HOME

Imam-Ali-Moschee: Al Sadr weicht nicht

Noch am Freitag hat alles auf ein rasches Ende des Konflikts um das schiitische Heiligtum in Nadschaf hingedeutet. Doch der radikale Prediger al Sadr weigert sich die Moschee zu räumen, und die USA fliegen Bombenangriffe.

Neue Kämpfe in der irakischen Stadt Nadschaf haben Hoffnungen auf ein friedliches Ende der Krise einen schweren Rückschlag versetzt. US-Kampfflugzeuge bombardierten in der Nacht zum Sonntag laut Augenzeugen die Altstadt, überall auf den Straßen seien Schüsse und Granatexplosionen zu hören gewesen. Kämpfer des radikalen Predigers Muktada al Sadr waren weiter in der Imam-Ali-Moschee verschanzt - die am Freitag angekündigte Übergabe des Schreins an die schiitische Geistlichkeit ist noch immer nicht zustande gekommen.

Erst räumen oder erst inspizieren?

Die Schlüsselübergabe an Vertreter von Großayatollah Ali al Husseini al Sistani, die nach Ansicht von Beobachtern ein wichtiger Schritt zur Beendigung der Konfrontation wäre, scheiterte am Samstag im Streit um die Modalitäten. Al Sistanis Vertreter hätten darauf bestanden, dass die Militanten zuerst die Moschee räumten, sagte ein Vertrauter al Sadrs. Seine Gruppe wiederum wolle, dass zunächst eine Delegation al Sistanis die Moschee inspizieren sollte. Dabei solle bestätigt werden, dass die Heiligtümer unbeschädigt seien, um möglichen späteren Vorwürfen vorzubeugen. Vertraute al Sistanis erklärten allerdings, wegen der unsicheren Lage in Nadschaf werde keine Delegation entsandt.

Hussein al Sadr, ein entfernter Verwandter von Muktada al Sadr und Leiter einer Vermittlungsdelegation in der vergangenen Woche, rief den Prediger erneut auf, seine Kämpfer zu entwaffnen, aus dem Schrein abzuziehen und die Miliz aufzulösen. Er sprach von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Bei den Kämpfen in der Nacht zum Sonntag wurden nach Krankenhausangaben mindestens drei Menschen getötet und 18 verletzt.

Im Süden Pakistans haben am Sonntag rund 5000 schiitische Muslime gegen die Kämpfe in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf demonstriert und einen Abzug der US-Streitkräfte gefordert. Die Demonstranten verbrannten während der friedlichen Kundgebung in der Hafenstadt Karachi amerikanische und israelische Flaggen und ein Bild von US-Präsident George W. Bush. Die US-Truppen sollten den Irak schnellstmöglich verlassen, forderten sie.

Leiche eines Journalisten-Dolmetschers gefunden

Zwei französische Journalisten und ein italienischer Kollege werden im Irak vermisst, wie ihre Arbeitgeber mitteilten. Christian Chasnot, Reporter von Radio France Internationale (RFI), und Georges Malbrunot von der Tageszeitung "Le Figaro" waren beide in Bagdad im Einsatz. Auch von dem als freier Mitarbeiter für das Nachrichtenmagazin "Diario" arbeitenden Enzo Baldoni fehlt jede Spur, wie die Chefredaktion laut Nachrichtenagentur ANSA berichtete. Die Leiche von Baldonis Dolmetscher sei in der Nähe von Nadschaf gefunden worden.

Im Irak wurden möglicherweise auch zwölf Nepalesen entführt. Der nepalesische Ministerpräsident Sher Bahadur Deuba erklärte am Sonntag, die Regierung gehe entsprechenden Informationen auf der Web-Site der islamistischen Ansar-al-Sunna-Armee nach.

DPA / DPA
Themen in diesem Artikel