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Generalstreik und Islamistischer Terror: Nigeria kommt nicht zur Ruhe

Nigeria schlittert in eine gefährliche Krise: Nach Ablauf eines Ultimatums gegen die Christen im Norden Nigerias reißen die Angriffe islamistischer Extremisten nicht mehr ab. Zudem soll es einen Generalstreik geben.

In der Nacht zum Samstag wurden bei Anschlägen und Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Islamisten erneut mehrere Menschen getötet und viele weitere verletzt. Innerhalb von drei Tagen starben damit rund 30 Menschen, seit Weihnachten etwa 80. Sicherheitsbehörden machen die radikalislamische Sekte Boko Haram für den Terror verantwortlich. Diese hatte die Christen ultimativ aufgefordert, binnen drei Tagen den Norden zu verlassen, und ihnen weitere Gewalt angedroht.

Der Präsident der Dachorganisation christlichen Kirchen Nigerias, Pastor Ayo Oritsejafor, warnte nach einem Bericht des "Guardian" vor einem Bürgerkrieg in dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas. Präsident Goodluck Jonathan sorgt sich derweilen vor allem um die Gefahr massiver sozialer Unruhen. Die Gewerkschaften riefen zum landesweiten Generalstreik gegen die Verdoppelung des Benzinpreises auf.

Bei einem Überfall von Islamisten auf eine Kirche im Bundesstaat Adamawa starben nach Medienberichten am Samstag acht Menschen. Am Freitag hatten Unbekannte 16 Menschen in einem Rathaus in der nördlichen Stadt Mubi erschossen. Am Donnerstagabend waren sechs Menschen bei einem Anschlag auf eine Kirche in der Stadt Gombe getötet worden.

Die Regierung verhängte am Samstag eine nächtliche Ausgangssperre in Yola, der Hauptstadt von Adamawa. Der Polizeichef des Bundesstaates, Ade T. Shinaba, sagte dem "Guardian", für alle jüngsten Attacken sei Boko Haram verantwortlich. Die Sekte lehnt jeden westlichen Lebensstil und das Christentum strikt ab.

Die nigerianischen Sicherheitskräfte setzten am Samstag ihre Offensive gegen Hochburgen der Sekte fort. Bei verschiedenen bewaffneten Zusammenstößen mit Anhängern der Organisation gab es nach nigerianischen Medienberichten mehrere Todesopfer. Die Behörden bestätigten das allerdings nicht.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker in Deutschland warnte vor einer gefährlichen Gewaltspirale in Nigeria. Die Sicherheitskräfte des Landes seien mit dem Schutz religiöser Minderheiten überfordert. Der Grünen-Politiker Volker Beck sprach von einem "Generalangriff auf die Religionsfreiheit". Die internationale Staatengemeinschaft müsse Nigeria Hilfe beim Kampf gegen Boko Haram anbieten.

Präsident Jonathan unternahm am Samstagabend einen letzten Versuch, einen Generalstreik zu verhindern: In einer Fernsehansprache kündigte er demonstrativ eine Kürzung der Gehälter aller Politiker in Staatsämtern und aller Spitzenbeamten um 25 Prozent an. Er verteidigte seinen strikten Sparkurs, der schon in der vergangenen Woche zu heftigen Protesten und gewalttätigen Demonstrationen geführt hatte. Der Präsident appellierte an die Bürger, den inneren Frieden in ihrem Land zu bewahren.

Der nigerianische Gewerkschaftsverband hat wegen der Entscheidung des Präsidenten, alle Benzin-Subventionen abzuschaffen, ab Montag zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Die Verdoppelung der Benzin-Preise hatte in dem von ethnischen und religiösen Konflikten geplagten Land zu zahlreichen sozialen Protesten geführt. Nigeria ist zwar der ölreichste Staat Afrikas, trotz sprudelnder Einnahmen seit vielen Jahren lebt die Mehrheit der etwa 150 Millionen Menschen jedoch in großer Armut.

DPA / DPA