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Gewalt in Syrien: Rotes Kreuz rettet Verwundete aus Homs

Seit Wochen liegt Homs unter dem Beschuss der syrischen Armee. Jetzt haben Nothelfer des Roten Kreuzes Zugang zu der belagerten Rebellenhochburg erhalten und erstmals Verwundete aus der Stadt geholt.

Nach einer ersten geglückten Evakuierungsaktion aus der syrischen Rebellenhochburg Homs hat sich das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Samstag um weitere Hilfe für die dort eingeschlossenen Zivilisten bemüht. Alle, die "dringliche medizinische Hilfe" benötigten, sollten Homs verlassen können, sagte IKRK-Sprecher Saleh Dabbakeh. Die notwendigen Verhandlungen würden mit der syrischen Regierung und der Opposition geführt, sagte Dabbakeh. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden am Samstag erneut 16 syrische Zivilisten getötet.

Nothelfer des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds hatten am Freitag in der umkämpften syrischen Stadt Homs begonnen, verletzte Menschen zu versorgen. Das bestätigte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Drei Krankenwagen hätten sieben Verletzte aus dem Viertel Baba Amr gebracht, teilte das IKRK weiter mit. Es seien mit den Behörden Verhandlungen zur Bergung aller Verletzten im Gange. Dabei gehe es auch um zwei verletzte westliche Journalisten sowie die Leichen von zwei getöteten Kollegen.

Das Viertel Baba Amro lag in den letzten Tagen laut Berichten von Augenzeugen unter schwerem Beschuss durch syrische Regierungstruppen. Seit rund einer Woche hatte das Rote Kreuz die syrischen Behörden und die bewaffnete Opposition immer wieder aufgefordert, eine Feuerpause zur Versorgung der Verletzten und Notleidenden zu ermöglichen.

Frankreich schickt Botschafter um Journalistin zu retten

Unter den Menschen, die in Homs dringende Hilfe brauchen, sind laut Angaben des Roten Kreuzes auch verwundete ausländische Journalisten. Unklar ist, ob auch sie die Möglichkeit erhielten, die Stadt zu verlassen. Vor wenigen Tagen starben in Homs zwei westliche Reporter im Dauerfeuer.

Das Rote Kreuz bekam entgegen ersten Erwartungen keinen Zugang zu der französischen Reporterin Edith Bouvier und dem britischen Fotografen Paul Conroy, die bei einem Angriff am Mittwoch verletzt wurden und auf Hilfe warten. Die Gründe dafür waren zunächst unklar. Die Regierung in Damaskus machte die Rebellen dafür verantwortlich.

Der französische Botschafter Eric Chevallier kehrte nach Damaskus zurück, um die verletzte Journalistin aus Homs herauszuholen. Die Regierung in Paris bestätigte, Chevallier, der von seiner Regierung zurückgerufen worden war, sei am Donnerstagabend nach Damaskus geflogen, um mit syrischen Verantwortlichen zu verhandeln.

Der Diplomat will die sichere Ausreise der in Homs verwundeten Reporterin Edith Bouvier erwirken. Außerdem solle er für den Transport der Leichen der Reporterin Marie Colvin und des französischen Fotografen Rémi Ochlik sorgen.

Colvin und Ochlik waren am vergangenen Mittwoch bei einem Artillerieangriff auf Homs getötet worden. Bouvier erlitt bei dem gleichen Angriff eine schwere Verletzung an einem Bein. In einem Video, das am Donnerstag im Internet veröffentlicht wurde, bittet die Verletzte die französische Regierung, sie mit einem Krankenwagen in den Libanon zu bringen, da sie dringend operiert werden müsse. An ihrer Seite steht in dem Video der französische Fotograf William Daniels.

Assad soll ins russische Exil gehen

Die Syrien-Kontaktgruppe hat unterdessen bei ihrem Treffen in Tunis weitere Sanktionen gegen die Regierung in Damaskus gefordert. Die "Freunde Syriens" bekräftigten am Freitag in der Abschlusserklärung des Gipfels in der tunesischen Hauptstadt ihren Willen, weitere Strafmaßnahmen gegen Syrien zu beschließen und umzusetzen. Zudem riefen sie zu einem sofortigen Stopp der Gewalt in dem arabischen Land auf, das seit bald einem Jahr Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition ist.

An dem ersten Treffen der Gruppe nahmen rund 60 Staaten und internationale Organisationen teil. Auch die Opposition war vertreten, nicht aber die Regierung in Damaskus. Im Gespräch mit US-Außenministerin Hillary Clinton sprach sich ihr saudiarabischer Kollege Saud al-Faisal für eine Bewaffnung der Aufständischen aus. Tunesiens Präsident Moncef Marzouki plädierte dagegen für eine "politische Lösung". Er schlug Russland als Exil für Syriens Präsident Baschar al-Assad vor und plädierte für eine arabische Friedenstruppe.

mad/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters