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Geplatzter Fototermin der Außenminister Fischer giftet gegen Westerwelle


Guido Westerwelle wollte mit vier seiner Amtsvorgänger für die EU werben. Doch Joschka Fischer versetzt den Kollegen. Westerwelle habe die Kampagne für eigene Zwecke gekapert.

Die Idee war in diesen Euro-Krisenzeiten gar nicht so schlecht. Alle bundesdeutschen Außenminister von 1974 bis 2012 auf einem Bild, gemeinsam für das große Ziel Europa, unabhängig von der politischen Herkunft: Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel (beide FDP), Joschka Fischer (Grüne), Frank-Walter Steinmeier (SPD) und der amtierende Ressortchef Außenminister Guido Westerwelle (FDP) natürlich auch. Alle zusammen unter dem Motto: "Ich will Europa".

Schön wär's gewesen. Aber es wird nichts draus. Kaum dass die Idee von verschiedenen deutschen Stiftungen am Donnerstag bekannt wurde, ist sie schon wieder geplatzt. Gescheitert an der alten Rivalität zwischen Fischer und Westerwelle - zwei Männern, die sich noch nie leiden konnten. Nie wieder konnte jemand den Vornamen ("Guuiiiiido") des Intimfeindes so schön in die Länge ziehen wie der Grüne.

Mit der Initiative (Schirmherr: Bundespräsident Joachim Gauck) wollten die insgesamt elf Stiftungen - darunter die Stiftung Mercator und die Robert-Bosch-Stiftung - dem allgemeinen Verdruss über den Euro und Europa entgegen wirken, der auch die Bundesbürger erfasst hat. Der gemeinsame Fototermin dafür sollte diese Woche stattfinden. SPD-Fraktionschef Steinmeier sagte dann jedoch wegen des Todes seines Vaters kurzfristig ab.

"Dafür mangelt es mir an Glaubwürdigkeit"

Die bis dahin ziemlich diskret betriebenen Pläne wurden trotzdem bekannt. Als erste berichtete am Donnerstag die Tageszeitung "Die Welt" darüber. Im dazu gehörenden Leitartikel ("Staatspolitische Verantwortung geht vor Parteipolitik") gab es für Westerwelle, der gemeinsam mit neun anderen EU-Ministern derzeit auch an einem europapolitischen Grundsatzpapier bastelt, kräftig Lob.

Noch am selben Tag erklärte Vorvorgänger Fischer seinen Ausstieg - zunächst im Telefonat mit den Stiftungen, dann in der "Süddeutschen Zeitung". "Ursprünglich ist es um eine Kampagne für Europa gegangen, jetzt soll es eine Kampagne für Guido Westerwelle werden", klagte der Grüne, der sein Geld heute als Unternehmensberater verdient. "Dafür mangelt es mir an Glaubwürdigkeit."

Zugleich warf er Westerwelles Ministerbüro vor, die Initiative für sich "gekapert" zu haben. Mit Kritik am Nachfolger - nach diplomatischen Maßstäben eigentlich tabu - hatte sich Fischer schon länger nicht mehr zurückgehalten. Aus seiner Unzufriedenheit über die aktuelle deutsche Außenpolitik - von Libyen über Syrien bis Europa - macht er keinen Hehl. Westerwelle seinerseits klagt immer wieder, dass ihm rot-grüne Fehler von einst die Arbeit arg erschweren.

Bei den Stiftungen ist die Enttäuschung nun groß. "Wir bedauern das sehr", sagte eine Sprecherin. "Das Bild der fünf Außenminister wäre ein starkes Motiv gewesen." Die Pro-Europa-Initiative soll aber trotzdem starten - auch ohne Fototermin. Auf die Frage, ob man sich nun auch mit vier Außenministern zufriedengeben werde, hieß es bei den Stiftungen nur: "Müssen wir prüfen."

jar/DPA DPA

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