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Großbritannien: Brown-Gegner sägen am Stuhl des Premiers

Die Regierung in Großbritannien steck in einer tiefen Krise. Innerhalb der regierenden Labour-Partei arbeiten jetzt Brown-Gegner an ihrer eigenen "politischen Agenda". Der britische Premierminister Gordon Brown soll mit dem Rücken an der Wand stehen. Brown hat reagiert und will sein Kabinett zu einer Sondersitzung zusammenrufen.

Der britische Premierminister Gordon Brown hat auf die zunehmenden Spekulationen um seinen möglichen Rücktritt mit der Einberufung einer Sondersitzung seines Kabinetts reagiert. Sie soll allerdings erst am 8. September stattfinden, wie ein Sprecher der Downing Street am Montag mitteilte. Er betonte, Brown halte auch während seines derzeitigen Urlaubs die politischen Fäden fest in der Hand.

Die Minister und die anderen Mitglieder des Kabinetts würden sich zu der Sondersitzung nicht in London treffen, sondern voraussichtlich in Mittelengland, sagte der Sprecher. Am Rande der Kabinettssitzung sollten sie Gelegenheit zu Treffen mit der Öffentlichkeit bekommen. "Das entspricht dem Wunsch der Regierung, den Menschen unseres Landes zuzuhören und von ihren Erfahrungen zu lernen."

Blair-Anhänger schließen sich zusammen

Innerhalb der regierenden Labour-Partei bereiten Brown-Gegner die Vorlage ihrer eigenen "politischen Agenda" vor, berichteten britische Medien. Damit solle "eine Kampagne für seine Entfernung aus (der Downing Street) Nummer 10 beschleunigt werden", hieß es in der konservativen Zeitung "The Times". Der Sender BBC meldete, Anhänger des ehemaligen Premierministers Tony Blair wollten in den nächsten Wochen politische Initiativen zur Lösung wichtiger aktueller Probleme der Öffentlichkeit vorstellen. Es handele sich dabei um mehrere frühere Minister, die erklärtermaßen ein "Vakuum" in der Labour-Regierung füllen und das Profil der Partei gegenüber der laut Umfragen immer populärer werdenden konservativen Opposition stärken wollen. Brown hatte seinen Vorgänger Blair im Juni 2007 abgelöst.

Einen der rebellischen Ex-Minister, der namentlich nicht genannt wurde, zitierte die BBC mit den Worten: "Gordon Brown steht mit dem Rücken an der Wand." Laut "Times" haben die Brown-Gegner, zu denen an vorderster Stelle der frühere Innenminister Charles Clarke und der frühere Handels- und Industrieminister Stephen Byers gehörten, eine Serie von Gesprächen mit amtierenden Ministern und anderen hochrangigen Labour-Politikern angekündigt. Damit solle der politische Druck auf den Premierminister aufrechterhalten werden.

Browns Sprecher sagte, er lasse sich "in keinerlei Spekulationen über die Führung hineinziehen". Gedrängt von Reportern, die wissen wollten, ob der Premierminister immer noch Vertrauen in Außenminister David Miliband habe, der als möglicher Nachfolger Browns gilt, sagte der Sprecher nur kurz "Ja". Miliband hatte kürzlich in einem Gastbeitrag für den "Guardian" die Vision einer modernisierten Labour-Partei aufgezeichnet, die das verlorene Vertrauen der Wähler zurückgewinnen könnte, ohne dabei den Premierminister auch nur zu erwähnen.

DPA / DPA