eine Britin unter den Extremisten. Somalias Regierungschef sagte, auch er glaube, dass die Angreifer über unterschiedliche Nationalitäten verfügten. Er könne sich aber nicht sicher sein.

"Keine Ahnung was in dem Gebäude vor sich geht"

In britischen Medien wurde spekuliert, bei ihr könne es sich um die als "Weiße Witwe" bekannte Samantha Lewthwaite handeln. Ihr Mann war einer der Selbstmordattentäter bei dem Angriff auf das Londoner U-Bahn 2005. Damals starben mehr als 50 Menschen. In britischen Sicherheitskreisen wurde das zwar nicht ausgeschlossen. Bislang gebe es jedoch keine konkreten Hinweise. Die al Schabaab wies die Berichte zurück. "Wer die Angreifer als Amerikaner und Briten beschreibt, hat keine Ahnung, was in dem Westgate-Gebäude vor sich geht", sagten Sprecher der Gruppe zu Reuters.

nik/Reuters / Reuters