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Trumps Ex-Botschafterin in Kiew: Sie sagt heute aus: Warum Marie Yovanovitch für Trump gefährlich werden könnte

Trumps Ex-Botschafterin in Kiew könnte zur Schlüsselzeugin in Sachen Impeachment-Ermittlungen werden. Sie hat bereits schwere Vorwürfe in der Ukraine-Affäre erhoben. Heute sagt sie öffentlich aus – und dürfte Trump damit in arge Bedrängnis bringen.

Marie Yovanovitch gilt als eine der Schlüsselzeuginnen in den Impeachment-Ermittlungen

Marie Yovanovitch gilt als eine der Schlüsselzeuginnen in den Impeachment-Ermittlungen

AFP

Ihre Aussage wird mit Spannung erwartet: Die ehemalige US-Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanovitch, soll am Freitag im Zuge der Untersuchungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump öffentlich Stellung beziehen.

Yovanovitch gilt als wichtige Figur in der Ukraine-Affäre und war zuvor bereits hinter verschlossenen Türen von drei Ausschüssen der Kongresskammer befragt worden. Die Diplomatin war auf Drängen Trumps vorzeitig von ihrem Posten als Botschafterin in Kiew abberufen worden – unter fragwürdigen Umständen, wie sie selbst immer wieder betonte.

Marie Yovanovitch war nach Ukraine-Telefonat "schockiert"

Beobachter gehen davon aus, dass Yovanovitch ihre Vorwürfe gegen die US-Regierung am Freitag öffentlich wiederholt. Als sie damals die Abschriften des Telefonats von Donald Trump mit seinem ukrainischen Amtskollegen gelesen habe, sei sie "schockiert" und "sehr besorgt" gewesen, sagte Yovanovitch bereits aus.

Der US-Präsident habe im Verlauf des Gesprächs außerdem gesagt, die Botschafterin werde "einige Dinge durchmachen". Sie habe sich dadurch bedroht gefühlt, so die 61-Jährige.

Im Mai wurde Yovanovitch als Botschafterin abgezogen, wegen "unbegründeter und falscher Behauptungen von Menschen mit klar fragwürdigen Motiven", hatte sie im Oktober in der nicht-öffentlichen Anhörung gesagt. Das ging aus dem später veröffentlichten Transkript der Anhörung hervor. Gleichzeitig wies sie Vorwürfe zurück, sie habe sich "illoyal" gegenüber Trump verhalten.

Auf ihre vorzeitige Abberufung habe sie "ungläubig" reagiert, erklärte die Diplomatin laut "New York Times". Ein Vorgesetzter im Außenministerium habe ihr mitgeteilt, dass sie zwar "nichts falsch gemacht" habe, es aber eine "konzertierte Kampagne" gegen sie gebe.

Militärhilfen im Gegenzug für Biden-Ermittlungen?

Die US-Demokraten im Repräsentantenhaus führen Untersuchungen, die zu einem Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Trump führen könnten. Sie werfen ihm vor, seine Macht missbraucht zu haben, um die ukrainische Regierung dafür zu gewinnen, sich zu seinen Gunsten in den US-Wahlkampf einzumischen. Es besteht der Verdacht, dass Trump Militärhilfe an das Land in Höhe von rund 400 Millionen US-Dollar als Druckmittel einsetzte. 

Der US-Präsident wollte diese den Vorwürfen zufolge erst dann freigeben, wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj öffentlich verkündet, Korruptionsermittlungen gegen Joe Biden und dessen Sohn Hunter einzuleiten. Biden ist einer der ärgsten Konkurrenten Trumps in Sachen Wiederwahl. Trump selbst behauptet, das Ganze sei eine "Hexenjagd". 

Pelosi: "Trump hat seinen Eid verletzt"

Am Mittwoch hatten Abgeordnete der Demokraten und der Republikaner im US-Kongress bereits zwei Zeugen öffentlich befragt – das erste Mal seit Aufnahme der Impeachment-Ermittlungen Ende September. Der geschäftsführende US-Botschafter in der Ukraine, William Taylor, machte dabei neue - für Trump belastende - Angaben. 

Die Demokraten sahen Vorwürfe gegen Trump danach untermauert. "Die vernichtende Zeugenaussage hat Hinweise auf Bestechung (...) erhärtet und dass der Präsident seine Macht missbraucht und seinen Eid verletzt hat", sagte die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, am Donnerstag in Washington.

Jim Jordan (l.) und Peter Welch bei der Anhörung im US-Kongress

Pelosi betonte aber zugleich, dass über die Eröffnung eines Amtsenthebungsverfahrens noch nicht entschieden sei.

Droht Donald Trump tatsächlich ein Impeachment?

Im Zentrum der Ukraine-Affäre steht ein Telefonat Trumps mit seinem ukrainischen Kollegen Selenskyj am 25. Juli, in dem Trump Druck auf Selenykyi ausgeübt haben soll, entsprechend gegen die Bidens zu ermitteln. Trump wirft Biden vor, in seiner früheren Funktion als US-Vizepräsident Anstrengungen unternommen zu haben, um seinen Sohn vor der ukrainischen Justiz zu schützen. Hunter Biden war bei einem Gaskonzern in der Ukraine beschäftigt.

Die Demokraten wollen mit der Untersuchung der Ukraine-Affäre den Weg freimachen für eine formelle Anklageerhebung gegen Trump durch das Repräsentantenhaus. Für ein offizielles Impeachment brauchen sie allerdings auch Stimmen der Republikaner – die bislang geschlossen zu Trump halten.

mik / DPA / AFP